Plettenberg. Die Belegschaft der Dura-Automotive-Standorte Plettenberg und Selbecke kann die Werke für den symbolischen Preis von einem Euro übernehmen. Dieses Angebot veröffentlichte die Geschäftsführung der Dura Automotive mit Sitz in Michigan/USA gestern (6. März) in einer Pressemitteilung.

Knapp 950 Mitarbeiter/innen sind in den beiden Werken für Leisten und Blenden beschäftigt. Im Dezember 2015 kündigte die US-Geschäftsführung an, das Werk in Selbecke zu schließen und in Plettenberg die Belegschaft auf etwa 400 zu verringern. Dagegen hatten Betriebsrat und IG Metall Widerstand angekündigt. Nun überrascht die Konzernleitung mit dem Verkaufsangebot an die Beschäftigten.

Die Produktion von Zierteilen für Personenkraftwagen, die nach Firmenangaben in den vergangenen fünf Jahren Verluste von über 100 Millionen Euro angehäuft haben soll, würde von Dura „praktisch schuldenfrei“, so heißt es in der Pressemitteilung, an die Mitarbeiterschaft übergeben. Darüber hinaus könnten die neuen Inhaber weiterhin die Tochtergesellschaft Dura Automotive Body & Glass Systems zu den bestehenden Bedingungen beliefern und neue Abschlüsse mit allen großen Herstellern tätigen.

Die Dura-Geschäftsleitung geht im Gegensatz zu Betriebsrat und Gewerkschaft davon aus, dass der Bereich Leisten und Blenden nur durch die Neuausrichtung auf hochwertige Teile für Fahrzeuge im Premium- und Luxussegment zukunftsfähig sei. „Wir würden alles daran setzen, den Standort Plettenberg wieder erfolgreich zu machen. Die damit verbundenen schmerzhaften Schritte müssten wir aber in einem finanziell vernünftigen Rahmen machen können“, verteidigt Dura-Europa-Geschäftsführer Jerry Lavine das Managementkonzept des US-Konzerns.

Die Arbeitnehmervertreter hatten angekündigt, eigene Konzepte zu entwickeln, um den Bereich Leisten und Blenden wieder in die Gewinnzone zu bringen. Offenbar will das bisherige Management ihnen diese Möglichkeit nun eröffnen.

Wie die IG Metall mitteilt führt die Dura-Unternehmensspitze heute (7. April) Belegschaftsversammlungen durch und stellt die weiteren Planungen vor.

Die komplette Dura-Pressemitteilung vom 6. April 2016: Dura_PM2016-04-06

Kommentar:

Die Botschaft der US-Bosse an die Mitarbeiter/innen im Sauerland könnte auch kurz und knapp übersetzt werden: Macht doch alleine weiter. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt. Ihre Taktik ist durchsichtig: Übernimmt die Belegschaft die Sauerländer Werke für die Herstellung von Leisten und Blenden, ist Dura Automotive raus aus der Verantwortung. Kommt die Übernahme nicht zustande, wird die Geschäftsführung ihr angekündigtes Streichkonzept ohne weiteren Widerstand durchziehen können.

Wie ernst das Angebot der Übernahme zu nehmen ist, wird sich erst zeigen, wenn weitere Details bekannt gemacht werden.

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