Aus der spanischen Stadt Sevilla direkt zum Praktikum bei der Firma INDUSYS in Lüdenscheid – Jorge Villasante Agudo freut sich, dass mit dem ErasmusPlus-Stipendium alles so gut geklappt hat. Geschäftsführer Zoran Trajkovic, Jorge und Frau Dr. Saskia Baumert, Europakoordinatorin für den Schüler- und Studentenaustausch des Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver- Ostendorf (v.l.n.r.)

Lüdenscheid. Seit Mittwoch arbeitet Jorge bei der Firma INDUSYS im Industriegebiet Freisenberg in Lüdenscheid. Er ist 25 Jahre alt, Softwareentwickler mit abgeschlossenem Studium und gerade in einem zweiten Studium zum Informatiker. Das besondere an ihm: Er ist Spanier, kommt aus Sevilla und ist dort bei 25 Grad am Sonntag losgeflogen und bei 7 Grad im Sauerland gelandet. Er findet es trotzdem schön bei uns.

ErasmusPlus – eine europäische Initiative

Möglich ist dies durch eine europäische Initiative, die sich ErasmusPlus nennt. ErasmusPlus ist ein Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. Darin werden die bisherigen EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Hochschulbereich neu zusammengefasst. Mehr als vier Millionen Menschen werden bis 2020 von den darin enthaltenen EU-Mitteln profitieren.

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Mit diesem besonderen Stipendium im Schul- und Hochschulbereich fördert die EU Auslandsaufenthalte von Studierenden, Praktikanten und Hochschulpersonal. Darüber hinaus unterstützen sie durch strategische Partnerschaften die Hochschulen mit ihren Internationalisierungskonzepten.

ErasmusPlus kommt Jorge bei seinem Auslandspraktikum zugute bzw. macht es erst möglich. Der junge Spanier hatte bereits einen Ausbildung als Softwareentwickler komplett abgeschlossen und dann, wegen der schlechten Wirtschaftssituation in seinem Heimatland, keinen Arbeit gefunden. In Deutschland, in dem viele Betriebe dringend Softwareentwickler und Informatiker suchen, fast undenkbar.

Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten in Spanien mittlerweile mehr als 50%

Aber in Spanien beträgt die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten mittlerweile mehr als 50 Prozent. Jeder zweite junge Mensch hat also keine Chance, auf dem heimischen Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden.

Zoran Trajkovic, der Geschäftsführer der Firma Indusys, bei dem Jorge sein Praktikum absolviert, erklärt: „Diese Jugendarbeitslosigkeit ist oft ein regionales Problem. Viele Firmen sind ja genau wie bei uns, nicht international ausgerichtet, sondern beschränken sich auf den heimischen Markt. Das heißt, wenn es einer Region und ihren Betrieben nicht gut geht, schlägt sich das auf alle nieder, die in dieser Region leben, egal welcher Branche. Dann gibt es eben keine Banken, keine Versicherungen, kein Wachstum im Klein- und Mittelständischen Bereich mehr. Und natürlich erst recht niemanden, der einen Softwareentwickler braucht, weil niemand mehr die finanziellen Mittel besitzt, in Innovation zu investieren. Im Gegenteil, oft wandern die letzten wertvollen Unternehmen dann auch noch in erfolgreichere Regionen ab und hinterlassen damit riesige Lücken, deren Auswirkungen besonders die jungen Leute zu spüren bekommen. Die es aufgrund ihres fehlenden Erfahrungsschatzes eh viel schwerer haben, einen Job zu finden.

Da freuen wir uns hier natürlich über die Unterstützung durch Jorge, denn bei uns ist es eher umgekehrt. Die Wirtschaft boomt, auch in ländlicheren Regionen wie Südwestfalen und wir haben eher das Problem, dass nicht genug junge Leute mit adäquaten Ausbildungen die Universitäten verlassen. Wir brauchen dringend jungen Nachwuchs im Bereich der Systemadministratoren, Softwareentwickler und Informatiker in Deutschland.“

Praxissemester im Ausland sehr willkommen

Jorge hat nach seiner erfolglosen Jobsuche aber erst einmal ein zweites Studium in seinem Land begonnen. Als Informatiker. Im Rahmen des Studiums wird ein Praxissemester verlangt und über das ErasmusPlus gab es die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Die Voraussetzung, nämlich eine zu bestehende Englischprüfung, hat Jorge als einziger von vier Anwärtern bestanden und so konnte es dann losgehen.

Er landete am 22.3. in Deutschland und wird nun bis zum 24.6 in Lüdenscheid der Firma INDUSYS zur Verfügung stehen. Dort wird er selbstständig Projekte im Bereich der Systemadministration abarbeiten, aber auch in die einzelnen Abteilungen und Aufgabengebiete der Firma hinein schnuppern und aktiv an Problemlösungen im Bereich Sicherheit und Administration teilhaben.

Natürlich wird er auch versuchen, in dieser Zeit seine Deutschkenntnisse zu verbessern und Kontakte zu knüpfen, um eventuell nach abgeschlossenem Zweitstudium sogar ganz nach Deutschland zu ziehen.

Um dies alles möglich zu machen, hat sich seine spanische Lehrerin im Vorfeld mit der Projektkoordinatorin für ausländische Studenten, Berufsschüler und Schüler am Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver-Ostendorf, Frau Dr. Saskia Baumert in Verbindung gesetzt. Frau Dr. Baumert ist in ihrer Schule die Europakoordinatorin für den Schüler- und Studentenaustausch. Sie hat dann auch vor Ort für Jorge einen Praktikumsplatz gesucht und gefunden und den behördlichen Weg geebnet, so dass er nach Deutschland kommen konnte. Sie hat zudem auch sehr engagiert eine Gastfamilie für ihn arrangiert, die ihn drei Monate lang bei sich aufnimmt und ihm auch ein wenig Land und Leute zeigt.

Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver-Ostendorf ist Koordinator

Das Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver-Ostendorf hat bereits viele Erfahrungen im Bereich der Austauschstudenten. Die Auslandskontakte und der erste Schüleraustausch, der für die Schule mit Serbien begann, bestehen seit 2011. Die nächsten großen Projekte der Schule werden demnächst gemeinsam mit den Städten Gorizia (Italien), Jaén (Spanien) Istanbul (Türkei) und La Réunion, (Überseedepatement von Frankreich) gestartet.

Wenn Serbien als Europaanwärter 2016 teilnehmen darf, wird auch die serbische Stadt Kikinda mit dabei sein. Die hiesigen Schüler werden in diesem Zusammenhang auch Praktika in den genannten Partnerländern machen können und dabei eng mit der regionalen Industrie zusammenarbeiten.

Förderung auch von Berufsschüler

Zudem fördert die Schule auch Berufsschüler, die nur zwei Mal in der Woche die Schule besuchen und ansonsten in Betrieben arbeiten, mit einem Projekt, in dem sie für drei Wochen nach London/England reisen und dort in befreundeten Unternehmen ein Praktikum absolvieren. Auch das läuft unter dem Programm „ErasmusPlus“.

Dem jungen Spanier Jorge und all seinen Mitstreitern, ob sie nun nach Deutschland kommen oder von Deutschland aus in den jeweiligen EU-Ländern ihr Praktika absolvieren, ist abschließend zu wünschen, dass sie dabei auf viel Wohlwollen stoßen, um jede Menge positive Erfahrungen reicher nach Hause zurückkehren oder sogar einen Arbeitsplatz in den jeweiligen Wunschländern finden.

Wer mehr über ErasmusPlus und ein Auslandssemester wissen will: http://www.erasmusplus.de oder direkt beim www.eugen-schmalenbach-berufskolleg.de

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