Halver.                                                                            Freitag, 27. Februar, 2015

Liebe Nessi Tausendschön,

der Beifall in der Aula in Halver hat es gezeigt: es war ein schöner Abend mit Ihrem Programm „Die wunderbare Welt der Amnesie.“ Auch wenn, sei es wegen der Grippewelle oder aus anderen Gründen, ein paar Stühle in der ersten Reihe frei geblieben waren, hat sich das Halveraner Publikum amüsiert. Freundlicherweise hatten Sie uns, den Vertretern von „Bäckerblume“ und „Apotheken-Umschau“ ja auch zwischendurch immer wieder diktiert, was wir schreiben sollen. Ich habe leider vergessen, was es war.

Angst vor Plagiats-Vorwurf

Wir sind ja auch keine Politiker, die die Kunst beherrschen, sich Bonmots zu merken, „aber zu vergessen, von wem sie stammen“. Und, wer weiß, ob wir nicht nachher des Plagiats verdächtigt worden wären, hätten wir ihre Vorgaben übernommen. Alles Dinge, die sie angeprangert haben.

Starker auftritt als Kasachin auf der Suche nach dem Heimatgefühl. Foto: Rüdiger Kahlke
Starker Auftritt als Kasachin auf der Suche nach dem Heimatgefühl.
Foto: Rüdiger Kahlke

Ich weiß auch nicht, ob es eine gute Kombination ist zu singen, und dazu im „Ausdruckstanz“ auf der Bühne herum zu zucken und sich ein paar Atemzüge später zu beklagen, wie ein „Volk 1000 Jahre vergessen“ konnte und dazu das Verb als „vergaß und haben vergast“ zu steigern. Da rücken Banalität und Grauen doch etwas zu dicht aufeinander. Es ja richtig, dass in den Medien mit Nebenkriegschauplätzen (mit ein paar toten Pop-Stars von der Politik abzulenken) von Problemen abgelenkt wird. Man muss auch den gegelten Ex-Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg nicht mögen, aber den Gau von Fukushima inszeniertes Ablenkungsmanöver darzustellen, um seiner „maroden Doktorarbeit“ abzulenken, verkennt Ursache und Wirkung. Da sind andere in der Analyse doch präziser.

Unglaubliche Wandlungsdfähigkeit
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Wandluingsfähig und eine klasse Stimm-Imititatorin: Nessi Tausendschön. Foto: Rüdiger Kahlke

Ich will ja nicht nörgeln und stimme Ihnen zu: „Die Freude fehlt“ hierzulande oft und „Lob fehlt auch.“ Da knüpfe ich gerne an und möchte kurz die Punkte ansprechen, die ich freudig erinnere. Und viele andere wohl auch, wie Lacher und Beifall am Freitagabend gezeigt haben. Da ist zum einen Ihre unglaubliche Wandlungsfähigkeit. Ich meine nicht die alberne Kostümierung. – Aber Ihre Mimik, die stimmliche Präsenz oder die grandiose Fähigkeit, andere zu imitieren. Mal wie Max Raabe zu singen, dann wie die Kanzlerin zu sinnieren, Lena Meyer-Landrut, 99-Luftballon-Nena und Nina von Hagen zu interviewen, das hatte Klasse. Ebenso wie die Suche der Kasachin Ludmilla nach dem Heimatgefühl.

Abend mit Werten

Zudem hatte der Abend nicht nur Unterhaltungs- , sondern auch Nutzwert. Ihren Rat: „Hegen und pflegen sie Erinnerungen“ einerseits und vergessen können andererseits, um im Internet-Zeitalter angesichts der Informationsflut nicht kirre zu werden, nehme ich gerne auf.

Wo war nochmal der rote Faden, Ihrer und meiner? Egal. Ich hab’s vergessen. Und den Alltag etwas hinter sich zu lassen, zu vergessen, war ja auch Sinn des Abends. Die meisten kommen

Könner und unprätentiöser Begleiter auf der Gitarre: W. MacKenzie. Foto: Rüdiger Kahlke
Könner und unprätentiöser Begleiter auf der Gitarre: W. MacKenzie.
Foto: Rüdiger Kahlke

sicher beim nächsten Auftritt wieder, weil sie sich gerne an Nessi Tausendschön erinnern – auch wenn sie das aktuelle Programm schon wieder vergessen haben.

Beste Grüße aus dem Volmetal, der Region mit großem Herzen für Kleinkunst – auch an William MacKanzie, der mit seiner Gitarre zwar nur die zweite Geige auf der Bühne spielte, das aber  überzeugend.

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