Erste Kick-off Probe für das Pop-Oratorium "Luther" in der Dortmunder Westfalenhalle. 3000 Sänger und Sängerinnen waren dafür aus allen vier Himmelsrichtungen angereist. Auch aus Lüdenscheid und Umgebung. Fotos: Kannenberg

Dortmund. Halver. Lüdenscheid. 3 Dirigenten. 12 Solosänger. 3000 Sänger und Sängerinnen – EIN Musical – Das Luther-Pop-Oratorium am 31.10.2015 in der Westfalenhalle wird ein Event der Superlative. Und Lüdenscheider Chöre sind mit dabei. So z.B. auch die „Albert Singers“, ein 40 köpfiger Gospel-Chor, der unter der Leitung von Matthias Ortmann in Oberbrügge probt und bei dem auch die Autorin diese Artikels mitsingt.

Pünktlich um halb elf ging es nach Dortmund

Th Albert Singers on Tour. Hier nur ein siebtel der Truppe. Die anderen waren noch in der Halle unterwegs.
The Albert Singers on Tour. Hier nur ein siebtel der Truppe. Die anderen waren noch in der Halle unterwegs.

Pünktlich um halb elf ging es in Fahrgemeinschaften für die 40 Sängerinnen und Sänger plus Chorleitung an diesem Samstag, 25.4.2015 in die Westfalenhalle. Die Probe war für 13 Uhr angesetzt und alle Mitwirkenden waren entsprechend aufgeregt. Niemand wusste so genau, was ihn erwartete.

Man hatte zwar schon ein wenig bei der wöchentlichen Chorprobe im kleinen Kreis mit dem Chorleiter Matthias Ortmann geprobt, aber noch niemand hatte bisher die fertige Luther-CD gehört. An der Westfalenhalle angekommen, waren schon ca. die Hälfte der 3000 Sänger/innen vor der Halle anwesend.

Bass und Tenor sind vollständig versammelt.
Bass und Tenor sind vollständig versammelt.

Um 12 Uhr war Einlass und mittlerweile waren auch fast alle da. Die Organisation war so gut, dass jeder ohne Umschweife zu seinem Platz fand.

Dabei muss man wissen, dass allein zum Sopran über 1000 Sängerinnen gehören. Man braucht nicht zu erwähnen, wie groß die Spannung unter den Musikern war. Man konnte sie förmlich in der Luft greifen. Dazu kam ein großes Aufgebot an Presse in Form von Film, Fernsehen, Fotografen.

Drei Bühnen für die Dirigenten und Solosänger, die dem gewaltigen Chor gegenüber aufgebaut waren.

Aus ganz Deutschland waren Chöre angereist

Noch schnell eine kleine Stärkung. Dann gehts los.
Noch schnell eine kleine Stärkung. Das war auch nötig. Die nächsten drei Stunden wurden ohne Pause durchgearbeitet.

Aus ganz Deutschland waren 85 Chöre und 700 Einzelsänger angereist, um bei der Probe dabeizusein. So gab es Teilnehmer aus Hamburg genauso wie aus Münschen. Viele aus dem „Ruhrpott“, aber auch viele aus dem Sauerland.

So war außer den „Albert-Singers“ auch „Heavens Gate“, ein Gospel-Chor direkt aus Lüdenscheid, und der Chor der Evangelischen Kirche in Nachrodt-Wiblingwerde anwesend.

Das war schon erstaunlich bei diesen vielen Menschen, dass die Lüdenscheider sich dann auch mal wieder punktgenau und ohne Absprachen trafen. Inmitten von 3000 anderen, ganz abgesehen von einem Riesenaufgebot an Helfern, Technikern, Kirchenleuten, Musikern, Politikern und wer sonst noch anwesend war an diesem Tag. Als Sauerländer geht man eben nicht verloren, Lünsche und Co. halten zusammen;-)

Und dann gings los!

Dieter Falk und Michael Kunze betreten die Bühne.
Dieter Falk und Michael Kunze betreten die Bühne.

Bemerkenswert, welche Klangkulisse sich entfaltet, wenn so viele ausgebildete Stimmen nur ganz normal miteinander reden. Das war schon laut!

Noch erstaunlicher ist es aber, wenn diese Stimmen damit beginnen, ihre ganze Klangfülle zu entfalten, indem sie gemeinsam singen. Das erst Lied machte denn auch bereits klar, dass das etwas ganz besonderes werden würde. Das war Power!

Dieter Falk und Michael Kunze eröffneten die erste Kick-off Probe des Luther Pop-Oratoriums dann noch mit einer kleinen Rede. „Das Luther Pop-Oratorium ist kein Historienspiel, sondern ein „Fest der tausend Stimmen“. Wir holen Luther vom Podest und feiern mit ihm den Sieg des individuellen Gewissens über die übermächtige Autorität einer fragwürdigen Tradition“, sagte Michael Kunze, der sich für die Textarbeit am Stück tief in die Geschichte rund um die Reformation einarbeitete.

Und auch Dieter Falk gab seiner Begeisterung an dem Stoff Ausdruck, den er in engem Austausch mit Michale Kunze musikalisch verarbeitet hat: „Luther war mitunter auch ein ‚Dickkopf‘. Den kann ich nicht mit weichgespülten Balladen unterlegen. Ein Sturkopf braucht auch eine Rockband, die wirklich Gas gibt. Wir haben ein großes Orchester auf der Bühne, bei dem das tiefe Blech richtig reinhaut und die Posaunen, die Tuba und die Trompeten auch mal funky spielen.“

Martin Luther, so aktuell wie eh und je

Die Dirigenten beziehen Position, Dieter hat sein Key-Board auf der Bühne. Die Spannung steigt. Gleich gehts los.
Die Dirigenten beziehen Position, Dieter hat sein Key-Board auf der Bühne. Die Spannung steigt. Gleich gehts los.
Im Mittelpunkt der Handlung steht denn auch Martin Luther, der 1521 vor dem Reichstag von Worms aufgefordert ist, seine kirchenkritischen Aussagen zu widerrufen. Mit Rückblenden und Ausblicken rund um das dortige Geschehen erzählt das Pop-Oratorium von Luthers Ringen um die biblische Wahrheit und von seinem Kampf gegen Obrigkeit und Kirche – eine spannende Geschichte um Politik und Religion.
Und ein außergewöhnlicher Zugang zu einer hochaktuellen Frage: Wie und warum konnte Luthers Aufforderung zum „Selber denken“ umfangreiche Veränderungen in der Gesellschaft, in Ehe und Familie, in Bildung, Wissenschaft, Kunst und Musik auslösen?

Starke Stimmen, kraftvolle Musik

Los geht`s.
Der Chor ist auf dem Punkt dabei. Es läuft!
Und das hört man der Musik an. Sie ist abwechslungsreich und kraftvoll. Musicalparts wechseln mit Rock/Pop-Elementen, jazzige Einlagen modulieren zu spärischen Klängen alter Kirchenlieder, wie „Eine feste Burg ist unser Gott“.
Dazu die starken Stimmen der Solosänger und der Chor, der vom ersten Augenblick an wie am Schnürchen lief. Da war unter den Sängern Einigkeit und viel Disziplin, die ein so gewaltiges Resultat hervorbrachte, dass es selbst den Komponisten umhaute.
Dieter Falk war wirklich begeistert von dem, was der Chor da hinlegte, ohne vorher ein einziges Mal zusammen geprobt zu haben. Der ganze Tag verlief dann auch ähnlich routiniert ab, niemand benahm sich daneben. Alles in allem ein Erlebnis, dass man niemals wieder vergisst und sicher jeden Teilnehmenden nachhaltig prägt.
Das Projekt der 3000 Stimmen.
Das Projekt der 3000 Stimmen.

Die nächste Probe des Superchors ist in Essen in der Grugahalle. Da sind dann alle Mitwirkenden mit dabei.

Dann ist am 30.10. schon die Generalprobe. Nicht viel Zeit, aber die Musiker werden es hinbekommen. Weil sie es wirklich wollen.

Es waren sich dann nach diesem Tag auch alle einig: So etwas erlebt man vielleicht nur einmal im Leben.

Wer Lust bekommen hat, am 31.10. zur Uraufführung des Oratoriums als Zuschauer dabei zu sein, hier gibt es genaue Informationen und die Tickets: http://www.luther-oratorium.de/

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