Zahlreiche Bürger/innen nahmen die Gelegenheit wahr, um sich über die geplante Einrichtung von Vorrangzonen für Windenergieanlagen auf Plettenberger Stadtgebiet zu informieren. Foto: Bernhard Schlütter
Das Interesse ist groß. Über 80 Bürger/innen nahmen an der Versammlung im Ratssaal teil. Foto: Bernhard Schlütter
Das Interesse ist groß. Über 80 Bürger/innen nahmen an der Versammlung im Ratssaal teil. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Über 80 Bürgerinnen und Bürger nahmen am Informationsabend über die geplante Ausweisung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen am Dienstagabend im Ratssaal teil. Die 6. Änderung des Flächennutzungsplans sieht Vorrangflächen für Windräder in den Waldgebieten Hohe Molmert, Wüstung Höh sowie im Bereich Hemberg, Steinklapp und Hardt (Lenneraum West/Zentrum) vor. Fünf etwa 200 Meter hohe Windenergieanlagen könnten in naher Zukunft z.B. auf der Hohen Molmert errichtet werden. Dies stößt auf Widerstand bei vielen Bürgern. Die Initiative Gegenwind Plettenberg hat sich zum Ziel gesetzt, den Bau weiterer Windräder in Plettenberg zu verhindern.

Planung verringert Anzahl der Windkraftflächen

Sie informierten über das Verfahren der Flächennutzungsplanänderung zur Einrichtung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen: (von links) Jan Koopmann, Hartmut Engelkemeier (beide Stadtverwaltung), Bertram Mestermann (Büro für Landschaftsplanung) und Bürgermeister Ulrich Schulte. Foto: Bernhard Schlütter
Sie informierten über das Verfahren der Flächennutzungsplanänderung zur Einrichtung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen: (von links) Jan Koopmann, Hartmut Engelkemeier (beide Stadtverwaltung), Bertram Mestermann (Büro für Landschaftsplanung) und Bürgermeister Ulrich Schulte. Foto: Bernhard Schlütter

Jan Koopmann vom Sachgebiet Stadt- und Umweltplanung erläuterte Entwicklung und Sachstand des Planänderungsverfahren, mit dem im Jahr 2011 begonnen wurde. Ziel sei es, dass Plettenberg die Steuerung der Windenergie selbst steuern kann. In verschiedenen Planungen auf Landesebene seien bis zu zwölf Bereiche als Potenzialflächen für Windkraft reserviert worden. „Das Stadtgebiet wäre davon umzingelt“, so Koopmann. Mit der Ausweisung von Konzentrationszonen würde man diese „Verspargelung“ der Landschaft verhindern, zudem die Anzahl der Flächen von acht auf drei verringern.

Die jetzt geplanten Bereiche Hohe Molmert, Wüstung Höh und Lenneraum West seien nach einem systematischen Bewertungsverfahren aller in Frage kommenden Flächen übrig geblieben. Insgesamt würden sich damit die Konzentrationsflächen für Windenergie in Plettenberg auf 261 Hektar summieren. Das sind 3,95 Prozent des Stadtgebiets und sollte der Anforderung des Landes an die Kommunen, der Windenergie substanziell Raum zu verschaffen, genügen.

„Windräder gehören nicht in den Wald“

Gegen Windräder in Plettenberg: Dirk Brockhaus von der Bürgerinitiative Gegenwind Plettenberg Foto: Bernhard Schlütter
Gegen Windräder in Plettenberg: Dirk Brockhaus von der Bürgerinitiative Gegenwind Plettenberg Foto: Bernhard Schlütter

Im Gegensatz zur Stadtverwaltung sehen die Windkraftgegner keine Verpflichtung Plettenbergs, zu diesem Zeitpunkt, wenn überhaupt, tätig zu werden. „Die aktuelle Entwicklung läuft auf Verzögerung und Verringerung des Ausbaus von Windenergie hinaus“, meinte Robert Lützenkirchen als Gegenwind-Sprecher. „Plettenberg ignoriert das aber völlig und opfert ein Filetstück seiner Landschaft.“ Derzeit sei weder Zwang noch Zeitdruck vorhanden. „Mein persönliche Meinung ist: Windräder gehören nicht in den Wald. Und da wir hier hauptsächlich Waldgebiete haben, ist eben kein Platz für Windräder.“

Dirk Brockhaus bezeichnete das Handeln der Stadt als „vorauseilenden Gehorsam“. Ein von ihm beauftragter Rechtsanwalt habe dies ganz klar festgestellt. Brockhaus kritisierte auch die Terminierung der öffentlichen Auslegung auf die Ferienzeit und wünschte sich eine Fristverlängerung auf sechs Wochen.

Kritik am Artenschutzgutachten

Harte Kritik übten Brockhaus und weitere Jagdrevierinhaber bzw.-pächter im Bereich der geplanten Windenergieflächen am Artenschutzgutachten. Darin würden erhebliche Vorkommen von z.B. Schwarzstörchen und Rotmilanen in den betroffenen Gebieten nicht berücksichtigt. Der Gutachter habe es versäumt, mit den Jägern zu kooperieren, die ihr Revier zum Teil seit 35 Jahren genau kennen.

Bertram Mestermann, dessen Landschaftsplanungsbüro im Jahr 2014 das Gutachten für das gesamte Stadtgebiet erstellte, wies die Vorwürfe zurück. Üblicherweise würden die Revierinhaber im Zuge des Verfahrens angeschrieben, so weit die Adressen bekannt seien. Mit anderen Jägern sei er nach deren Meldung bei ihm selbst durch deren Revier gegangen. „Bitte teilen sie uns mit, wenn sie einen Horst eines Schwarzstorchs oder Rotmilans kennen, der im Gutachten nicht erfasst worden ist. Wir fahren dann raus und wenn die Angabe stimmt, tragen wir das im Gutachten nach“, betonte er, dass die Untersuchung nicht abgeschlossen sei.

Auf gesundheitliche Folgen für Menschen im Einflussgebiet von Windrädern wies Dr. Michael-Alexander Reinke hin, der ebenfalls Mitglied der Intiative Gegenwind Plettenberg ist. Er hält vor allem den Mindestabstand von 600 Metern für zu gering, möchte nach bayerischem Vorbild 2000 Meter festgelegt wissen. Allerdings räumte er auch ein, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Menschen noch nicht komplett erforscht seien. Seine persönliche Meinung drückte er so aus: „Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windräder, aber es kommt drauf an, wo man sie hinstellt.“

„Wir machen keine Werbung für Plettenberg als Windenergiestandort“

Immer wieder klang in Wortmeldungen am Dienstagabend der Verdacht von Bürger/innen durch, die Auswahl der Fläche Hohe Molmert sei bewusst gesteuert worden, weil sich die Stadt eine ergiebige Einnahmequelle durch die Verpachtung von Flächen verspreche, die in ihrem Eigentum sind, bzw. die Stadtwerke die Windräder nach deren Errichtung übernehmen und betreiben wollten.

Dem widersprach Bürgermeister Ulrich Schulte: „Wir wollen Vorrangzonen planen, nicht unbedingt Windräder bauen. Wenn dann aber schon Windräder nach Plettenberg kommen, würden wir über die Stadtwerke gerne davon profitieren, aber das ist noch völlig offen.“ Und Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier ergänzte: „Wir machen keine Werbung für Plettenberg als Windenergiestandort.“

Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden vom 14. Juli bis zum 15. August

Der Flächennutzungsplanentwurf liegt vom 14. Juli bis zum 15. August im Rathaus aus. In diesem gesetzlich festgelegten Zeitraum von vier Wochen können Einwände von Bürger/innen vorgebracht werden. Im selben Zeitraum erfolgt die Beteiligung der Behörden. Sollten sich aus den vorgebrachten Einwänden Änderungen des FNP-Entwurfs ergeben, erfolgt eine erneute Auslegung. Nach dem Feststellungsbeschluss durch den Rat wird der FNP der Bezirksregierung zur Genehmigung vorgelegt. Dabei wird auch geprüft, ob der Windenergie durch den neuen FNP substanziell Raum geschaffen wurde.

 

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