Sympathisch, kompetent und sehr engagiert: Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lüdenscheid, Wiebke Grüne. Fotos: Kannenberg

Lüdenscheid. Rathaus. Besuch bei der Gleichstellungsbeauftragten Wiebke Grüne. Gleichstellungsbeauftragte? Was genau bedeutet das? Wer und was wird hier gleichgestellt? Meine erste Frage ist die nach einer Definition ihres Jobs.

Was ist eine Gleichstellungsbeauftragte?

Auf der Webseite der Stadt Lüdenscheid steht unter dem Link http://www.luedenscheid.de/buerger/gleichstellung/sp_auto_467.php folgendes: Hauptanliegen ist es, innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung, regional wie überregional durch Anstöße, Anregungen und konkrete Maßnahmen traditionelle Rollenvorstellungen und Einstellungen abzubauen. Ziel der Gleichstellungsbeauftragten ist es, dahinzuwirken, dass Interessen von Frauen und Männern in der Stadt Lüdenscheid angemessen berücksichtigt werden. Gleichstellungsarbeit wird hier begriffen als Auftrag an alle Verantwortlichen, diskriminierenden Strukturen für Frauen (und Männer) durch geeignete Maßnahmen zu begegnen …

Nicht unbedingt für jeden sofort verständlich. Nun, Frau Grüne versteht sich erst einmal als Netzwerkerin. Sie hat den Überblick, wer in der Stadt kompetente Hilfe anbietet, wenn man sie denn sucht, z.B. beim Wiedereinstieg in den Beruf. Dabei ist es egal, ob man Mann ist oder Frau, die Gleichstellungsbeauftragte ist für alle da, die sich in ihrer häuslichen und/oder beruflichen Situation sinnvoll verändern oder wieder eingliedern möchten. Sie ist quasi eine „Lotsin“ nicht nur innerhalb der Verwaltung, sondern auch innerhalb der Stadt. Insbesondere, wenn es um Themen der Vereinbarkeit geht von Familie und Beruf. Also Themen wie der Wiedereinstieg nach einer Babypause, nach einer Trennung, langer Krankheit oder Therapie.

Wiedereinstieg in den Beruf nach Pflege eines Angehörigen

Was parallel dazu ein immer brisanteres Beratungsthema wird: Der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Pflege eines Familienangehörigen. Tendenz steigend. Hier besonders erwähnenswert ist die Gruppe der sogenannten „Sandwichgeneration“, bei der es darum geht, dass Frauen immer später Kindern bekommen, oft weit in den Vierzigern und daher in einem Alter noch kleine Kinder zu versorgen haben, in dem parallel dazu die Eltern öfter einmal zu Pflegefällen werden. Eine prekäre, kräftezehrende Situation.

Dafür gibt es extra eine Pflegeberatung in der Stadt, die ganz persönliche – auf die Bedürfnisse der betroffenen „Sandwich“-Person zugeschnittene – Konzepte ausarbeitet. Aber das muss man erst einmal wissen. Und genau dafür sitzt Frau Grüne als Ansprechpartnerin eben auch im Rathaus.

Die Alleinerziehenden, eine ständig wachsende Bevölkerungsgruppe

Sie hat ein großes Herz für die Ratsuchenden, die zu ihr kommen.
Sie hat ein Herz für Alleinerziehende. Und nicht nur für die.

Verstärkt berät sie auch Alleinerziehende, die oft mit mehreren Kindern den Einstieg in eine Berufswelt suchen, die eigentlich ganz und gar nicht auf diese gesellschaftliche Gruppe eingestellt ist. Eine Personengruppe, die rasant zunimmt und immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Alleinerziehenden liegen ihr besonders am Herzen, das merkt man ihr an. Wir sprechen über flexible Arbeitszeiten, „Home Office“ und die Möglichkeit, Arbeitgeber dazu zu bewegen, sich mehr auf die Bedürfnisse von Ein-Eltern-Familien einzustellen. Die 8 bis 17 Uhr-Lösung, wie sie heute noch vielerorts üblich ist, ist für viele Alleinerzieher wenig praktikabel und daher eher ein Auslaufmodell.

Eine neue Generation von Vätern

Dann erzählt sie mir, dass da laut Studien ganz generell auch eine neue Generation von Vätern auf den Arbeitsmarkt drängt, die sich mehr Zeit mit ihrer Familie wünschen und dafür gegebenenfalls auch auf eine steile, mit Überstunden und Mehrarbeit erkaufte Karriere verzichten. Auch dies ein Thema für die Gleichstellungsstelle. Welches Arbeitszeitmodell passt für eine moderne junge Familie, in der sich beide Elternteile dem Erziehungsauftrag stellen wollen?

Eine spannenden Aufgabe, die impliziert, dass Gleichstellungsstellen auch immer ein wenig in die Zukunft schauen müssen, gesellschaftliche Trends früher erkennen müssen als die Allgemeinheit und auch früher darüber im Bilde sind, „wohin die Reise einer Gesellschaft geht“. Längst ist es eben nicht mehr so, dass Geld allein die Hauptzugfeder ist, warum sich gerade die Gruppe der gut ausgebildeten Jüngeren für einen Job entscheidet, sondern Angebote wie Flexibilität, Vereinbarkeit mit der Familie, Gleitzeit und eventuell sogar ein Kindergarten Standards sind, nach denen Menschen heute ihre Berufsleben ausrichten.

Jeder Ratsuchende ist ein Individuum

Für Frau Grüne ist jeder, der zu ihr findet ein Individuum mit ganz besonderen Bedürfnissen. Sie berät den Einzelnen umsichtig und nimmt sich die Zeit, genau herauszufinden, welcher Partner aus ihrem Netzwerkportfolio der richtige sein könnte für den Ratsuchenden. Oft sind es mehrere Stellen, die der Wiedereinsteiger ansteuern kann, um die passende Unterstützung zu finden.

Leider wissen noch viel zu wenig Menschen, dass es dieses wertvolle Angebot im Rathaus für sie gibt. Dass es für so etwas schwieriges, wie die Wiedereingliederung in den Job, auch nach Jahren, viele Hilfsangebote gibt und sehr viele Möglichkeiten.

Wie wird man eigentlich Gleichstellungsbeauftragte?

Wie man Gleichstellungsbeauftragte wird? Nun, ein Lehrberuf ist das nicht. Man muss sich schon berufen fühlen, Menschen mögen und Spaß daran haben, viel Zeit mit ihnen zu verbringen und sich parallel durch einen Dschungel von Angeboten und gesetzlichen Hindernissen zu kämpfen. Wiebke Grüne hat sich für ihren Beruf intern in einem Auswahlverfahren beworben. Ganz ursprünglich ist sie eigentlich Buchhändlerin, dann hat sie Museumspädagogik studiert und im Städtischen Museum gearbeitet und sich dann noch einmal beruflich in Richtung „Gleichstellungsstelle“ umorientiert.

Sie lebt, was sie „predigt“

Mein Eindruck ist abschließend, dass mir hier eine engagierte, kompetente Frau gegenüber sitzt, die das lebt, was sie „predigt“. Jemand, der Weitsicht besitzt und auf gesellschaftliche Trends sensibel und zielgerichtet reagiert. Und ihr Ziel ist es definitiv, Menschen dabei zu unterstützen, das beste aus ihrem Leben zu machen.

Wer in einer der oben beschriebene Situation ist und sich fragt, wie er den Wiedereinstieg in den Beruf schafft, sich vielleicht neu orientieren möchte oder einfach einmal wissen will, was überhaupt möglich ist, kann einen entsprechenden Beratungstermin mit Frau Grüne über folgende E-Mail Adresse vereinbaren: wiebke.gruene@luedenscheid.de

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