Die Vertreter der Initiative "Freiräume für Dich": Gesa Dittmann, Jugendkulturbüro,Lara Schönbeck, Vorstand Stadtjugendring (Jugendamt), Leonie Böhse, Vorstand im Stadtjugendring (Pfadfinder), Stefanie Schröder, Sprecherin des Stadtjugendrings, Dietrich Vehse, Geschäftsstelle Stadtjugendring, Christiane Langs-Blöink, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule, Stefan Schick, Kinder- und Jugendreferent des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg (v.l.n.r)

Lüdenscheid. Im Lüdenscheider Rathaus trafen sich anlässlich der Intiative „Freiräume für Dich“ am Mittwoch, den 19.03.2015 die Mitglieder des Stadtjugendringes, Vertreter der weiterführenden Schule, des Jugendamtes, der Pfadfinder, des evangelischen Kirchenkreises und des Jugendkulturbüros Lüdenscheid.

Mitgliederzahlen sind stetig rückläufig

Anlass der Initiative ist die erschreckende Erkenntnis, dass die Mitgliederzahlen in Vereinen, Musikschulen, Initiativen, Verbänden und Sportvereinen, die durch die Anwesenheit von Jugendlichen getragen werden, stetig rückläufig sind. Im Nachmittagsbereich merkt man das besonders stark. Ein Trend, der mittlerweile für alle Anbieter spürbar ist. Und über kurz oder lang auf die gesamte Gesellschaft und ihre Strukturen Auswirkungen hat.

So alarmiert, hat der Stadtjugendring beschlossen, auf diesen Mißstand aufmerksam zu machen. Zu den Betroffenen gehören natürlich auch Kirchengemeinden, der CVJM und die Pfadfinder, wodurch insbesondere das Ehrenamt betroffen ist. Das Ehrenamt unter Jugendlichen ist nämlich ebenfalls stetig rückläufig. Auch bei Feuerwehren, THW und DRK. Dies ist natürlich nicht nur in Lüdenscheid so, sondern bereits eine bundesweite Tatsache. So ist in den letzten zwei Jahren landesweit innerhalb der Verbände und Kirchen die Frage aufgekommen, ob die Schüler nicht einfach überfordert sind, über die Maßen belastet durch den steigenden Nachmittagsunterricht. Und die Erkenntniss sich durchsetzt, dass die Schüler mittlerweile sehr unter dem steigenden Druck der Schulen leiden.

Parallel dazu hat sich daher zunächst eine Initiative auf Landesebene gegründet, diese vom Landesjugendring initiiert. Die Initiative „Umdenken – jungdenken“, die schon 2013 ein Jugendforum in Lüdenscheid veranstaltet hat. Dazu gab es einen Jugendkongress im Landtag und letztes Jahr im Mai eine Aktion „Jugend umdenken lokal“, bei der auf die Wahlmöglichkeit mit 16 aufmerksam gemacht wurde.

Gründung eines Dialogforums

Aus diesen Aktionen heraus und der Überlegung, wie man dem Trend, dass junge Leute sich zunehmend aus den nachmittäglichen Freizeitangeboten und Ehrenämtern zurückziehen, entgegen stehen kann, wurde vom Stadtjugendring ein Dialogforum gegründet. Daraus wurde eine Projektidee, die einen Nachmittag ohne geregelten Unterricht zum Thema hat. Die Nachmittage sind ja für die Schüler heute nicht einfach frei verfügbar. Einen gemeinsamen Nachmittag ohne Regelunterricht und ohne Hausaufgaben aller weiterführenden Schulen Lüdenscheids zu veranstalten, soll daher ein Zeichen setzen. Dieser Nachmittag wird nach Auskunft der Initiatoren am 17. Juni.2015. in der Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr stattfinden.

Dieser Mittwochabend stand demnach im Rathaus unter dem Zeichen „Planung des Aktionstages“. Am 17.6.2015 soll dabei der Schwerpunkt auf außerschulischen Lern- und Freizeitangeboten liegen. Darüber hinaus wird es eine Diskussionsrunde und eine Abschlussveranstaltung am Abend geben. Dazu wurden von den Anwesenden auch einige Projektziele benannt, nämlich die Bevölkerung insgesamt für das Thema zu sensibilisieren, dieses in die Öffentlichkeit zu bringen und auch vor allem die betroffenen Schüler und Schülerinnen, die unter dieser steigenden Belastung klarkommen müssen, in den Fokus zu rücken. Und natürlich auch den Musikschulen, Verbänden,Vereinen und Kirchengemeinden etc. die Möglichkeit zu geben, an diesem Tag ihr eigenen Angebote anzubieten und auch dafür zu werben.

Nachdenken über diese neue Problematik

Alle zusammen, in ein Boot zu holen und auch einen weiterführenden Dialog anzuregen, damit es danach weitergeht und das ganze nicht einfach verpufft ist dann auch Ziel nicht nur des Nachmittages sondern auch einer abschließenden Abendveranstaltung. Man will ganz allgemein eine Diskussion bzw. Nachdenken über diese neue Problematik anzustoßen. Was sich letztendlich aus diesem Tag noch entwickeln mag, ist zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Zu sagen, man säße zusammen, weil sich die Verbände leeren, ist dabei nur eine Teilaspekt des Gesamtproblems. Man trifft sich auch, weil sich eine Gesellschaft gerade komplett ändert und weil das ganz bestimmte Auswirkungen hat. Auf die Entwicklung von Jugendlichen, auf die Entwicklung von Verbänden und Vereinen, auf die ganz private Gestaltung von Freizeit der Jugendlichen. Man fragt sich, inwiefern dieser Freiraum „Freizeit“ überhaupt noch vorhanden ist?

Jugendliche leiden bereits unter Burn-Out

Es gibt bereits das Phänomen, dass Jugendliche unter Burn-Out leiden, weil sie zum Teil eine Arbeitswoche haben, die weit über die normale 40 Stunden Woche der Erwachsenen hinaus geht. Und das in einem Alter, in dem man eigentlich gerade viel Zeit für sich braucht, um sich zu orientieren, zu finden und auch seine Stärken und Schwächen zu entdecken. Sehr viele Menschen nehmen mittlerweile gerade in der Bevölkerungsgruppe der Jugendlichen Medikamente, um in einem solchen System von Druck und Leistung überhaupt funktionieren zu können. Schüler haben eben mittlerweile oft einen stressigeren Tag als Erwachsene.

Um den 17. Juni vorzubereiten, wurden im Vorfeld bereits die Schülervertretungen durch gesonderte Veranstaltungen angesprochen, bei denen die Schüler übereinstimmend sagten, dass sie sich gut vorstellen könnten, an einem solchen Nachmittag wie er am 17.6. geplant ist, einfach einmal ein Zeichen zu setzen, ein Bewusstsein zu schaffen für die Problematik, die sich aus diesen Tatsachen für die gesamte Gesellschaft langfristig ergibt. Politikern den Spiegel vorzuhalten mit der Aussage: „Liebe Politiker, liebe Verantwortliche, schaut doch mal hin, was ihr gerade einer ganzen Generation antut und welche Folgen das haben könnte. Wie geht ihr eigentlich mit den Ressourcen von jungen Heranwachsenden um?“

Sie wollen ein zeichen setzen. Auch mit einem passenden Logo für die Aktion.
Sie wollen ein Zeichen setzen. Auch mit einem passenden Logo für die Aktion.

Natürlich betrifft das auch die Eltern, die ihre Kinder abends um 22 Uhr noch lernend am Schreibtisch sitzen sehen und sich einfach Sorgen machen. Dass dabei das Instrument in der Ecken stehen bleibt, weil auch der Musikunterricht nicht mehr zu schaffen ist, ist selbstredend…

Man wird mit einer solchen Aktion das System wahrscheinlich nicht ändern, aber man kann zumindest versuchen, den Verantwortlichen klar zu machen, dass sie sich sensibilisieren sollten für die Kehrseiten einer solchen Schulpolitik, wie sie im Moment Usus ist.

An diesem Aktionstag hat das Dialogforum nicht nur die Jugendlichen im Blick, sondern auch die Schulen selbst, die Eltern, die Politiker und alle anderen Betroffenen, für die dann auch abends noch mal bei der Veranstaltung Platz ist, sich zu äußern bzw., sich Input über Problem und Lösung zu suchen.

Für alle ein gemeinsames Programmheft

Geplant ist zusätzlich zu den vorangegangenen Informationsveranstaltungen für alle Anbieter von Freizeitaktivitäten oder Ehrenämtern ein gemeinsames Programmheft, in dem die Aktivitäten aufgeführt werden, die an diesem Tag genutzt werden können, also  wer was anbietet, wo das stattfindet und wie man dorthin kommt. Die Anbieter haben dabei die Möglichkeit, sich in diesem Heft kurz vorzustellen, zu erzählen, wer sie sind und ob man sich anmelden muss. Es wird dazu auch begleitend noch eine Facebookseite geben und eventuell eine App.

Die Jugendlichen können sich auf diesem Weg aussuchen, was sie anspricht und was sie gern an diesem Tag machen möchten und die Initiatoren hoffen, dass Aktion und Angebote gut angenommen werden. Es werden sicher nicht alle 8000 Schüler der Stadt daran teilnehmen, aber man hofft auf Multiplikatoren durch entsprechende Aktionen die zur Bewerbung der Initiative geplant sind und dass sich das Ganze bis zu 17.6. so herumspricht, dass möglichst viele Schüler an der Aktion teilnehmen. Es ist aber auch ok, wenn die Schüler diesen freien Nachmittag dazu nutzen, etwas zu tun, wozu sie einfach Lust haben, sich z.B. einfach mal in Ruhe mit Freunden zu treffen, sich mal auszuruhen, Sport zu treiben, spazieren zu gehen oder ähnliches.

Sponsoren gesucht

Dies wird eine Aktion sein, die in der gesamten Stadt stattfindet, also sehr lebendig ausgestaltet wird. Zeitgleich sucht die Initiative noch Sponsoren, da nicht alle Angebote kostenfrei sein werden. Spenden und Sponsoren sind daher ausdrücklich erwünscht.

Der Stadtjugendring ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein und kann entsprechend auch Spendenquittungen ausstellen. Wer mitmachen will und Sponsor werden möchte oder einfach nur kostenfrei Schnupperstunden anbieten möchte, (z.B. Musikschulen, Sportvereine, Malkurse, Literaturvereine etc.) möchte sich bitte bis allerspätestens 17.4.2015 bei Herrn Dietrich Vehse von der Geschäftstelle des Stadtjugendringes anmelden. Per Telefon: 02351 674281 oder einfach per E-Mail: dietrich.vehse@sjr-luedenscheid.de

Zahlreiche Teilnehmer von Seiten der Bildungseinrichtungen, Vereine, Verbände und Kirchengemeinden, privater oder öffentlicher Natur sind ausdrücklich erwünscht!

 

 

 

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here