Bisher sorgte sich die Stadt Plettenberg vorrngig um die Unterbringung der Flüchtlinge (hier am Friedhahn in Ohle). Die FDP-Fraktion beantragt nun ein Integrationskonzept. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Die FDP-Fraktion beantragt die Erstellung eines Integrationskonzeptes für Plettenberg. Der Antrag steht auf der Tagesordnung der Ratssitzung am Dienstag, 6. September (Beginn 17 Uhr).

Die Ausführungen der FDP zu ihrem Antrag im Wortlaut: „Derzeit leben in Plettenberg rd. 4.000 ausländische Mitbürger und ca. 600 Flüchtlinge. Sowohl die Zahl der Flüchtlinge als auch die Zahl der EU-Bürger werden im Laufe des Jahres voraussichtlich weiter ansteigen. Beide Gruppen gilt es zu integrieren. Die Verwaltung der Stadt Plettenberg hat in den zurückliegenden Monaten den Fokus auf die Unterbringung der Flüchtlinge gelegt. Das war und ist unzweifelhaft eine sehr wichtige Aufgabe. Bedauerlicherweise ist auf die personelle Unterbesetzung in der Verwaltung jedoch viel zu spät reagiert worden, so dass das notwendige Personal erst seit wenigen Wochen zur Verfügung steht. Demnach konnte die eigentliche Hauptaufgabe, nämlich die Integration der Flüchtlinge, nicht bzw. nur unzureichend bearbeitet werden. Aufgrund des fragwürdigen Abkommens mit der Türkei und seinem autokratischen Präsidenten und der Schließung der Balkanroute wurden in den Monaten April und Mai keine weiteren Flüchtlinge zugeteilt, so dass jetzt die Gelegenheit wäre, ein zwingend erforderliches Integrationskonzept für die Stadt Plettenberg zu entwickeln. Dieses Integrationskonzept muss

  • Integration als ressortübergreifende Aufgabe in der Kommunalverwaltung verankern und ihrer Bedeutung entsprechend ansiedeln
  • eine kommunale Gesamtstrategie, die den jeweiligen örtlichen Bedürfnissen angepasst ist, entwickeln und fortschreiben
  • sich für eine stärkere Vernetzung der gesellschaftlichen Akteure einsetzen und erforderlichenfalls Vernetzungen initiieren
  • Verwaltung und Politik als zentralen Akteur zur Koordinierung und Abstimmung der verschiedenen Integrationsbemühungen implementieren
  • den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Verwaltung erhöhen
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Weise fortbilden, dass dem Bedarf an interkultureller Kompetenz in der Verwaltung noch wirkungsvoller Rechnung getragen werden kann
  • bürgerschaftliches Engagement von, für und mit Migrantinnen und Migranten unterstützen und fördern
  • Menschen mit Migrationshintergrund stärker an den Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen des sozialen und politischen Lebens beteiligen.

Das zu erarbeitende Integrationskonzept sollte dabei Aussagen und Zielformulierungen zu folgenden wichtigen Handlungsfeldern aufweisen:

  • Interkulturelle Orientierung und Öffnung
  • Sprachförderung
  • Bildung und Ausbildung
  • Arbeit und Wirtschaft
  • Wohnen und Zusammenleben im Stadtteil
  • Jugend und Soziales
  • Gesundheitsförderung und Gesundheitsvorsorge
  • Kultur und Religion
  • Gesellschaftliche Teilhabe
  • Abbau von Diskriminierung

Literatur und Hilfestellungen zur Erarbeitung eines kommunalen Integrationskonzeptes bieten u.a. die Bertelsmann Stiftung, der Städte- und Gemeindebund, Deutscher Städtetag.

„Nur durch eine kommunale (gemeinsame) Integrationspolitik können wir das Positive aus dem Flüchtlingsstrom der vergangenen Monate ziehen.“

Auch sollte die Wirtschaft unterstützt und ermutigt werden, mehr Menschen mit Integrationsbedarf einzustellen und zu fördern.

Nur durch eine kommunale (gemeinsame) Integrationspolitik können wir das Positive aus dem Flüchtlingsstrom der vergangenen Monate ziehen. Begreifen wir den Zuzug der Menschen doch als Chance und nicht als Gefährdung. Wenn wir aber Integration nicht wirklich aktiv angehen, erwachsen wirklich Gefahren, weil wir die Menschen nicht in Lohn und Brot und in die Beschäftigung bekommen. Das ist sehr sehr wichtig, dass uns das gemeinsam gelingt.

Es muss aber auch klar sein, dass die Menschen mit Migrationshintergrund sich auch offen zur Integration bekennen müssen. Jemand der nicht integriert werden möchte, der darf auch keine weiteren Chancen in unserer Gesellschaft bekommen. Der Wille muss vorhanden sein.

Demnach möge der Rat der Stadt Plettenberg beschließen, die Verwaltung mit der zeitnahen Erstellung eines kommunalen Integrationskonzeptes zu beauftragen.“

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