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Lüdenscheid. Die dunkle Jahreszeit liegt erst einmal hinter uns und damit die eigentliche Hochsaison für Wohnungseinbrecher. Doch bei vielen Lüdenscheidern bleibt das Gefühl, es sei in diesem Winter alles viel schlimmer gewesen als in den Vorjahren. Mehr Einbrüche, mehr Kriminalität im Allgemeinen. Beinahe jeden Tag las man Meldungen von Einbrüchen oder zumindest den Versuchen dazu. Stimmt das Gefühl also? Wird es immer schlimmer?

Das sagt die Kriminalstatistik

Einmal im Jahr gibt die Polizeibehörde des Märkischen Kreises eine Kriminalitätsstatistik heraus. Darin werden die Zahlen aller Straftaten für die jeweiligen Städte im Märkischen Kreis aufgelistet und mit dem Vorjahr verglichen. Diese Statistik zeigt für Lüdenscheid, dass im Bereich der Wohnungseinbrüche 2014 im Vergleich zu 2013 zwar tatsächlich ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist (von 217 Taten auf 252), jedoch gibt es im Bereich der Tageseinbrüche einen Rückgang der Zahlen von 123 Fällen in 2013 zu 97 Fällen 2014. Diese leichte Verschiebung sorgt also für ein in etwa gleich hohes Niveau der Einbruchszahlen.

Polizei: „Zahlen sind in etwa gleich“

Marcel Vormann von der Pressestelle der Polizei im MK bestätigt diese Zahlen. „Im Großen und Ganzen sind die Zahlen gleich geblieben“, sagt Vormann im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem versichert der Polizeisprecher, dass es keinen Grund zur Besorgnis gäbe. „Einbruchsdiebstähle sind leider normal und jede Tat ist eine zu viel. Von Einbruchsserien oder einer gravierender Häufung kann man aber nicht sprechen“, so Vormann. Vielmehr sieht Marcel Vormann das Stichwort „Veränderte Wahrnehmung“ als wichtigen Faktor.

Veränderte Wahrnehmung?

Veränderte Wahrnehmung? Ja. Grade in den sozialen Netzwerken gibt es immer wieder Stimmen, die bemerken wollen, dass alles „immer schlimmer“ wird. Die Faktenlage spricht jedoch, wie oben gezeigt, deutlich gegen diese Wahrnehmung. Einer der Hauptgründe für diesen Unterschied kann hier die in den letzten Jahren stark veränderte Verbreitung solcher Meldungen sein. Ein Beispiel: Bis vor einigen Jahren fanden längst nicht alle Meldungen den Weg in die gedruckten Tageszeitungen. Die Produktion kostet viel Geld und der Platz auf dem Papier ist entsprechend teuer. Er will also gut und geschickt befüllt werden. Meldungen von einem Einbruchsversuch mit einem Sachschaden von 150,00 € fallen hier dann nicht unbedingt in die Kategorie „Muss unbedingt ins Blatt“.

Auch wenn Montag früh gegen 09:00 Uhr die Polizeimeldungen vom Wochenende in den Printredaktionen auflaufen, kann das dafür sorgen, dass diese Meldungen nicht unbedingt den Weg in die Zeitung finden. Denn die frisch gedruckte Montagsausgabe liegt um diese Zeit schon lange in den Briefkästen und auf den Frühstückstischen. Das hat nichts mit Faulheit der Printkollegen oder Ähnlichem zu tun, sondern ist schlicht dem Produktionsablauf eines gedruckten Mediums geschuldet.

Ein entscheidender Faktor, der sich in den letzten Jahren stark verändert hat und dafür sorgt, dass heute selbst kleinste Einbruchsmeldungen den Weg zum Leser finden, ist wohl die Medienlandschaft und -Nutzung selbst. Seit 2010 gibt es in der gesamten Republik immer mehr Online-Medien, die über Lokales berichten. Auch die großen Tageszeitungen setzen verstärkt auf ihre Online-Angebote und veröffentlichen hier meist das, was in der Printausgabe keinen Platz fand. Dazu zählen dann auch kleine Einbruchsmeldungen, die früher „unter den Tisch“ gefallen sind und nie oder nur selten den Weg zum Leser fanden. Fügt man dann noch die Verbreitung dieser Meldungen durch soziale Netzwerke wie Facebook hinzu, hat man eine grundlegend veränderte Wahrnehmung durch den Leser in Bezug auf die Meldungen zu Einbrüchen oder Einbruchsversuchen. Es gibt also tatsächlich nicht mehr Einbrüche, sondern die Fälle die es gibt werden erst jetzt tatsächlich wahrgenommen.

Wie viel Angst müssen wir also haben?

Natürlich ist de Sorge, dass die eigenen vier Wände zum Opfer von Einbrechern werden können nie ganz unberechtigt. Einen Grund für Hysterie gibt es jedoch nicht. Denn nochmal: Es ist nicht mehr als früher. Sie kommen nur schneller und besser an diese Meldungen. Seien Sie also Wachsam, übertreiben Sie es aber nicht udn lassen Sie sich nicht von Panikmachern Instrumentalisieren.

Wie kann ich mich trotzdem schützen?

Wer sich in Hinblick auf die Einbruchszahlen dennoch unsicher in den eigenen vier Wänden fühlt, kann sich, natürlich vor ungebetenen Besuch schützen. Beratungen hierzu bietet die Polizei selbst an. Die Polizeibeamten der Kriminalitätsprävention besuchen Sie zu Hause und geben ihren fachkundigen Rat zum Schutz vor Einbrechern an Hausbesitzer oder Mieter weiter. Termine können bei Kriminalhauptkommissar Michael Schneider unter der Telefonnummer 02373/9099-5510 vereinbart werden. Weiterführende Informationen zum Thema gibt es aber auch im Internet.

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