Gabriele Püttmann verbindet Material und Menschen. „Ton und Malerei – das geht eigentlich gar nicht.“, sagt sie. Wo mit Ton gearbeitet wird, staubt es. Das bekommt Farben und Leinwänden nicht. Und dennoch: In ihrem Atelier passt es zusammen und wird zusammengeführt. Gabriele Püttmann arbeitet mit Keramik-Segmenten auf ihren Bildern und verbindet so Malerei und Plastik. Die Lüdenscheider Designerin, Malerin und Bildhauerin ist ständig auf der Suche nach Neuem.

Vertrautes Verhältnis zu vielen Materialien

Sie hat zu vielen Materialien seit langem ein vertrautes Verhältnis. Während des Studiums an der Dortmunder Fachhochschule für Design wurden Beziehungen zu Farbe, Leinwand, Holz, Ton und anderen Rohstoffen vertieft. Ende der 80er Jahre arbeitete sie für Daimler Benz in Sindelfingen und kreierte Großmodelle in Ton. Seit 1990 schafft sie als freie Künstlerin und als Dozentin für Acryl- und Aquarellmalerei.

Die 1961 in Attendorn geborene Frau ist ein Mensch mit vielen Interessen. „Ich muss mich ständig weiterbilden“, sagt sie. Gabriele Püttmann will insbesondere die Bildhauerei vervollkommnen. Ein weiterer Schritt dazu: das Porzellan. Das „weiße Gold“ hat es ihr angetan. Erst kürzlich besuchte sie einen Kurs im Elsass. Jetzt experimentiert sie.

Experimente mit Porzellan

Auf dem Tisch liegen Porzellanscherben.  Sie sind wellig oder auch rechteckig, einige mit eingewalzten Elementen. Aus allen schimmern wie zufällig blaue Farbeinschlüsse. Das ist so gewollt und das Ergebnis eines wahren Geduldspiels. „Porzellan ist eine Wissenschaft für sich“, berichtet die Künstlerin.

Feinkeramik erfordert einen langen Atem.  Zunächst muss das Material in Form gebracht werden. Dann muss der Scherben langsam trocknen. Das kann, je nach Objektart bis zu zwei Wochen dauern. Vor dem Brand wird auf den lederharten Ton eine Engobe (dünnflüssige Tonmineralmasse) aufgetragen und poliert.  Erst dann ist ein brennreifer Zustand erreicht.

Brennen bei 950 Grad

Es folgt der Schrühbrand, in dem das Objekt bei ca. 950 Grad seine erste Härte bekommt. Der vierte Schritt ist das Glasieren. Ein spannender Vorgang. An Stelle von Glasuren verwendet die Künstlerin oft flüssig Oxide wie zum Beispiel Mangan oder Eisenoxid. Die Oxide entwickeln sich auf der vorher mit Engobe behandelten Plastik ganz anders als auf dem rohen Schrühbrand. Dieser archaische Brand wird im Ziegelofen unter Reduktion von Sauerstoff durchgeführt. Nachdem das Füllmaterial des Ofens, wie zum Beispiel Sägespäne und Pflanzen wie Ackerschachtelhalm mit einen hohen Pottasche Anteil angebrannt ist, wird der Ofen verschlossen. Nur durch die Ritzen des lose aufgeschichteten Ziegelofens dringt noch minimal der zur Verbrennung notwendige Sauerstoff in den Ofen.

Schmaukbrand löst Farbgebung aus

So entsteht ein Schmaukbrand, der die Reaktion der Oxide auf der Plastik und somit die Farbgebung auslöst.  Auch andere Brände im Elektroofen werden genutzt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Problematisch ist die hohe Ausschussquote. „Oftmals kommt von zehn Objekten nur eins unversehrt aus dem Ofen“, erklärt Gabriele Püttmann. Das hindert sie aber nicht daran, weiter mit dem weißen Gold zu experimentieren. Das durchscheinende Material hat sie auf viele Ideen gebracht. Eine davon: „Ich plane eine Art hängender Garten.“ So könnten in ihrem Atelier bald Blüten aus Porzellan unter einer aufgehängten Platte schweben. Mal sehen.

Smartphone als Notizblock

Gabriele Püttmanns Notizblock ist das Smartphone. Ständig fotografiert sie ihre Umgebung, hält Eindrücke fest. Auch das führt zu überraschenden Ergebnissen. Ein eigentlich missratenes, unscharfes Foto vom Kölner Dom regt sie zu einem Bild an. Das großformatige Werk hängt in ihrem Lüdenscheider Heim. Es strahlt etwas Unheimliches, Mystisches aus. Erinnerungen an das Mittelalter werden wach. Die Künstlerin hat Drucke von diesem Bild anfertigen lassen. Einige sind bereits verkauft. Auf Anforderung hält sie weitere Drucke (auch als Serie) bereit.

Lampenschirme werden zu Lichthockern

Die Lüdenscheidern lässt sich auch von Gebrauchsgegenständen inspirieren. Ein Beispiel ist der Lichthocker. Das Sitzmöbel war während der LichtRouten 2013 an einigen Stellen im Stadtgebiet zu sehen. Es handelt sich um ausrangierte Lampenschirme. Sie waren überflüssig geworden, nachdem die Stadt einige Straßenzüge auf moderne LED-Leuchten umgerüstet hatte. Gabriele Püttmann hat sie aufwendig umgebaut. Der Clou: Sie leuchten. Es gibt die Hocker in zwei Ausführungen: So lässt sich in einer Version das Licht per Hand einschalten. Die andere Ausführung leuchtet, wenn sich jemand auf dem Sitzkissen niederlässt. Wer den Schemel anschaut, glaubt zunächst nicht, wie viel Arbeit darin steckt.

Gabriele Püttmann lacht: „So ist das in Kunst und Design, da denke ich wie Karl Valentin: “ Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Gabriele Püttmann ist Mitglied im Künstlerbund Südsauerland und im Bundesverband Bildender Künstler Westfalen (BBK).

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Mehr über die Künstlerin: www.puettmann-kunst.de

Fotos:

©Steffen Schulte-Lippern und Wolfgang Teipel

 

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