Deutsch-israelischer Austausch in Halver unter der Leitung von Andrea Reich und Beate Turck. Ein schöner gemeinsamer Grillabend bildete den Einstieg in zehn spannende Tage mit einem vollen Kulturprogramm. Fotos: Iris Kannenberg

Halver.Lüdenscheid. Sehr fröhlich ging es am Dienstagabend im Bürgerhaus Halver Oberbrügge zu. 18 junge Israelis feierten mit den anwesenden Gastfamilien, ihrer Managerin Gazit Yarden-Sela, die aus Israel mit angereist ist sowie den Hauptverantwortlichen des deutsch-israelischen Austausches in Halver, Andrea Reich und Beate Turck ausgelassen ihre Ankunft in Deutschland.

Grillabend im Oberbrügger Bürgerhaus

Auch die Gastfamilien waren dabei.
Auch die Gastfamilien waren dabei.

Es wurde gegrillt, was das Zeug hält. Zudem war ein Büffet aus „Mitgebrachtem“ zu plündern, das am Ende des Abends wirklich außer ein paar einsamen Möhrenschnipseln komplett abgeräumt war. Kein Wunder, 18 junge Israelis im Alter zwischen 14 und 18 Jahren und fast ebenso viele deutsche Jugendliche, bringen eben viel Hunger mit. Man ist schließlich noch im Wachstum und stillsitzen kann man auch nur schlecht. Und wer sich viel bewegt, der darf auch viel essen.

Green, clean and calm

Andrea Reich (links) und Beate Turck. Die beiden leiten den Austausch hauptverantwortlich.
Andrea Reich (links) und Beate Turck. Die beiden leiten den Austausch hauptverantwortlich.

Die jungen Leute hatten an der gemeinsamen Mahlzeit viel Spaß und zeigten danach, dass sie nicht umsonst zu einer von Israels berühmtesten Tanzformationen gehören.

Sie gaben spontan im Bürgerhaus eine eindrucksvolle Tanzeinlage, die später zur Freude aller in israelischen Spielen endete, mit denen die deutschen Jugendlichen jetzt die Kulturlandschaft in Halver und Umgebung bereichern dürfen. Nach ihren ersten ersten Eindrücken von Deutschland gefragt, antworten die Israelis einstimmig: Green, clean and calm, also grün, sauber und leise. Das Sauerland mit den vielen Bäumen und Flüssen hat es ihnen, den (fast) Wüstenbewohnern, deutlich angetan.

Hora Aviv Pardess Hanna Karkur

Spontane Tanzeinlage im Bürgerhaus. Leben pur in Halver.
Spontane Tanzeinlage im Bürgerhaus. Leben pur in Halver.

Die jungen Leute bilden alle zusammen die Tanzgruppe „Hora Aviv Pardess Hanna Karkur“. Und die hat es in sich. Wer israelische Lebensfreude einmal pur erleben will, sollte diese Gruppe auf keinen Fall verpassen. Sie tritt am 17. August um 19 Uhr in der Aula des Anne Frank Gymnasiums in Halver auf.

Bis dahin absolviert die Gruppe ein strammes Sight-Seeing-Programm, das sie einmal quer durch die Republik führt. Und dabei sehr abwechslungsreich ist. Es geht sowohl nach Haribo in Bonn, als auch in die Kultusgemeinde nach Köln. Sie werden das ehemalige KZ Bergen-Belsen besuchen und Berlin. Nach diesen zehn Tagen, die sie gemeinsam mit deutschen Jugendlichen verbringen werden, werden sie sicher einen umfassenden Eindruck von Deutschland gewonnen haben.

Keinerlei Berührungsängste

Es sind auch viele deustche Jugendliche dabei, die die Gruppe begleitet und ihnen zur Seite steht. Berührungsängste gibt es absolut keine und von keiner Seite
Es sind auch viele deutsche Jugendliche dabei, die die Gruppe begleiten und ihnen zur Seite stehen. Berührungsängste gibt es absolut keine.

Was an diesem Abend sofort auffällt: Es gibt keinerlei Berührungsängste zwischen den anwesenden Deutschen und den Israelis. Bei den Jugendlichen muss man tatsächlich nachfragen, wer zu welchem Land gehört, da die jungen Leute alle zusammen eine sehr homogene Gruppe bilden, die sich bestens versteht.

Englisch sprechen sie eh alle und ist die Sprache, die an diesem Abend verbindet. Aber zwei der Israelis zählen bereits sehr eindrucksvoll auf deutsch bis 10 und „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ können sie ohnehin schon alle.

Austausch im Wechsel

Gute Gemeinschaft. Die Sprache ist Englisch, die können alle.
Gute Gemeinschaft. Die Sprache ist Englisch, die können alle.

Andrea Reich ist spürbar glücklich, alle ihre Lieben wieder einmal um sich herum zu haben. Die Gastfamilien und sie sind eh ein Herz und eine Seele, einige von ihnen nehmen schon seit 20 Jahren an dem Austausch teil und pflegen mittlerweile die besten Beziehungen nach Israel.

Aber Andrea und Beate sind einfach auch mit einem Engagement bei der Sache, das weit über das normale hinaus geht. Beide waren schon oft in Israel, privat, aber auch, weil der Austausch im Wechsel stattfindet. Einmal kommen junge Israelis nach Deutschland, einmal fliegen junge Deutsche nach Israel. Andrea lernt mittlerweile auch Hebräisch und spricht die Sprache bereits beachtlich gut.

Tiefe Freundschaften

Was sie und die vielen Helfer um sie herum für die Beziehung zwischen Israel und Deutschland tatsächlich tun, ist kaum hoch genug zu bewerten. Menschen, wie ihnen ist es zu verdanken, dass die Worte „Holocaust“ und „Shoah“ nicht mehr allein dafür stehen, was Israel mit Deutschland verbindet. Nein, durch den Einsatz solcher engagierter Menschen sind auf den Trümmern einer Beziehung, von der man dachte, dass sie nie wieder Heilung erfahren würde, tiefe Freundschaften entstanden. Die umsomehr halten, weil sie geprägt sind von gegenseitigem Respekt und dem unbedingten Willen, Vergangenes zu verarbeiten und etwas ganz Neues, Gutes daraus zu machen.

Fundament der Freundschaft

Sie passten gemeinsam auf, dass alle sich sicher fühlten.
Sie passten gemeinsam auf, dass alle sich sicher fühlen konnten.

Wenn man mit dieser Gruppe einen Abend verbracht hat, weiß man als Außenstehender: Da geht was. Da ist etwas ungewöhnliches im Gange, etwas, das zukunftsträchtig ist, weil es auf einem Fundament der Freundschaft steht, das so schnell niemand wieder zerstören kann.

Überall in Deutschland gibt es Menschen wie Andrea Reich und ihre Truppe, die sich aktiv um Freundschaft mit Israel bemühen. Und was einem Wunder gleicht: Israel ist trotz der verheerenden Vergangenheit beider Völker bereit und willens diese Freundschaft ebenfalls zu pflegen. Ohne wenn und aber.

Den jungen Leuten und ihren Betreuern kann man daher nur wünschen, dass sie unser Land nach zehn Tagen Aufenthalt so positiv und begeistert verlassen, wie sie bereits hier angekommen sind. Und zu „grün, sauber und ruhig“ die Adjektive „schön, freundlich und aufgeschlossen“ hinzukommen.

Wer sie live und in „Action“ sehen will: Am 17. August lädt „Hora Aviv Pardess Hanna Karkur“ zu einem feurigen Tanzabend in die Aula des Anne-Frank-Gymnasiums ab 19 Uhr alle Israel-Fans (und solche, die es noch werden wollen) herzlich ein.

Hora Aviv Pardess Hanna Karkur zeigt hohe Tanzkunst

 

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