Extrabreit. Die legendäre Band trat beim Kult.Park-Festival auf. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Ein weiteres außergewöhnliches Highlight bot das Kult.Park-Festival seinen Zuschauern am Samstag. Vor ca. 600 Fans bewies die Gruppe „Extrabreit“ aus Hagen, dass sie absoluten Kult-Status besitzt. Die Zuhörer feierten die Gruppe wie in alten Zeiten. Das Publikum, das sich da im Alter von 16 bis 60 vor der Bühne versammelt hatte, konnte jeden Song von vorne bis hinten mitsingen. Lüdenscheid hat wohl schon lange nicht mehr so extrem erlebt, dass der Sauerländer durchaus in der Lage ist, mehrere Stunden lang ununterbrochen zu feiern, zu tanzen und zu singen.

Laut, provozierend und dabei zutiefst engagiert

Kai Hawaii und Stefan Kleinkrieg.
Kai Hawaii und Stefan Kleinkrieg.

Extrabreit, ist eine Band, die bereits in den 80er Jahren unter der Masse der „Neue deutsche Welle“-Stars und Sternchen wie ein heller Komet hervorstach. Eigentlich gab es nur ein Lied, das man wirklich der „NDW“ zuordnen konnte, nämlich „Hurra, die Schule brennt“. Damit landeten sie einen Riesenhit. Aber was ihnen wirklich Respekt und die Liebe der damaligen sogenannten „Aventgarde“ einbrachte waren Lieder wie „Flieger grüß mir die Sonne“, der „Bullensong“ oder „Joachim“. Solche Lieder trafen genau den Nerv der damaligen Zeit, waren laut, provozierend und dabei zutiefst engagiert und berührten die Herzen einer Generation, die den Kalten Krieg ebenso satt hatte, wie das Schwingen von Friedenstauben oder Atomkraft-nein-Danke Stickern. Anfang der 80er Jahre entstand eine ganz neue Bewegung. Der Wave. Englischsprachige Protagonisten: Depeche Mode, Joy Division, Talking Heads, Th Cure.

Allen gemeinsam: Die Klamotten waren schwarz

Viele Fans. Die Klamotten: schwarz!
Viele Fans. Die Klamotten: schwarz!

In Deutschland besann man sich zu dieser Zeit darauf, dass man durchaus auch in der eigenen Sprache singen kann, weil man dann sogar verstanden wird. Das war die Geburtsstunde der „Toten Hosen“, der „Ärzte“, „Fehlfarben“ oder eben von „Extrabreit“, denen schon nach sehr kurzer Zeit niemand mehr den Ausrutscher mit der „brennenden Schule“ nachtrug. Allen gemeinsam: Die Klamotten waren schwarz, das Styling perfekt, der Shortcut wurde geboren, ebenso wie die unumgängliche schwarze Sonnenbrille, die man einfach immer trug, auch im Dunkeln.  Dreimal im Jahr fuhr man durch diedamalige DDR nach Westberlin, wo die Modeszene explodierte oder eben mal kurz nach Amsterdam. Oder nach Paris. Der Wave verschwand, als die Mauer fiel und machte einem konturlosen Irgendetwas Platz, bei dem man nicht mehr klar erkennen konnte, was es überhaupt darstellen sollte.

Der Wave ist zurück

Heute ist das wieder anders. Am Samstagabend im Kult.Park waren sie zurück. Die Waver. Und standen eben auch wieder auf der Bühne. Als „Extrabreit“. Und davor als Fans.

Der Sänger KAI HAVAII hat immer noch diese absolut coole, krasse Stimme, Stefan Kleinkrieg liebt seine die Gitarre, Rolf Möller verhaut sein Schlagzeug und Bubi Hönig, der erst 1991 zu der Band stieß, bewies an diesem lauen Sommer-Samstagabend, dass er ein Virtuose ist an der Gitarre. Mit Lars Larsson am Bass, der ein echter und studierter Theologe ist, ließ „Extrabreit“ es richtig krachen. Und das mit viel Herz.

Sie sind keine Warmduscher und plätschern auch nicht an der Oberfläche herum. Sie haben eine menschliche Tiefe und ein Verständnis vom Leben, das sie als die auszeichnet, denen man auf ihren Konzerten auch begegnen möchte: Sie sind Menschen, die wissen, wie Leben geht, die durch Höhen und Tiefen gegangen sind und als Resultat stetig ein bisschen besser geworden sind. Extrabreit konnte man schon in den 80er Jahren folgen. Sie waren ungewöhnlich, unkonventionell und gingen gerne unbequeme Wege. Das hat sich nicht geändert. Aber dahinter spürt man nun zudem noch eine gereifte tiefe Lebensweisheit und echtes Gefühl. Ein wirklich gelungenes Konzert, an das man sich vielleicht für den Rest seines Lebens erinnern wird.

Überraschung des Abends: Kalapi

Die Überraschung des Abends: Kalapi aus München!
Die Überraschung des Abends: Kalapi aus München!

Überraschung des Abends war die Vorband aus München. Die fünf Musiker nennen sich KALAPI und bezeichnen ihre Musik als Punkrock. Die Band besteht aus Robert „Rogga“ (Gesang, Rhythmusgitarre), Chriss „Murdock“ (Leadgitarre, Hintergrundgesang), Rainer „Ray“ (Schlagzeug) und Andreas „Andé Island“. Normalerweise erwartet man nicht viel von einer Vorgruppe, aber an diesem Abend, waren die Zuschauer zurecht von dieser Band begeistert, es gab viel Applaus und man hätte gerne noch mehr von ihnen gesehen und gehört.

Die Musik war mitreissend, die Bühnenshow auch. Die Jungs selbst sind sehr attraktiv und haben eine Menge Ausstrahlung. Sie hauen einen einfach um. An diesem Abend heizten sie dem Publikum ordentlich ein und man entließ sie nur mit großem Bedauern. Ein echter Geheimtipp, der es verdient hat, in den Fokus zu rücken und selbst zum Main-Act zu werden. Wer sie gesehen hat, wird dies bestätigen.

Respekt, dass die Veranstalter es in diesen Wochen immer wieder schaffen, ihr Publikum mit neuen coolen Acts zu überraschen. Nach Startblock, Soeckers, Quasimojo oder dem „Wunder“ jetzt Kalapi. Nächste Woche geht es weiter mit solchen Größen wie John Diva! Für mehr Informationen: www.kultpark.eu

 

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1 KOMMENTAR

  1. Einfach mal kurz Google fragen, bis wann man von der NDW sprach und wann die BREITE Masse `damals´ erkannte, daß „Joachim“ ein Weichei ist 😉 Aber zumindest wohlwollend…

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