Im Kleinen steckt viel Großes: Volrlage für diese Skulptur war die Super-Makro-Aufnahme eine Farbkleckses. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die große Welt der kleinen Dinge – Ulrike Kazmaier entdeckt sie. Beispielsweise in einem Farbklecks. Sie vergrößert ihn ins nahezu Unendliche und nimmt ihn als Vorlage für eine Skulptur. Welche beeindruckenden Formen dabei entstehen, ist in der Ausstellung „Kunst Jetzt!“ anlässlich der Verleihung des Ida-Gerhardi-Förderpreises 2016 zu sehen. Die Ausstellung wird mit der Preisverleihung am Freitag, 18. November, 19.30 Uhr in der Städtischen Galerie eröffnet.

Sie zeigt Werke der zehn Bewerberinnen und Bewerber um den Ida-Gerhardi-Preis. Der Preis wird in diesem Jahr zum 15. Mal von der Sparkasse Lüdenscheid ausgelobt. Er ist mit 5000 Euro dotiert. Dazu kommen 3000 Euro Produktionskosten für eine Edition, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Lüdenscheid produziert wird.

Aus 100 Bewerbungen ermittelt

Die zehn Kandidaten wurden aus rund 100 Bewerbungen in zwei Jurysitzungen ermittelt. „Keine leichte Sache“, sagt Dr. Susanne Conzen. Die Leiterin der Städtischen Galerie ist Mitglied der fünfköpfigen Jury. Thomas Meermann, Marketingleiter der Sparkasse Lüdenscheid freut sich darüber, welche Strahlkraft der Preis im Laufe der Jahre erreicht hat. „Für die zehn Anwärter auf den Preis ist das eine Art Ritterschlag“, sagt er. Bei einer ersten Besichtigung der Ausstellung zeigte er sich beeindruckt von der Vielfalt der eingereichten Werke.

Trend zur Installation

„Wir sehen ganz klar einen Trend zur Installation“, berichtet Dr. Susanne Conzen. Sie schreibt den Werke, die alle Räume der Galerie füllen, die unterschiedlichsten Eigenschaften zu. Einige Schlagwörter: Spröde, reduziert, poetische und lyrische Ansätze.

Als eher spröde mag der Betrachter die Riesen-Platinen von Philipp Goldbach an der Stirnseite des Forums empfinden. Der Anspruch ist aber umfassend. Tausende in Handarbeit gelötete Dioden signalisieren die Suche des Künstlers nach einer universellen Sprache. Tatsächlich enthalten die vier schweren Platten Texte aus verschiedenen Epochen, die sich mit dem Thema universelle Sprache befassen. „Man könnte sich sogar lesen“, sagt Dr. Susanne Conzen.

Verspielte Textil-Objekte

Verspielt, geradezu comic-haft, präsentiert Kristina Julia Arztmann ihre Installationen im dritten Raum im ersten Obergeschoss. „Sie wollte genau diesen eher spröden Raum belegen“, sagt Dr. Susanne Conzen. Mit ihrer Verknüpfung von Textilien und Gegenständen zu einer skurril erscheinenden Maschine konterkariert die Künstlerin die eher spröde Atmosphäre des Ausstellungsortes.

Laborhaft-skurril: die Installation von Julia Arztmann. Foto: Wolfgang Teipel
Laborhaft-skurril: die Installation von Julia Arztmann. Foto: Wolfgang Teipel

Auch der Blick hinter die Wand lohnt sich. Hier hat die koreanische Künstlerin Ali Hwang die Installation „Magenta“ geschaffen – ein subtiles Spiel aus Licht und Schatten.

Weitere Aussteller sind Julia Arztmann, Andreas Gloel, Daniel Grüttner, Lea Kuhl, Anna Lytton und Eilike Schlenkhoff.

„Kunst Jetzt!“ heißt es in einer Mitteilung der Städtischen Galerie, „Ist Titel und zugleich Motto der Ausstellung. Sie gibt einen Einblick in die große Bandbreite der aktuellen Tendenzen zeitgenössischer Kunst in Nordrhein-Westfalen mit seinen international orientierten Kunsthochschulen.

Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen zeigt eine Installation von Kristina Berning. Foto: Wolfgang Teipel
Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen zeigt eine Installation von Kristina Berning. Foto: Wolfgang Teipel

Die zehn unterschiedlichen Positionen zeitgenössischer Kunst bedeuteten zehn verschiedene Arten, sich die Welt und die Realität ästhetisch anzueignen. „Die Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit alltäglichen Erfahrungen auseinander, lassen diese auf sich wirken und überführen sie in einen völlig neuen Zusammenhang: Man könnte auch sagen, in einen neuen „Raum“ in der bildenden Kunst.“

Der Preis ist nach der Malerin Ida Gerhardi (1862 – 1927) benannt. Sie war für die westfälische Region eine Pionierin der Malerei und eine wichtige Mittlerin zwischen der französischen und deutschen Kunst. Sie selbst bezeichnete sich als „Impressionistin“ und unterstrich damit ihre Modernität.

Ida Gerhardi: 1891 begann sie in Paris Kunst zu studieren und arbeitete dann dort mehr als zwanzig Jahre. In ihren psychologisch fein gezeichneten Porträts übersetzte sie ihre Eindrücke unmittelbar in Farbe. Eine schwere Krankheit veranlasste sie, ihre künstlerische Arbeit zu unterbrechen und nach Lüdenscheid über zu siedeln. Hier starb sie 1927.

Moderne Malerei im ersten Ausstellungsraum. Foto: Wolfgang Teipel
Moderne Malerei im ersten Ausstellungsraum. Foto: Wolfgang Teipel

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