Franziska Wilhelm
Die drei jungen Autoren Franziska Wilhelm, Fabian Hischmann und Matthias Nawrat bekamen die Möglichkeit, jeweils aus ihren jüngsten Werken persönlich vorzulesen. Franziska Wilhelm (Foto) ging dann nach einer kurzen Pause fast einstimmig als Gewinnerin des Stipendiums aus diesem Abend hervor. Foto Kannenberg

Lüdenscheid. Am Dienstagabend, 4. November 2014 wurde über das Märkische Stipendium für Literatur 2015 entschieden. Die Fachjury Literatur der „Märkischen Kulturkonferenz e.V“ hatte dafür drei Autorinnen und Autoren ausgewählt, die sich in der Stadtbücherei Lüdenscheid im großen Saal in einer öffentlichen Lesung vorstellten.

Die drei jungen Autoren Franziska Wilhelm, Fabian Hischmann und Matthias Nawrat bekamen die Möglichkeit, jeweils aus ihren jüngsten Werken persönlich vorzulesen.

„Unternehmer“ das zweite Werk

Den Anfang machte Matthias Nawrat mit seinem neuen Roman „Unternehmer“. Der 1989 in Opole (Oppeln) in Polen geborene Autor lebt heute mit seiner Familie in Bamberg. Nach einem Biologiestudium in Heidelberg und Freiburg nahm er 2009 ein Studium am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne auf. Der Roman „Unternehmer“ ist bereits sein zweites Werk. Für Auszüge aus seinem zweiten Roman wurde der bereits mehrfach preisgekrönte Matthias Nawrat schon 2012 mit dem Kelag-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Man durfte also mit Recht auf Matthias Nawrat gespannt sein und sich darauf freuen, seinem neuesten Roman zu lauschen.

Fabian Hischmann mit sanfter Stimme

Danach las Fabian Hischmann aus seinem Roman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ vor und zog damit seine Zuhörer in den Bann. Der 1983 in Donaueschingen geborene Autor studierte in Hildesheim und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und lebt heute in Berlin. Mit sanfter Stimme erzählte Fabian Hischmann eine Geschichte mit teilweise autobiografischen Zügen, die einen von Anfang an packte, das Publikum aber auch sichtbar polarisierte. Sein Erstlingswerk wurde bereits für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Auch hier also ein junger Autor, der es in sich hat und durchaus das Zeug dazu hatte, das Stipendium zu gewinnen.

Publikum gleich auf der Seite von Franziska Wilhelm

Zum Abschluss las dann Franziska Wilhelm aus ihrem Romandebüt „Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen“. Vom ersten Augenblick an hatte die junge Frau, die 1981 in Erfurt geboren wurde und mittlerweile in Leipzig lebt, das Publikum auf ihrer Seite. Sie überzeugte nicht nur durch ihr Buch, das auf recht skurrile Art und Weise das Leben einer frauengeprägten Familie in Thüringen beschreibt, in der alle Frauen allein schon körperlich größer sind als die Männer der Familie. Sie erzählte zudem mit Charme und Witz dann auch noch, dass diese Frauen – Großmutter, Mutter und deren Tochter – eine Kneipe führen, die an einem Bahnteilstück liegt, auf dem sich vorzugsweise Männer in Lederjacken gern einmal das Leben nehmen. Nicht, ohne vorher in besagter Kneipe noch eine letzte Thüringer Bratwurst zu verzehren. Wie genau kommt man denn auf so eine Geschichte? Man hatte sofort Lust, weiterzulesen und alles über diese merkwürdige Familie zu erfahren. Franziska Wilhelm hat vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans bereits mit zumeist skurrilen Erzählungen, mehrere Preise gewonnen. So ist auch sie eine ganz starke Konkurrenz zu ihren beiden Vorgängern.

Preise für skurrile Erzählungen

Unmittelbar nach der Lesung der drei Autoren zog sich die Jury zur Beratung zurück und das Publikum stimmte parallel dazu per Stimmzettel ab. Das Votum des Publikums ging dann ebenfalls als Stimme in die Jurywertung ein. Alle Anwesenden warteten gespannt auf das Ergebnis und mutmaßten in der Zwischenzeit, um wen es sich handeln könnte. Es gab viele Für´s und Wider´s für jeden der drei jungen Autoren, aber irgendwie war man sich doch auch einig, wer der heutige Favorit sein könnte.

Sie ist Mitglied der Leipziger Lesebühne „Schkeuditzer Kreuz“, die monatlich neue Texte auf die Bühne bringt und kommt, ihrer eigenen Aussage nach aus dem Bereich des Poetry Slam. Ganz nebenbei macht sie auch noch Musik, ist also mit mehr als einem künstlerischen Talent gesegnet. Nach der Übergabe des Preises der Gratulation durch Publikum und Vereinsmitglieder, trug sie sich zusammen mit ihren Autorenkollegen in das Gästebuch der Stadtbücherei ein. Es war sicher für die Jury nicht einfach, bei soviel Begabung, dann nur einen einzelnen für das Stipendium auswählen zu dürfen. Sie versicherte den Autoren mehrmals sehr glaubwürdig, dass sie es bedauerte, nicht alle drei unterstützen zu können.

Wirksame Talentförderung

Alles in allem hat die Fachjury Literatur der „Märkischen Kulturkonferenz e.V“, die bereits 1977 in Altena gegründet wurde, auch dieses Jahr wieder drei Autorinnen und Autoren für das Stipendium ausgewählt, von denen die literarisch interessierte Welt noch viel hören wird. Zugleich zeigt es einmal mehr, wie tief und umfassend sich die Mitglieder der „Märkischen Kulturkonferenz e.V.“ mit dem Thema „Förderung junger Talente“ befassen und wie engagiert sie sich darum kümmern, das beste, was der deutschsprachige Raum an Nachwuchs zu bieten hat, Jahr für Jahr nach Lüdenscheid, Werdohl und Altena zu holen.

Die Gewinnerin Franziska Wilhelm wird Südwestfalen im kommenden Jahr 2015 mindestens zweimal für jeweils eine Woche besuchen und dann Lesungen und Auftritte absolvieren, auf die sich die Sauerländer jetzt schon freuen dürfen!

Fotostrecke

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