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Die IG Metall ruft zu eine Schweigemarsch auf. Er soll am Dienstag, 9. August, stattfinden. Foto: Bernhard Schlütter

Von Bernhard Schlütter

Plettenberg. Die Belegschaft von Dura Leisten und Blenden hat in einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung heute (Donnerstag) Nachmittag das Übernahmeangebot der Geschäftsführung mit großer Mehrheit abgelehnt. Das teilt die IG Metall in einer Pressemitteilung mit.

„Mit diesem Angebot wäre der Standort nicht zu erhalten. Es kommt der Eindruck auf, als wolle der Konzern sich möglicher Sozialplankosten entledigen. Das ist mit uns nicht zu machen“, erklärt Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis. Auf Anfrage des Komplett-Magazins ließ die Stellungnahme des Unternehmens nicht lange auf sich warten: „Wir nehmen das zur Kenntnis und warten jetzt auf den ersten Termin mit den Arbeitnehmervertretern.“

Der Dura-Betriebsrat hatte zuvor einen externen Experten eingeschaltet, der das Dura-Angebot wirtschaftlich untersuchen konnte. Folgende Gründe haben die Belegschaft im Wesentlichen dazu veranlasst, das Angebot nicht abzunehmen:

  1. Bestehende Lieferverträge, die DURA mit dem Wissen abgeschlossen hatte, dass sie Verluste erzeugen, gehen eins zu eins über. Der daraus resultierende Verlust von einer Million Euro pro Monat wäre von der neuen Gesellschaft zu tragen. Auch ein Sozialplan für Personalmaßnahmen müsste von der mittellosen neuen Gesellschaft bestritten werden.
  2. In den vergangenen Jahren hat die Konzernspitze mehrfach neue Aufträge für die Werke im Sauerland abgelehnt. Bestehende Verträge wurden bereits verlagert.
  3. Daraus resultiert auch ein rapide sinkender Umsatz an den Standorten.
  4. Die Akquise neuer Aufträge dauert in der Branche zwei bis fünf Jahre, weil sie sich an die Produktionsplanung der Abnehmer orientiert.
  5. Dies ergibt einen Kapazitäts- und Personalüberhang.
  6. Dura Leisten und Blenden verfügt weder über eigene Management-Kapazitäten noch über Kontakte zu Kunden.
  7. Dura benötigt genügend Eigenkapital (rund 50 Millionen Euro) und Bürgen zur Absicherung.

Dieser Befund betreffe zum Teil auch die Alternative des Dura-Konzerns, den Standort Plettenberg für eine „Premium-Produktion“ mit 450 Mitarbeitern erhalten zu wollen. Kasubke: „Ein Betriebsgelände, das für die Beschäftigung für fast 1.500 Menschen ausgelegt ist, wird für 450 Mitarbeiter kaum wirtschaftlich betrieben werden können. Die verlagerten Aufträge sprechen auch nicht dafür, dass hier eine große Zukunft geplant wird.“

Nachdem das Übernahmeangebot vom Tisch ist, werde es nun Zeit, dass das Unternehmen für die in Selbecke und Plettenberg beschäftigten Arbeitnehmer Verantwortung  übernehme und in ernsthafte Gespräch zum Erhalt des Unternehmens eintrete. „Zu einem solchen Gespräch auf Augenhöhe stehen alle Türen offen“, so Torsten Kasubke.

Der Gewerkschafter ruft die Dura-Eigentümerin Lynn Tilton auf, sich in die Verhandlungen einzubringen: „Sie selbst sagt, Erfolg hänge nicht vom verdienten Geld ab, sondern von den Menschen, die man berührt und denen man geholfen hat. Wer sich auf die Fahnen schreibt, Unternehmen zu führen, um Jobs zu retten, sollte sich hier anders verhalten. Sie ist eingeladen, mit den Beschäftigten und uns über die Möglichkeiten zu reden, diesen Standort zu erhalten. Wir wollen in Tarifverhandlungen treten.“

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