Thomas Ruschin (rechts), Peter Melzer, Patricia Stahlschmidt, Cornelia Kohle und Laura Lagrave stellten die Arbeit des Integrationszentrums vor. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid Es ist ein wenig ruhiger geworden um die Flüchtlinge. Aber sie kommen dennoch. In NRW wurden vom 24. August bis 1. September 1326 Menschen registriert, die in Deutschland ein neues Leben beginnen wollen. „Wie sich das weiter entwickelt, kann zurzeit niemand vorhersagen“, stellt Thomas Ruschin, Leiter des städtischen Fachbereichs „Soziale Hilfen und Bürgerservice“ fest. Die Lage sei vergleichsweise entspannt. Er erwartet in den nächsten Tagen mehrere Familien, etwa 80 Menschen. Sie werden in angemieteten Wohnungen untergebracht. „Das konnten wir mit der Bezirksregierung so verabreden“, sagt er. Vor einem Jahr wäre das undenkbar geworden.

Start in die Integration

Die Stadt kann sich also ein wenig erholen und sich auf die Integration der bisher aufgenommenen Geflüchteten vorbereiten. Das tut sie mit der Einrichtung eines Integrationszentrums in der ehemaligen Grundschule Schöneck. „Ein großes Haus für eine große Aufgabe“, sagt Thomas Ruschin.

Inzwischen hat die Stabsstelle Integration der Stadtverwaltung im Verwaltungstrakt der ehemaligen Grundschule ihr Quartier bezogen. Patricia Stahlschmidt und die beiden Sozialarbeiterinnen Laura Lagrave und Cornelia Kohle haben ihre Beratungsarbeit aufgenommen.

Ex-Schule wieder mit Leben füllen

Die Container sind leer, bleiben aber auf jeden Fall bis zum Ende der Mietzeit in eineinhalb Jahren auf dem Gelände stehen. Foto: Wolfgang Teipel
Die Container sind leer, bleiben aber auf jeden Fall bis zum Ende der Mietzeit in eineinhalb Jahren auf dem Gelände stehen. Foto: Wolfgang Teipel

Es gibt viel zu tun. „Integration bedeutet nicht nur, die Menschen zu versorgen, sondern sich darum zu kümmern, dass sie richtig ankommen, dass ihnen Ängste genommen werden“, sagt Patricia Stahlschmidt. Deshalb soll sich die ehemalige Schule schnell mit Leben füllen. „Nur so kann die Stadt auch ihre soziale Verantwortung wahrnehmen“, betont Thomas Ruschin „Da sind die Kommunen in der Pflicht.“

Betreuung der Seiteneinsteiger

Ein Beispiel: Laura Lagrave kümmert sich um die Kinder und Jugendlichen, die als Seiteneinsteiger in Lüdenscheider Schulen eingefügt werden müssen. Das reicht von der Beschaffung von Schulmaterial über Gespräche mit den Familien und den Kontakt zu den Schulen – eine Aufgabe, die nur in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Märkischen Kreises zu bewältigen ist.

Flüchtlinge wünschen mehr Kontakt

In den Beratungsgesprächen mit den Flüchtlingen geht es auch darum, wie sie sich selbst helfen können. „Die Menschen suchen mehr Kontakt. Untereinander und auch mit der deutschen Bevölkerung“, berichtet Patrica Stahlschmidt. „Sie wollen sich öffnen.“ So habe sich inzwischen eine Gruppe gefunden, die mit einer eigenen Facebook-Seite an die Öffentlichkeit gehen wird.

In der ehemaligen Grundschule sollen zudem Räume für Sprachunterricht eigerichtet werden. „Auch das ist dringend notwendig“, erläutert Patricia Stahlschmidt. Träger wie die VHS oder die AWO litten inzwischen unter Raumnot und benötigten dringend Ausweichmöglichkeiten.

400 Quadratmeter können genutzt werden

Rund 400 Quadratmeter stehen dem Integrationszentrum zur Verfügung. Die gesamte Fläche kann noch nicht genutzt werden, weil noch weitere Umbauten erfolgen müssen. Neben Räumen für die Sprachkurse soll künftig auch Platz für eine Begegnungsstätte vorhanden sei. Auch die ehrenamtlich arbeitende Flüchtlingshilfe und eine Fahrradwerkstatt sollen hier untergebracht werden. Patricia Stahlschmidt weiß: „Darauf brennt die Arbeitsgruppe Mobilität ganz besonders.“

Sportplatz wird vom Unkraut befreit

Auch die Außenflächen sollen genutzt werden. Seit einigen Tagen befreien Flüchtlinge zusammen mit einem Mitarbeiter des Stadtreinigungs-, Transport und Baubetriebs (STL) der Stadt Lüdenscheid den Sportplatz vom üppigen wuchernden Unkraut. Bald soll hier Fußball gespielt werden.

Die Container verbleiben zunächst auf dem ehemaligen Grundschulgelände. Als Puffer. „Die Restmietzeit läuft noch rund eineinhalb Jahre“, berichtet Thomas Ruschin. Und in dieser Zeit kann einiges passieren. Die Stadt muss weiter mit Zuweisungen rechnen. Ihre sogenannte „Erfüllungsquote“ liegt laut Bezirksregierung Arnsberg zurzeit bei 79,07 Prozent.

 

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