Babak Rafati
Babak Rafati: "Ich bin ein Vorbild dafür, wie man es nicht macht." Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Babak Rafati nimmt kein Blatt vor den Mund. Der ehemals erfolgreiche Bundesliga-Schiedsrichter und FIFA-Referee schildert die wohl schlimmste Szene in seinem Leben: den Selbstmordversuch am 19. November 2011 kurz vor dem Bundesligaspiel Köln gegen Mainz. Der 47-Jährige fesselt sein Publikum beim Vortragsabend in der Sparkasse Lüdenscheid. Aufstieg und Absturz – dazwischen liegt ein Leben wie ein Vollgastrip auf der Autobahn. „Ich pfeife auf den Tod!: Wie mich der Fußball fast das Leben kostete“ – in seinem Buch hat Rafati seinen Weg in die Depression geschildert.

Vortragsredner und Mentaltrainer

Sechs Monate nach dem Selbstmordversuch trat er als Schiri zurück. Heute ist er als Vortragsredner und Mentaltrainer unterwegs. Er will Menschen über Depressionen und Burnout aufklären und motivieren, eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen zu überprüfen.

Sparkassenvorstand Markus Hacke eröffnete den Abend zum Thema „Gesunde Reaktionen auf ungesunde Umstände“. Foto: Wolfgang Teipel

„Ich bin ein Vorbild dafür, wie man es nicht macht“, sagte er in der Vortragsreihe „Novum – ein Vortragsangebot mit Perspektive“ der Sparkasse Lüdenscheid. Das Thema des Abends lautete „Gesunde Reaktionen auf ungesunde Umstände.“

Den starken Mann rauskehren, Gefühle unterdrücken, funktionieren, keine Fehler machen, das sei es, was die Gesellschaft erwarte. Der Blick zurück habe ihm die Augen geöffnet. „Ich habe mich selbst unter Druck gesetzt, keine Schwächen zugelassen und mich von mir selbst und meiner Familie entfernt.“ Bis zur absoluten Ausweglosigkeit. Die Szenerie in dem Kölner Hotel sei „schrecklich und befriedigend“ zugleich gewesen. „An den Tod habe ich nicht gedacht“, sagte Rafati. „Ich entscheide“, das sei der alles beherrschende Gedanke gewesen.

Aus der Enge der Verzweiflung in die Räume der Klarheit

Babak Rafati rät: Einfach mal loslassen.“ Foto: Wolfgang Teipel

Danach ein schwerer Weg „aus der Enge der Verzweiflung in die Räume der Klarheit“. Den Lebensweg selbst gestalten, Gleichgewicht und Balance suchen und finden, sich selbst „radikal akzeptieren“ und einfach auch mal loslassen – das rät der 47-Jährige allen, die an sich selbst zweifeln und auf einem schleichenden Weg in die Depression sind. „Wer nach Hilfe ruft, ist nicht schwach, sondern stark“, impfte er dem Publikum ein. Seine Erkenntnis: „Nicht die anderen sind die Ursache für unsere Schwierigkeiten. Wir selbst sind das Problem und zugleich auch die Lösung.“ Schaue man in die Psyche des Menschen, so entdecke man jede Menge Potenzial. Wissen schaffe Verständnis. Deshalb gehörten Themen wie Psychologie, Kommunikation oder gesellschaftliche Zusammenhänge eigentlich schon in den Grundschulunterricht.

Dann spricht Babak Rafati doch noch einmal über den Fußball. „Bei diesen Fragen hinkt der DFB hinterher.“ Die Funktionäre betrachteten nicht den ganzen Menschen und zeigten keinen Respekt. Ein Beispiel sei der Umgang mit dem Videobeweis. „Er ist eine Katastrophe, soll aber auf jeden Fall durchgeboxt werden.“

 

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