Stadte und Gemeinden im Märkischen Kreis erhalten mehr Geld. Foto: M. Schuppich - Fotolia.com

Märkischer Kreis/Hagen. Für die Wirtschaft im märkischen Südwestfalen war das Jahr 2014 eine Achterbahnfahrt. Ein ständiges Auf und Ab bei Auftragseingängen und Produktion prägte die industrielle Entwicklung. Darauf wies SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick bei der Vorstellung der aktuellen SIHK-Konjunkturumfrage hin.

Insbesondere nach den Einbrüchen im dritten Quartal zeigte die südwestfälische Industrie zum Jahresausklang aber Stehvermögen. Trotz aller Turbulenzen konnte die heimische Industrie bis Ende November einen Umsatzanstieg von drei Prozent verbuchen und lag damit deutlich besser als NRW (minus 0,8) und der Bund (plus 1,8). Die aktuelle Lage bewerten 94 Prozent der Industriekapitäne als zufriedenstellend bis gut. Auch die Erwartungen liegen wieder überwiegend im positiven Bereich.

Belebung am Bau

Mit 104 Klimapunkten bleibt das Baugewerbe zwar deutlich gegenüber dem Vorjahr (122) zurück, konnte aber seit dem Herbst (88) wieder zulegen. Im privaten Wohnungsbau sorgt die günstige Zinssituation für eine anhaltend hohe Nachfrage. Aufgrund des milden Winters sind witterungsbedingte Pausen bislang weitgehend ausgeblieben. Das hat zu zusätzlichen Kapazitäten und einer hohen Auslastung geführt. Die meisten Unternehmen melden für die nächsten Monate eine gute Auftragslage.

Handel legt im Schlussquartal deutlich zu

Groß- und Einzelhändler erreichen bei der aktuellen Befragung getragen von einer anhaltend hohen Konsumneigung und einem insgesamt zufriedenstellendem Weihnachtsgeschäft Spitzenwerte unter den Hauptbranchen. Der Einzelhandel liegt mit 135 Punkten deutlich über den beiden Vorbefragungen im September (79) und Januar (113) des Vorjahres. Da die Kauflaune der Verbraucher ungebrochen ist und die Kaufkraft in den nächsten Monaten durch Tarifabschlüsse, günstiges Preisniveau und stabile Beschäftigungslage weiter zulegen dürfte, bleiben die Einzelhändler positiv gestimmt. Der Großhandel konnte seinen Indexwert von 110 im September auf einen Rekordwert von aktuell 142 Punkten steigern. 58 Prozent der Großhändler erwarten ein Wachstum in 2015.

Dienstleister rechnen mit schwierigeren Geschäften

Das Geschäftsklima im Dienstleistungsgewerbe stieg von 96 auf 119 Punkte. Damit wird der Vorjahreswert aber knapp verfehlt, da die Unternehmen unter dem Eindruck der sehr guten aktuellen Lage im laufenden Jahr nur mit einer mäßigen Belebung rechnen.

Euro-Abwertung fördert Exportgeschäft

Die südwestfälischen Exporteure behaupten sich erfolgreich im internationalen Wettbewerb. Das Auslandsgeschäft, traditionell eine Stütze und treibende Kraft der südwestfälischen Wirtschaft, ist mit einem weltweit begehrten Produktmix und unterstützt durch günstige Euro-Wechselkurse zum Dollar wieder auf Touren gekommen. „Die überbewertete Schwäche des Euro ist derzeit ein besonderes Konjunkturprogramm für unsere Unternehmen“, sagte Rapp-Frick. Der von der EZB angestrebte Kurswertverfall des Euro insbesondere gegenüber dem US-Dollar fördere zumindest vor­übergehend den Absatz deutscher Produkte auf den Weltmärkten. Allerdings, so Rapp-Frick, erhöhe sich auch das Risiko von Abwehrmaßnahmen und Sanktionen im internationalen Warenaustausch. Im Ostgeschäft tätige Unternehmen leiden zunehmend unter den Sanktionen gegen Russland.

Die Erwartungen an die weitere Entwicklung der Exporte sind weiter hoch. Fast 25 Prozent aller Industrieunternehmen erwarten steigende Auslandsumsätze, nur sieben Prozent rechnen mit geringeren Exportumsätzen.

Netzentgelte als Investitionskiller

Netzentgelte
Die Netzentgelte werden den Strom erheblich verteuern.

Die Investitionsneigung ist 2014 leicht gestiegen und die verbesserten Geschäftserwartungen lassen weitere Investitionssteigerungen in 2015 erwarten. Dennoch gibt es am Standort Deutschland eine strukturelle Investitionsschwäche, die im Märkischen Südwestfalen aufgrund eines besonderen „Inselstromnetzes“ mit erhöhten Netzentgelten noch verstärkt wird. Rapp-Frick: „Besonders energieintensive Industriebetriebe planen Investitionen an anderen Standorten bis hin zu Betriebsverlagerungen.“ Die SIHK beschäftige sich intensiv mit dem Problem. „Die Rechtslage ist aber äußerst schwierig“, so Rapp-Frick.

Die Zahl der Unternehmen, die im Laufe der nächsten Monate ihr Investitionsvolumen erhöhen möchten, ist seit dem Herbst letzten Jahres leicht von 29 auf 31 Prozent gestiegen, während die Zahl der Unternehmen mit geringeren oder keinen Investitionsabsichten gleichzeitig von über 30 auf 24 Prozent gefallen ist. Da trotz der Belebung in fast allen Branchen noch Kapazitäten brachliegen und der Kostendruck unvermindert anhält, stehen für die Unternehmen weiter notwendige Ersatzinvestitionen (68 Prozent) und Rationalisierung (46) im Vordergrund.

Arbeitsmarkt in guter Verfassung

Der Arbeitsmarkt zeigt sich in guter Verfassung und entwickelt sich weiter positiv. Aktuell sind mit 30.491 Arbeitslosen im SIHK-Bezirk nochmals zwei Prozent weniger gemeldet als vor einem Jahr; das ist, so der SIHK-Hauptgeschäftsführer, nach 2011 der zweitniedrigste Dezember-Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Rapp-Frick: „Für 2015 stehen die Zeichen auf Beschäftigungssicherung. 67 Prozent der Unternehmen wollen in diesem Jahr das Beschäftigungsniveau halten, nur 20 Prozent planen eine Senkung der Mitarbeiterzahl.“

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here