Dr. Agnes Zelck und Porellansammler Josef Sellmair beim Aufbau der Ausstellung., Foto: Ursula Erkens/Märkischer Kreis

Märkischer Kreis. (pmk) Am 6. November laden die Museen der Burg Altena und das Deutsche Drahtmuseum ab 11 Uhr zur Ausstellungseröffnung „Bei Tisch – Essen und Trinken in der frühen Neuzeit“ ein.



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Vorsichtig decken Josef Sellmair und Dr. Agnes Zelck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen des Märkischen Kreises, eine adelige Desserttafel mit feinem Porzellan der Manufaktur Sèvres aus dem 18. Jahrhundert ein. Als Vorbild für diese Inszenierung im Rahmen der neuen Sonderausstellung „Bei Tisch – Essen und Trinken in der frühen Neuzeit“ dient ein Kupferstich aus dem Jahr 1781.

Die Kunsthistorikerin arbeitet gerne mit solchen Querverweisen und so dienen neben Geschirr, Bestecken und Kochbüchern auch Gemälde und Stiche aus der Zeit der Dokumentation der Tafelfreuden und Gepflogenheiten bei Tisch im Europa vom 16. bis 18. Jahrhundert.

Die Museumstechniker Andreas Gerstendorf und Ralf Jellema platzieren das "Stillleben mit Rehbock" von Jan Fyt, Foto: Ursula Erkens/Märkischer Kreis
Die Museumstechniker Andreas Gerstendorf und Ralf Jellema platzieren das „Stillleben mit Rehbock“ von Jan Fyt, Foto: Ursula Erkens/Märkischer Kreis

Ein echter Hingucker ist beispielsweiser das Stillleben mit Rehbock des flämischen Künstlers Jan Fyt (Antwerpen 1611 – 1661) aus dem Fundus der Museen Burg Altena. Doch es werden auch einige Leihgaben unter anderem vom Deutschen Klingenmuseum Solingen oder dem LVR-Freilichtmuseum Kommern.

Leidenschaftlicher Porzellansammler

Josef Sellmair ist leidenschaftlicher Porzellan-Sammler und extra aus Freising angereist, um Agnes Zelck bei den Arrangements seiner Schätze zu helfen. „Für diese Ausstellung zur Kulturgeschichte der Tischsitten in Europa stehe ich mit dem Leihgeber schon seit drei Jahren in Kontakt“ erzählt Zelck. Neben raren Einzelstücken sammelt Sellmair am liebsten historische Geschirr-Sets.

Manche Sets sogar spülmaschinentauglich

Mehr als 2000 Stücke nennt er sein eigen. Nicht alles kann er davon in seiner Wohnung stellen. Dabei sind einige Sets durchaus in Gebrauch, die spülmaschinentauglichen jeden Tag, andere für das Sonntagsmenü, festliche Anlässe oder für die historischen Koch- und Tafelrunden mit seinen Freunden. Besonders stolz ist der 45-jährige Textilunternehmer auf seine Stücke aus der Königlichen Porzellan – Manufaktur Berlin (KPM) des 18. Jahrhunderts, die nun teilweise auch auf der Burg Altena zu bestaunen sein werden.

Schon Friedrich der Große benutzte dieses Tafelservice

Das Tafelservice mit dem Blumen- und Insektendekor beispielsweise hatte Friedrich der Große in seinen Schlössern nachweislich in Gebrauch und schenkte auch seiner Schwester Luise von Preußen, Königin von Schweden eins davon. Für seine Verdienste im bayrischen Erbfolgekrieg erhielt Landgraf Carl von Hessen-Kassel ein 160 teiliges handbemaltes „Vogelservice“.

Das geschulte Auge des Sammlers erkennt dabei die Malstile verschiedener Porzellanmaler wieder. Doch nicht nur mit den Tischgedecken und Manieren bei Hofe, die vom Bürgertum gerne kopiert wurden, befasst sich die Ausstellung. Auch Trinkrituale, Essen auf Reisen oder die Henkersmahlzeit werden als Themen aufgegriffen.

Auch die Kehrseite wird gezeigt

Vergessen wird dabei aber nicht der Hunger, unter dem die Masse der Bevölkerung vor allem in Kriegszeiten, wenn marodierenden Soldaten die Getreidefelder zerstörten, oder bei Missernten litt. „Erst der Kartoffelanbau hat etwas die Not gemildert“, erklärt Zelck. Im Deutschen Drahtmuseum steht die Ausstellung ganz im Zeichen der neu aufkommenden Lebensmittel zu dieser Zeit wie Kaffee, Tee, Schokolade, Kartoffel oder später auch Tomate und ihrer Zubereitung.

„Die Besucher können hier auch in alten Kochbüchern schmökern und sich von allerlei Rezepten inspirieren lassen“, freut sich Agnes Zelck. Zu der Ausstellung hat sie ein passendes Begleitbuch verfasst, das für 10 Euro in den Museen des Märkischen Kreises erhältlich ist. Die Ausstellung läuft vom 6. November 2016 bis zum 14. Mai 2017 zu den üblichen Öffnungszeiten. Führungen können unter der Telefonnummer 02352/966 7034 gebucht werden. Auch der ausleihbare Multimedia-Guide informiert über die Exponate der Sonderausstellung.

 

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