Lüdenscheid. Die SPD braucht ein neues Lebensgefühl, eine neue Vision, wenn sie nicht in der 20-Prozent-Falle gefangen bleiben will, sagt Fabian Ferber. „Gerechtigkeit für Jedermann“ – das bedeutet für ihn, dass es Menschen, denen es heute nicht gut geht, künftig besser geht. Das bedeutet für den Lüdenscheider SPD-Ratsherrn aber auch, dass Menschen, die genug Geld besitzen, stärker zur Finanzierung der Allgemeinkosten herangezogen werden. „Die SPD darf nicht nur der Betriebsrat der Nation sein“, sagte Ferber beim dritten politischen Abendessen des SPD-Stadtverbandes Lüdenscheider im Restaurant „Ciccolina“.

Der Ratsherr sprang an diesem Abend als Referent für Guntram Schneider, Staatsminister a.D. ein. Schneider, ehemals Minister für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein-Westfalen war kurzfristig erkrankt. Sein Thema wäre das neue „Solidarprojekt“ für alle gewesen, für das sich die SPD in der Großen Koalition stark macht.

Menschen auch emotional erreichen

Mindestlohn, Pflegefamilienzeit, Tarifeinheitsgesetz, mehr Rechte für Alleinerziehende, abschlagfreie Rente mit 63 nach 40 Beitragsjahren – Fabian Ferber zählte einige Verbesserungen auf, die die SPD in der Großen Koalition umgesetzt habe. Aber: „Schön und gut, das sind alles Einzelprojekte und gute Argumente für die Arbeit der SPD.“ Allerdings wollten die Menschen nicht nur von Argumenten angesprochen werden. „Wir müssen sie auch auf der emotionalen Ebene erreichen.“ Das könne eine Fraktion vor Ort, die sich um Tagespolitik kümmern müsse, nicht in dem Maße erreichen, wie es notwendig sei.

Viele Fragen kommen zu kurz

Die SPD müsse als Partei intensiver über Veränderungen der Arbeitswelt, über die Folgen dieser Umwälzungen und darüber, wie diese Folgen abzumildern seien, diskutieren. Fragen wie: Wie bringen wir mehr Demokratie in die Betriebe oder wie wollen wir die nächsten zehn Jahre gestalten kommen Ferber in der aktuellen Diskussion zu kurz.

Beschlüsse wie die zur Frauenquote in Vorständen von DAX-Unternehmen brächten überhaupt nichts. „Die Arbeitswirklichkeit von Frauen sieht anderes aus.“ Statt frustrierte Menschen zur AfD abwandern zu lassen, müsse die SPD ihnen das Gefühl geben, dass sie ganz konkret etwas für sie tun könne, forderte Fabian Ferber. Das gehe nur, wenn die Partei wieder den Alltag der Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stelle.

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