Start Lennetal Plettenberg Erfolgreiche Kaufleute, beliebte Bürger, verhasste Juden

Erfolgreiche Kaufleute, beliebte Bürger, verhasste Juden

Neuester Stadtgeschichtsband erzählt Geschichte jüdischen Lebens in Plettenberg - Martina Wittkopp-Beine und Jürgen Beine werten persönliche Briefkorrespondenz von Marianne Luedeking aus

0

Plettenberg. Die Geschichte des jüdischen Lebens in Plettenberg erzählt der neu erschienene Band in der Reihe Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte. Martina Wittkopp-Beine und Jürgen Beine haben dafür umfangreiches und zum Teil sehr persönliches Quellenmaterial ausgewertet. Dazu gehören Briefe die Marianne Luedeking geb. Hilde Bachrach nach ihrer Auswanderung von ihren Eltern aus Deutschland erhielt.

Den Ausgangspunkt für diesen Band der Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte bildete die Begegnung der Eheleute Wittkopp-Beine/Beine mit Marianne und Heinz Luedeking im Jahr 2008. Marianne Luedeking war 1919 als Hilde Bachrach in Plettenberg zur Welt gekommen und hatte hier ihre Kindheit und Jugend verbracht. Ihre Eltern Julius und Olga Bachrach führten jahrelang erfolgreich das Kaufhaus Neufeld an der Wilhelmstraße. Beteiligt daran waren Hugo und Johanna Neufeld, Onkel und Tante von Hilde Bachrach, die ebenfalls im Haus an der Wilhelmstraße lebten. Die Tochter Hilde musste 1939 alleine in die USA auswandern. Ihre Eltern sah sie nie wieder. Sie wurden 1941 ins Ghetto in Lodz verschleppt. Dort verstarb Julius Bachrach im September 1942 an Herzschwäche. Die Spur seiner Frau Olga verliert sich. Über ihr Schicksal ist nichts bekannt.

Marianne Luedeking im Mai 2017 gestorben

„Durch unsere Gespräche mit Marianne Luedeking gewann das jüdische Leben eine große Anschaulichkeit“, erzählt Martina Wittkopp-Beine. Zusammen mit ihrem Mann besuchte sie Marianne Luedeking und deren Mann Heinz privat in Miami. Es entstand ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis. So zeigte Marianne Luedeking den Plettenbergern die Briefe, die ihre Eltern ihr nach 1939 in die USA geschrieben hatten. „Das ist außerordentlich authentisches Quellenmaterial, mit dem wir das Thema nachhaltig aufarbeiten konnten“, sagt Jürgen Beine. Den Druck des neuen Bandes der Plettenberger Stadtgeschichte unterstützte Marianne Luedeking zudem noch mit einer Spende. Das gedruckte Ergebnis erlebt sie leider nicht mehr. Sie verstarb am 27. Mai dieses Jahres im Alter von 97 Jahren.

Weitere neue Quellen, die für das Buch erschlossen wurden, sind die Akten, die von der ehemaligen jüdischen Gemeinde Plettenbergs in Jerusalem lagern, und von denen Martina Wittkopp-Beine Kopien fürs Plettenberger Stadtarchiv hat anfertigen lassen.

„Es gab Zeiten, in denen das funktionierende Miteinander von jüdischer und christlicher Bevölkerung zur Alltäglichkeit auch in Plettenberg gehörte. Wie sich dieses Zusammenleben gestaltete und in der nationalsozialistischen Zeit auflöste und zur Katastrophe des Holocaust führte, daran soll dieser neueste Band der Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte erinnern“, erklärt Martina Wittkopp-Beine.

Das Buch „Jüdisches Leben in Plettenberg“ ist mit der limitierten Auflage von 250 Stück erschienen und durch Spenden von Marianne Luedeking sowie vom Heimatkreis Plettenberg finanziert worden. Der Band kostet 7,50 Euro und kann an der Info im Plettenberger Rathaus, in der Stadtbücherei und der Buchhandlung Plettendorff erworben werden.

INFO

Die vorherigen Beiträge zur Stadtgeschichte

  • Plettenberg im Spiegel alter Ansichtskarten, hrsg. im Auftrag der Stadt von Martina Wittkopp-Beine, Hagen 1990 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 1, vergriffen)
  • Verortung des Politischen. Carl Schmitt in Plettenberg, bearb. von Ingeborg Villinger, Hagen 1990 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 2)
  • Plettenberger Köpfe. Interessante Persönlichkeiten aus der Stadt Plettenberg, hrsg. von der Stadt Plettenberg, Plettenberg 2000 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 3)
  • Carl Schmitt in der Diskussion. Zusammengestellt von Ingeborg Villinger, Plettenberg 2006 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 4)
  • Im Tunnel der Geschichte – Facetten aus der Vergangenheit von Plettenberg. Hrsg. von Peter Schmidtsiefer und Martina Wittkopp-Beine, Plettenberg 2008 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 5)
  • Mehr Stolz, ihr Frauen: Lebensgeschichte Plettenberger Frauen aus dem 20. Jahrhundert, erzählt von der Plettenberger Werkstatt Frauengeschichte, Plettenberg 2012 (Beiträge zur Plettenberger Stadtgeschichte Bd. 6)

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here