Diskutierten über die Entwicklung Lüdenscheids: Harald Metzger, Roland Rothmann, Friedrich Wolters, Ernst Uhing und Dieter Dzewas. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Roland Rothmann kann sich noch gut an den alten Sternplatz erinnern. „Während meiner Schulzeit war das ein Kreisverkehr mit einem Schupo in der Mitte“. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Rothmann, der mit seinen Eltern 1945 nach Lüdenscheid kam, ist zu einem erfolgreichen Immobilien-Makler und Projektentwickler geworden und Teile der Stadt haben sich radikal verändert. Auch der Sternplatz zählt dazu. Reicht das aus, um Lüdenscheid mittelfristig gegenüber anderen Städten in der Region konkurrenzfähig zu halten?

Diese und weitere Fragen diskutierten zur Stadtentwicklung auf Einladung der Lüdenscheider SPD Roland Rothmann, die Architekten Friedrich Wolters und Ernst Uhing sowie Bürgermeister Dieter Dzewas. Anlass war eine Veranstaltung zum 125-jährigen Jubiläum der Lüdenscheider SPD zum Thema „Stadtentwicklung – gestern – heute – morgen“.

Friedrich Wolters: Der Sternplatz ist eine tolle Visitenkarte. Foto: Wolfgang Teipel
Friedrich Wolters: Der Sternplatz ist eine tolle Visitenkarte. Foto: Wolfgang Teipel

Mit den Sünden der Vergangenheit hielten sich die Sprecher im Podium nicht lange auf. Friedrich Wolters, Miterfinder der „Denkfabrik“, verwies auf geschundene Fassaden an der Wilhelmstraße, anspruchslose Architektur und auf vernachlässigte Gebäude, denen er zugleich eine gute Substanz bescheinigte. Seine Empfehlung, insbesondere für die Altstadt lautet „Wohnen, wohnen, wohnen . . .“

Innenstadtnahe Flächen und Baulücken nutzen

Er setzt auf behutsame Entwicklung von innenstadtnahen Flächen und Baulücken. „Neue Wohngebiete am Rand der Stadt sind keine Lösung.“ Rathausplatz und Sternplatz seien eine „tolle Visitenkarte“ für Lüdenscheid. An der Wilhelmstraße als „Pipeline“ zu Altstadt müsse gearbeitet werden.

Keine „Kneipenmeile“ einziehen

Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NW, blickt mit Sorgen in die Zukunft Lüdenscheids. Die Topografie sei schwierig, wohnortnahe Versorgung sei nicht in ausreichendem Maße vorhanden, der Handel habe noch nicht auf geändertes Konsumverhalten reagiert. Er bescheinigte der Altstadt „gute Perspektiven“, warnte aber davor hier eine „Kneipenmeile“ einzuziehen. Uhing kann auch das zögerliche Verhalten von Immobilienbesitzern nachvollziehen. Die Modernisierung insbesondere denkmalgeschützter Gebäude sei teuer. Von den Denkmalschutzbehörden sei dagegen nur eine geringe finanzielle Unterstützung zu erwarten.

Gutes Niveau lockt Investoren

Roland Rothmann registriert allerdings so etwas wie eine Art Aufbruchsstimmung. Allein die Aussicht darauf, dass das von der Stadt geplante integrierte Handlungskonzept für die Altstadt etwas bewegen könne, habe bereits zu erhöhter Nachfrage geführt. „Die Investoren kommen, weil sich Lüdenscheid auf einem guten Niveau befindet“, blickt Rothmann zuversichtlich in die nächsten Jahre.

In den 80er Jahren stehengeblieben

Stimmen aus dem Publikum bestätigten allerdings eher skeptisch Einstellung. Was öffentliche Plätze und Wege betreffe, sei Lüdenscheid in den 80er Jahren stecken geblieben, bemängelte Rolf Scholten. „Wir brauchen Schmuckecken, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern.“

Bürgermeister Dieter Dzewas räumte ein, dass in vielen Bereichen etwas bewegt werden müsse. Wichtig sei, dass dabei die unterschiedlichsten Voraussetzungen berücksichtigt werden müssten. Und „Wir müssen uns zweitens darauf verständigen, dass das alles Geld kostet.“

 

 

 

 

 

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