Sejdi und Xhevahrie Kaludra sowie ihre beiden Kinder wurde am Dienstag nach Albanien abschoben.

Lüdenscheid/Plettenberg. Ohne Ankündigung abgeschoben: Polizei und Vertreter der Ausländerbehörde haben in der Nacht zum Dienstag Sejdi und Xhevahrie Kaludra sowie ihre beiden Kinder in der Plettenberger Unterkunft überraschend abgeholt und sie zum Flughafen Düsseldorf gebracht. Um 12.12 Uhr saß die Familie, für die sich viele Plettenberger und Lüdenscheider eingesetzt hatten, zusammen mit anderen Albanern in einem Flugzeug Richtung Kosovo. Nach neusten Informationen ist der Flieger mit der Familie und anderen Flüchtlingen an Bord in Ungarn gelandet. Wie lange der Stopp dauert, ist offen. Vermutlich geht es erst in der Nacht weiter nach Priština.

Am Düsseldorfer Flughafen soll den vier Kaludras mitgeteilt worden sein, dass für sie eine dreijährige Einreisesperre verhängt worden sei. Das, so die Aufassung des Vereins „Plettenberger helfen“ sei rechtswidrig. „So hatten sie keine Chance, Rechtsmittel gegen die Einreisesperre einzulegen“, sagt Michael Schulte von den Plettenberger Aktiven.

Massiver Einsatz an der Unterkunft

Das zweite abschlägig beschiedene Asylverfahren der Familie Kaludra endete, so schildern es Mitglieder der Initiative „Plettenberger helfen“ mit einem massiven Einsatz. So soll die Familie noch nicht einmal Zeit gehabt haben, ihre sämtlichen Habseligkeiten zu packen. Außerdem seien während des Einsatzes sämtliche Mobiltelefone einkassiert worden, wurde berichtet. Bewohner, die den Kaludras helfen wollten, seien abgewimmelt und in ihre Zimmer gedrängt worden. „Alle waren total verängstigt“, berichten die Aktiven von „Plettenberger helfen“.

Verein „Pro Asyl“ eingeschaltet

Versuche, auf die Schnelle etwas über das NRW-Innenministerium zu erreichen, blieben ebenso ohne Erfolg wie das Einschalten von „Pro Asyl“. Die Plettenberger Initiative hat Rechtsanwälte eingeschaltet. Sie werden sich weiter um die Familie Kaludra bemühen. Außerdem wurden Verwandte der Familie, die im Kosovo leben, von der Abschiebung unterrichtet. „So sind sie wenigstens auf die Ankunft der Familie vorbereitet“, sagt Michael Thomas-Lienkämper, Sprecher der Kreispartei „Die Linke“. Er wirft Landrat Thomas Gemke ein „zutiefst unchristliches und inhumanes“ Verhalten vor. „Das ist ein deutlich negatives Signal“, kritisiert Thomas-Lienkämper.

Papiere für freiwillige Ausreise beantragt

Auch die Lüdenscheiderin Dr. Gudrun Benkhofer ist empört. „Die Papiere für eine mögliche freiwillige Ausreise der Familie waren bereits beantragt.“ Dass eine Abschiebung in dieser Form, nämliche ohne Ankündigung erfolgt, hält sie für rechtlich unhaltbar. Sie kritisiert, dass sich der Märkische Kreis über die Empfehlung der NRW-Härtefallkommission hinweg gesetzt hat. Diese Kommission hatte empfohlen, der Familie das Bleiberecht zu gewähren. „Dabei hat sich die Kommission sehr intensiv mit diesem Fall auseinandergesetzt“, erläuterte Michael Schulte im Gespräch mit der TACH-Redaktion.

Offen ist unterdessen der Ausgang eines Petitionsverfahrens, in dem es ebenfalls um das Bleiberecht für die vier Kaludras geht. Der Petitionsausschuss wird die Eingabe im Februar 2016 behandeln.

Ob es soweit kommt, schneit Michael Thomas-Lienkämper fraglich. „Wie wird sich der Ausschuss verhalten, wenn die Familie bereits außer Landes ist?“ fragt der Politiker.

Der Verein „Plettenberger helfen“ will jetzt prüfen lassen, ob er Rechtsmittel gegen die unterlassene Rechtsmittelbelehrung durch die Behörden einlegen kann. Zur Abschiebung vor Abschluss des Petitionsverfahrens stellt Michael Schulte fest: „Das ist absolut unüblich.“

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