Manfred Kunkel, Rolf Bräucker und Matthias Wagner führten Annelie Buntenbach (3. von links) durch die Ge-Denk-Zellen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Düsseldorf, Dortmund, Lüdenscheid – drei Tage volles Programm für Annelie Buntenbach. In Lüdenscheid wurde die Zeit für die Frau, die Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist, schon knapp. Dennoch: Den Besuch der Ge-Denk-Zellen im Alten Rathaus wollte sie sich nicht entgehen lassen. Das Engagement gegen Rassismus und Totaliarismus besitzt für die Bielefelder Bundestagsabgeordnete einen hohen Stellenwert. Matthias Wagner, Rolf Bräucker und Manfred Kunkel vom Verein Ge-Denk-Zellen führten die Gewerkschafterin durch die ehemaligen Arrestzellen im Untergeschoss des Alten Rathauses.

Ausstellung erinnert an Nazi-Opfer

Die Ausstellung in diesen Räumen soll an Lüdenscheider Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Matthias Wagner berichtete beispielhaft vom Schicksal einer jungen Frau, die Opfer des Euthanasie-Programms der Nazis wurde und an Karl Klauke, der eine Wohnung an einen Juden vermietet hatte und heimlich sogenannte Feindsender hörte. Klauke war von seinem Schwiegersohn, einem SA-Mann, denunziert worden.

Annelie Buntenbach lobte das Engagement des Ge-Denk-Zellen-Vereins. „Die Erinnerung an die schreckliche Zeit muss wachgehalten werden. Dafür setzen Sie sich ein“, sagte sie.

Spaltung der Gesellschaft verhindern

Zuvor hatte sie zusammen mit Bürgermeister Dieter Dzewas, Michael Hermund (DGB), Karin Käppel (Agentur für Arbeit) und Thomas Cordt (Leiter Johannes-Busch-Haus) Bilanz ihres Besuchs in Lüdenscheid gezogen. Dabei ging es um Aufgaben, die bei der Integration von Flüchtlingen auf die Gesellschaft zukommen und um die Frage, wie eine drohende Spaltung der Gesellschaft verhindert werden kann. „Wir müssen vermeide, dass die verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt werden“, forderte Dieter Dzewas. Der DGB müsse verhindern, dass Flüchtlinge zu Dumpinglöhnen beschäftigt würden. Die in Betracht gezogene Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge sei unhaltbar.

Einblick im Pilotprojekt des Kunststoff-Instituts

„Die Integration in gute Ausbildung und Arbeit ist uns als DGB besonders wichtig“, betonte Annelie Buntenbach. Die Lüdenscheider Beispiele machten Mut. Im Kunststoffinstitut hatte sich die DGB-Frau über ein Pilotprojekt informiert, bei dem junge Geflüchtete sprachlich und handwerklich auf ein Praktikum in kunststoffverarbeitenden Betrieben vorbereitet werden. Bei der VHS hatte sie Einblick in die Arbeit der Sprachkurse erhalten. Das alles wertete sie als positive Impulse.

Mit Bürgermeister Dieter Dzewas war sie sich einig, dass bürokratische Hemmnisse abgebaut werden müssten und dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylanträge zügiger bearbeiten müsse. „Noch immer kommen mehr Anträge rein, als bearbeitet werden. Der Berg wächst immer noch“, kritisierte Annelie Buntenbach.

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