Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Mit einer spontanen Versammlung vor den Werkstoren von Dura verhinderte die Belegschaft am Donnerstag offenbar den Abtransport von Maschinen und Werkzeugen aus dem Werk Plettenberg nach Portugal.

Nach Darstellung von Betriebsrat und IG Metall hatte die Dura-Geschäftsführung für Donnerstag einen neuen Verhandlungstermin vereinbart. Um 10 Uhr sollte das Gespräch beginnen. Um 9.45 Uhr sprach sich die Nachricht herum, dass ein Lastzug und ein Kranwagen unterwegs seien, um Maschinen und Werkzeuge in Plettenberg aufzuladen, die dann zum Dura-Werk in Portugal transportiert werden sollten.

Unter diesen Voraussetzungen sagten die Arbeitnehmervertreter die Verhandlung sofort ab. „Wir fühlen uns an der Nase herumgeführt“, kommentierte Betriebsratsvorsitzender Faruk Ikinci das Verhalten der Geschäftsführung. Kurzentschlossen versammelten sich etwa 150 Mitarbeiter/innen vor den drei Werkstoren. Die von der Werksleitung herbeigerufene Polizei konnte keine Ordnungswidrigkeit feststellen und griff nicht ein. Bis in die Abendstunden harrten die Kolleginnen und Kollegen aus.

Dura-Geschäftsführung: Arbeitnehmervertreter verweigern sich sachlicher Diskussion zur Mehr- und Wochenendarbeit

Jerry Lavine, Duras Executive Vice President und Chief Program Officer, kommentierte die Vorgänge: „Die Reaktion des Betriebsrats und der IG Metall finden wir inakzeptabel. Die Arbeitnehmervertreter verweigern sich einer sachlichen Diskussion zur Mehr- und Wochenendarbeit. Wir sind auf die Arbeitnehmervertreter zugegangen und wir haben betont, wie wichtig es ist, unsere Kundenaufträge abzuarbeiten. Wir haben 15 Prozent Lohnaufschlag für Mehr- und Wochenendarbeit angeboten. Ich habe mehrfach von Arbeitern in Plettenberg gehört, die froh wären, wenn sie Überstunden machen könnten und mehr Geld dafür bekämen. Jetzt sind wir gezwungen, uns mit externer Arbeitskraft zu behelfen, idealerweise aus der Dura-Gruppe. Wir müssen unser Kundenversprechen erfüllen. Mit ihrer konfrontativen Haltung setzen Betriebsrat und IG Metall Duras Kundenbeziehungen aufs Spiel und damit auch den Standort in Plettenberg.“

Zur geplanten Verlegung von Maschinen sagt Jerry Lavine: „Die besagten Maschinen sind für das Dura-Werk in Portugal bestimmt. Sie wurden von der dortigen Dura Tochter bestellt und sind in Plettenberg nicht einsetzbar.“

Am Freitag vors Arbeitsgericht

Am Freitag geht das Tauziehen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern von Dura Plettenberg und Selbecke vor dem Arbeitsgericht weiter. Das Gericht soll 1. über die Rechtmäßigkeit der ausgerichteten Betriebsversammlungen befinden; 2. darüber entscheiden, ob über 220 Arbeiter aus Portugal ohne Zustimmung des Betriebsrats in Plettenberg eingesetzt werden dürfen; 3. ob Maschinen und Werkzeuge in das portugiesische Werk verlagert werden dürfen.

Zu den Arbeitern, die aus Portugal eingeflogen werden sollen: Dem Dura-Betriebsrat liegen Informationen vor, dass bis zu 250 Portugiesen für einige Tage in Plettenberg eingesetzt werden sollen. „Mehrere Hotels haben ensprechende Anfragen seitens der Dura-Leitung bestätigt“, berichtet Ikinci. Offenbar sollen diese Arbeiter die fehlende Mehrarbeit auffangen, die vom Betriebsrat seit dem Stillstand der Verhandlungen über die Zukunft von Dura Leisten und Blenden in Plettenberg und Selbecke nicht mehr genehmigt wird.

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4 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrte Frau Tilton,

    Ich schreibe Ihnen in der Hoffnung das Sie oder einer Ihren vielen Angestellten dieses Schreiben nicht einfach in den Papierkorb schieben!
    Ich schreibe ferner in meiner Muttersprache weil ich Stolz auf mein Ursprung bin, ja auch Sie sind sicherlich Stolz auf ihr Mutterland und auch auf das was Sie erreicht haben, ja Ihre Kariere ist schon beeindruckend und sucht Vergleichbares in der Wirtschaftswelt.

    Nun auch ich bin sehr stolz auf meine Bescheidenen Leistungen im privaten wie im dienstlichen, ich bin stolz auf 35 Jahre Firma Schade und DURA
    Was wir als Automobilzulieferer geleistet haben war und ist grandios, Pressenautomation im Sekundentakt, Fallfenster und Sonnendachverklebungen an Rundläufern im Minutentakt, Montagelinien für Seitenrahmen E90 die heute noch nicht wieder erreicht wurden. Wir waren die ersten die eine Dachreling voll automatisch gefertigt haben, heute freuen sich unsere Wettbewerber über unsere Pionierarbeit, wir haben die Aluminiumbearbeitung mit 5-Achs-HSC-Anlagen vorwärts getrieben, unsere Eloxalanlage 1 ist immer noch die einzige mit dem alkalischem Glänzverfahren im Automotivebereich. Die Poliertechnik wurde mit unserer Hilfe verbessert und die Anlagentechnik sucht seinesgleichen, die Anlagen werden heute Weltweit zwischen China und Mexico eingesetzt und unsere Biegetechnik ist führend.
    Ja ich könnte noch vieles mehr auflisten und belegen, all das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem was wir geleistet haben.
    Ja ich bin Stolz das ich daran teilhaben konnte, Stolz auf unsere Leistungen!
    Nein, das was in den letzten Jahren mit uns passiert ist bricht mir das Herz und bringt mich um den Verstand.
    Warum ist es soweit gekommen? Was haben wir falsch gemacht?
    Diese Fragen habe ich mir in den letzten Jahren immer und immer wieder gestellt und ehrlich, eine Antwort habe ich nicht gefunden.

    In meinen 35 jährigem Arbeitsleben habe ich über 35 Werksleiter erlebt, vielleicht lag es ja daran das wir in den letzten 10 Jahren keine schwarzen Zahlen mehr schreiben konnten und das Schiff ins straucheln geriet.
    Es fing an als ein Werksleiter die Mittarbeiter als „dressierte Affen“ bezeichnete, die Betriebskultur wurde durch Hetze und Konkurrenzkampf untergraben, weitere „Chefs“ haben die Mitarbeiter mit Regeln eingeschränkt und beschnitten, ja wir wurden so zu einer gedankenlosen Marionette die nicht mehr in der Lage war pro aktiv zu denken und handeln, man gab sein Gehirn bei der Pforte ab und holte sich Ende des Monats das Geld von der Kasse.
    Unterstützt wurde diese Kultur von den unverständlichen Entscheidungen von „Chefs“ aus USA die innerhalb kürzester Zeit erkannt haben das zu viel Personal an Bord ist, es wurde abgebaut und binnen kürzester Zeit wieder eingestellt da man merkte die Zahlen zum Personalabbau stimmten nicht, ja man hat viele Schnellschüsse losgelassen was zu erheblichen Qualitätseinbrüchen führte, entsprechend ist die Kundenversorgung ins Stocken geraten denn mit ungelernten und demotivierten Mitarbeitern ist eine bis zum letztem Tropfen ausgequetschte Produktion nicht aufrecht zu halten.

    Ich habe mich oft gefragt warum wurde so gehandelt und entschieden, ich habe keine Antwort gefunden, meine Grundfundamente sind erschüttert, Ehrlichkeit, Loyalität und gegenseitiger Respekt ist den Lügen, Ignoranz und „Fähnlein im Winde“ gewichen…….

    Warum schreibe ich hier? Ich habe nicht mehr lange zu arbeiten, sollte besser die Zeit absitzen und den Kopf unten halten.
    Nein ich bin Stolz und kämpfe um 35 Jahre Arbeitsleben, hätte alles einfacher haben können aber so bin ich halt, einfacher können andere, ich bin ich und wehe nicht im Winde.
    Sehr geehrte Frau Tilton,
    sind meine Gedanken und Gefühle falsch?
    Können Sie für sich sagen Ja ich bin stolz und kann es mit meinen Grundwerten vereinbaren, ich habe es richtig Endschieden, alles was gemacht wurde und wird ist ehrlich und entspricht meinen ethischen Gedanken.

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl-Heinz Schröder
    (ein stolzer DURA Plettenberg Mitarbeiter)

    So wie die Gedanken sind,
    ist auch der Charakter,
    denn die Seele wird von den Gedanken geprägt.

    Marc Aurel
    – römischer Kaiser –
    (121-180 n. Chr.)

  2. Tja, lieber Herr Schröder, ich finde ihren Brief sehr gut, leider bezweifle ich aber, ob ihn Überhaupt jemand der Entscheidungsträger lesen wird. Und wenn ja, ob es Überhaupt jemanden berührt.
    Alles Gute Ihnen und allen DURA Beschäftigten
    Karl-Heinz Hilbrich

  3. Die Auseinandersetzungen bei DURA zeigen einmal mehr, dass Freihandelsabkommen mit unsozial-kapitalistisch dominierten Ländern wie den USA nicht zustande kommen dürfen. Kaum ein ehemals in Deutscher Unternehmerschaft entstandener Betrieb hat vor Ort je von einer Übernahme profitiert. Die Profitgier der Unternehmer-Erben und shareholder richtet Existenzen, Familien, Landstriche und Völker zugrunde.
    Die Mär von der durch die Globalisierung notwendigen Öffnung unserer Märkte ist die Gehirnwäsche, die die Schere im Kapitalismus immer weiter öffnet.

    Frei jeglicher nationalistischer Gedanken wünsche ich mir für mein restliches Leben nur noch eine erneute Revolution gegen den Kapitalismus. Im Zweifelsfall wird dies nicht ohne (menschliche) Opfer vonstatten gehen, aber unser Planet ist eh überbevölkert. Für eine Revolution braucht es aber Geist und Idealismus, und der stirbt systematisch durch Verblödung aus. Staatlich und industriell geleitete Verblödung, derer sich viel zu wenige entgegenstellen.

    Aber zurück zu DURA: Deutschland und die EU sind nur noch Spielbälle des internationalen Kapitalismus. In diesem Sinne: Kämpft um des Kampfes Willen, auch wenn letztes Endes Nichts bei ‚rum kommt. Eure Selbstachtung sollte es Euch allemal wert sein. Viel Glück und Erfolg!

  4. 450 Teilnehmer bei der Abenddemo, wen kratzt das? Wenn jeder DURA-Arbeitnehmer nur seine Familie mitgebracht hätte, hätten da tausende demonstriert. So waren ja nicht einmal alle DURA-Beschäftigten da. Gibt wohl wichtigeres in Plettenberg.

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