Saßen im Podium: Stefan von Schemm, Klaus Brunsmeier, Harald Metzger, Johann Saathoff und Petra Crone. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. In Krummhörn, der Heimatgemeinde von MdB Johann Saathoff, drehen sich 156 Windkraftanlagen. „Hier existiert kein Widerspruch zwischen dem ständig wachsenden Tourismus und der Stromerzeugung aus Windenergie“, sagt der Politiker aus dem hohem Norden. „Im Gegenteil: Die Menschen freuen sich darüber, dass bei dieser Art der Stromerzeugung kein ökologischer Fußabdruck hinterlassen wird.“ Der SPD-Politiker und stellvertretende Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie warb am Dienstagabendin Lüdenscheid für den Ausbau der Erneuerbaren Energien.  Für ihn ist klar: „Sicher verteuert die Energiewende den Strom. Aber ohne die Energiewende würde er noch teurer.“

Großes Interesse an der Diskussion

Wie die Energiewende zum Erfolg geführt werden kann, das war das Thema der Diskussionsveranstaltung „Fraktion vor Ort“, zu der die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone in den Veranstaltungssaal der Stadtwerke Lüdenscheid eingeladen hatte. Das Interesse war groß und der Veranstaltungsraum fast überfüllt. Im Publikum: Glühende Verfechter der Wasserkraft und anderer Erneuerbarer Energien, massive Kritiker der Windkraft und Menschen, die über steigende finanzielle Belastung durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien klagten.

Sprunghaftigkeit der Politik beklagt

Johann Saathoff (rechts): „Sicher verteuert die Energiewende den Strom. Aber ohne die Energiewende würde er noch teurer.“
Johann Saathoff (rechts): „Sicher verteuert die Energiewende den Strom. Aber ohne die Energiewende würde er noch teurer.“

Auf dem Podium saßen neben Moderatorin Petra Crone und MdB Johann Saathoff Harald Metzger (Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtwerke Lüdenscheid), Klaus Brunsmeier (Mitglied im Bundesvorstand des BUND) und Stefan von Schemm (Südwestfälische Industrie- und Handelskammer).

Der Wirtschaftsmann sprach das „Zieldreieck“ von Sauberkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit an. „In der letzten Zeit ist die Entwicklung zu sehr in Richtung Sauberkeit gekippt“, kritisierte er. Für die Unternehmen seien aber Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit wichtige Faktoren. „Sie müssen zu konkurrenzfähigen Preisen produzieren können.“ Zudem beklagte er die Sprunghaftigkeit der Politik.

Weitere Standorte schaffen

Harald Metzger kündigte an, dass der heimische Stromversorger Enervie, die Mutter der Stadtwerke Lüdenscheid, weitere Standorte zur Erzeugung Erneuerbaren schaffen wolle. Die Ausweisung von insgesamt 18.000 Hektar Fläche in Südwestfalen, die der Landesentwicklungsplan vorsehe, bezeichnete er allerdings als „ambitioniert“. Südwestfalen wolle seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Die heftigen Diskussionen beispielsweise um Windkraftstandorte im Altenaer Raum, in Plettenberg und in Halver zeigten, wie schwierig das werden könnte.

Auf der Berghahn in Lüdenscheid wird zurzeit eine große Windkraftanlage errichtet. Collage: Wolfgang Teipel
Auf der Berghahn in Lüdenscheid wird zurzeit eine große Windkraftanlage errichtet. Collage: Wolfgang Teipel

BUND-Vorstand Klaus Brunsmeier hatte es am Dienstag mit alternativer Energie von Halver bis nach Lüdenscheid geschafft. Sein E-Mobil hatte er zuvor mit Strom aufgeladen, der vom Wasserrad an der Heesfelder Mühle erzeugt wird. Seine Wahrnehmung: „Wir sind viele Schritte weitergekommen. Aber da, wo es um die konkrete Umsetzung geht, tauchen große Schwierigkeiten auf.“

Brauchen regionale Netze

Seine Kritik: „Wir regeln die Erneuerbaren Energie weg, obwohl der Strom aus herkömmlicher Erzeugung die Trassen verstopft.“ Seine Forderung: „Wir brauchen keine transnationalen Stromtrassen, sondern regionale Netze.“ Mit Blick auf den möglichen Halveraner Windkraftstandort Engstfeld erklärte er: „Wir brauchten für die Energiewende vor Ort fünf bis sechs Anlagen. Allerdings nicht da, wo sie mit dem Naturschutz kollidieren.“

Die kritische Nachfrage von Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas, ob sich die Industrie in der Region auf eine sichere Stromversorgung aus Erneuerbaren Energie verlassen könne, blieb am Dienstag unbeantwortet.

Für Klaus Brunsmeier steht allerdings fest: „Wir brauchen kein Gejammer über Strompreise, sondern gute Konzepte und politischen Mut.“

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