Digitaler Wandel
Start zum Rundgang durch die Produktion. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Wenn NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin an den Mittelstand zwischen Rhein und Ruhr und Schlagworte wie „Industrie 4.0“ und digitaler Wandel denkt, bekommt er das ein oder andere Mal auch Sorgenfalten. Zu viele Unternehmen könnten den digitalen Wandel in Management und Produktion verpassen, fürchtet er. Wenn er Vorreiter des digitalen Wandels trifft, ist der 48-jährige Wirtschaftspolitiker und Jurist aber ganz entspannt. So wie am Freitag beim Besuch von Busch-Jaeger. „Wir wollen nicht Getriebene des digitalen Wandels sein, sondern ihn selbst vorantreiben“, versicherte Karsten Adenauer, Personalleiter des Unternehmens, dem Minister.

„Industrie 4.0“ ist Realität für alle

Beispiele gab’s anschließend beim Rundgang durch die Produktionshallen reichlich. Hier spürte Garrelt Duin: „Der digitale Wandel ist nicht ein Programm für wenige, sondern Realität für alle.“ So hat der 48-Jährige das am Freisenberg zwar nicht gesagt. Karsten Adenauer zitierte den Minister, der sich bei einer anderen Gelegenheit so geäußert hatte.

Gespräch in der Elektronik-Abteilung. Foto: Wolfgang Teipel
Gespräch in der Elektronik-Abteilung. Foto: Wolfgang Teipel

Für Busch-Jaeger gehört das Thema Digitalisierung seit Jahren zum Kerngeschäft in der Produktion. Sie reicht von Steckdosen über Jalousiemanagement, Wärme- und Rauchmelder bis zu USB-Ladegeräten, Türkommunikation und komplexer Haussystemtechnik. In 22 Projekten wird derzeit untersucht, wie die Digitalisierung das gesamte Unternehmen mit seinem zweiten Standort in Aue (Bad Berleburg) weiter nach vorn bringen kann. Ziel eine möglichst weitreichende Transformation ins Digitale mit einer entsprechenden Unternehmenskultur.

Gesprächsrunde im Schulungszentrum

„Industrie 4.0 und digitaler Wandel verändern Produktionsprozesse, Geschäftsbeziehungen und die gesamte Arbeitswelt“, stellte Garrelt Duin anschließend bei einer Gesprächsrunde im Schulungszentrum des Unternehmens fest. Damit niemand abgehängt werde, sei zunächst der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes dringend erforderlich. „Es gibt immer noch weiße Flecken“, sagte der Minister. Dieser Ausbau werde jetzt mit Landes- und Bundesmitteln (zusammen eine Milliarde Euro) vorangetrieben.

Im Schulungsraum stellten sich Minister Garrelt Duin, Landtagsabgeordneter Gordan Duds und Bürgermeister Dieter Dzewas den Fragen der Mitarbeiter. Foto: Wolfgang Teipel
Im Schulungsraum stellten sich Minister Garrelt Duin, Landtagsabgeordneter Gordan Duds und Bürgermeister Dieter Dzewas den Fragen der Mitarbeiter. Foto: Wolfgang Teipel

Seine Forderung: „Unternehmen müssen sich jetzt dem digitalen Wandel stellen. Mal abwarten, wohin die Reise geht, ist keine Lösung.“ Die Industrie 4.0 könne zum großen Wachstumstreiber für die nordrhein-westfälische Wirtschaft werden. Allerdings habe noch im Herbst 2014 eine Studie der DZ-Bank gezeigt, dass 70 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht von der Digitalisierung überzeugt seien und Digitalisierung in ihren Strategien keine Rolle spiele.

Aufgabe der Wirtschaftspolitik

Das zu ändern, sei Aufgabe der Wirtschaftspolitik in NRW. Das größte Risiko der Digitalisierung bestehe darin, ihre Chancen nicht zu nutzen.  „Jetzt werden die Weichen über Erfolg oder Misserfolg gestellt“, betonte der Minister. Niemand dürfe sich wegducken. „Die Chancen liegen in der aktiven Gestaltung.“ Da sehe er Busch-Jaeger gut aufgestellt.

„Wenn wir über Smarthome und andere Entwicklungen reden, dann brauchen wir offene Grenzen und freien Handel“, stellte Jürgen Hoengen fest. Damit spielte der Busch-Jaeger-Geschäftsführer auf protektionistische Tendenzen in den USA und einigen europäischen Ländern an.

Die berechtigte Sorge konnte der Minister dem Manager am Freitag nicht nehmen. In welche Richtung die Reise in Europa gehen werden, könne man frühestens nach den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich erahnen. Er selbst setzte ganz massiv auf offene Grenzen und freien Handel in der ganzen Welt.

 

 

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