Kerem Schamber sprach über die Ereignisse in der Türkei. Foto: Veranstalter

Lüdenscheid. Am Samstag war auf Einladung des Bündnis gegen Rechts Kerem Schamberger Gast im Linken Zentrum an der Knapper Straße. Er sprach über die nicht endenden Festnahmen, Berufsverbote, die Verfolgung politisch Oppositioneller und den wachsenden Nationalismus., das prägt seit Monaten das Bild der Türkei. Immer mehr Nationalismus, die Unterstützung des Islamischen Staates und anderen fundamentalistischen Gruppen und zuletzt auch der sogenannte“ Flüchtlingsdeal“ mit der Türkei.

Besucherin stark beeindruckt

Gudrun Benkhofer war als Besucherin der Veranstaltung stark beeindruckt. Referent Kerem Schamberger selbst fasst seine Eindrücke wie folgt zusammen: Die Veranstaltung zur aktuellen Situation in der Türkei und Nordkurdistan war schon etwas Besonderes. Eine der wenigen Male auf den vielen Veranstaltungen der letzten Monate ist es gelungen, kurdische Linke und deutsche Linke wirklich zusammen zu bringen. Auch viele vor kurzem erst Geflüchtete aus Afghanistan und Kurdistan (Bakur und Rojava) waren da. Darunter frühere Aktivisten der HDP, die ihre Familien und Kinder hinter sich lassen mussten, da sie sonst jetzt im Gefängnis sitzen würden. So wie ungefähr 10.000 andere kurdische und linke Politiker in der Türkei derzeit.

Bericht über ermordeten Bruder

Besonders ergreifend war die Anwesenheit von Ercan Kurkut, dem älteren Bruder von Kemal Kurkut. Der Kunststudent Kemal wurde am 21. März, also an Newroz, in Diyarbakır von der türkischen Polizei auf dem Weg zu den Feierlichkeiten durch einen Schuss in den Rücken ermordet. Der Gouverneur behauptete anschließend es habe sich um einen Selbstmordattentäter gehandelt. Hätte der engagierte dihaber-Journalist Abdurahman Gök nicht Fotos von dem Mord gemacht, wäre der türkische Staat damit durchgekommen.

Dramatische Lage in Nordkurdistan

Sein Bruder Ercan Kurkut musste bereits vor knapp zwölf Monaten nach Europa fliehen und konnte seinen Bruder nicht mehr sehen. Er legte am Samstag Wert darauf, dass es bei der Ermordung von Kemal eigentlich jeden kurdischen Jugendlichen hätte treffen können und stellte fest, dass in Nordkurdistan wöchentlich Jugendliche durch türkisches Militär und Polizei umgebracht werden. Die Erfahrungsberichte der kurdischen Genossen haben diese Veranstaltung zu etwas sehr Besonderem gemacht, das die etwa 50 anwesenden Gäste nicht so schnell vergessen werden.

Danke an das Bündnis Lüdenscheid gegen Rechts für die gute Organisation.

Wichtige Nachrichtenquelle

Zu Kerem Schamberger: Kerem Schamberger ist eine der wichtigsten deutschsprachigen Quellen tagesaktueller und analytischer Nachrichten über die Auseinandersetzungen in der Türkei/Kurdistan und ist regelmäßig vor Ort. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht mittlerweile wöchentlich einen „Schamberger-Report“ mit einer Übersicht seiner Meldungen, weil er von Facebook regelmäßig zensiert wird. Kerem ist u.a. Mitglied in der DKP und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), weshalb er vom bayrischen Verfassungsschutz monatelang mit einem faktischen Berufsverbot an der Ludwig-Maximilian-Universität München als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Kommunikationswissenschaft belegt wurde.

 

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