Ca. 200 Lüdenscheider nahmen an der Kundgebung gegen Rechtspopulismus auf dem Lüdenscheider Sternplatz teil. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Tlako Mokgadi, der für das musikalische Rahmenprogramm zuständig war, brachte es an diesem Mittwochnachmittag auf dem Lüdenscheider Sternplatz auf den Punkt: „Demokratie ist das höchste Gut, das wir haben in diesem Land. Die ganze Welt schaut nach Deutschland und sehnt sich nach ähnlich hohen Standards in Bezug auf Meinungsfreiheit und Menschenwürde. Wir müssen dafür einstehen, dafür kämpfen, dass unsere Demokratie bewahrt bleibt, dass sie uns nicht von Menschen aus der Hand genommen wird, die sie peu á peu für ihre eigenen Interessen opfern und demontieren. Demokratie fällt uns nicht einfach zu, wir müssen um sie kämpfen.“

Auch Fabian Ferber wandte sich als Vertreter der IG Metall in einem mitreißenden Plädoyer für die persönliche Freiheit und mit dem Aufruf, Widerstand zu leisten gegen die vielen Versuche, unser Grundgesetz zu demontieren, an die Anwesenden.

Stellung beziehen gegen Rechts

Superintendent Klaus Majoress mahnt zur Wachsamkeit.

Rund 200 Teilnehmer waren erschienen, um öffentlich und für alle sichtbar, Stellung zu beziehen gegen den zunehmenden Rechtspopulismus in Europa, der sich nicht nur in Nachbarländern wie Frankreich, Ungarn und den Niederlanden breit macht, sondern auch in unsere Parteienlandschaft Einzug hält.

Neben Superintendent Klaus Majoress sprachen Pfarrerin Monika-Deitenbeck-Goseberg, Pfarrer Andreas Rose von der St. Medardus-Kirche, Bernd Schildknecht vom DGB, die Verdi-Vertreterin Ingrid Remmers, Stefan Schick vom Stadtjugendring und Fabian Ferber für die IG Metall, über den Wert der Demokratie und ihre Sorge, dass das Europa, wie wir es kennen, erste Risse zeigt.

Risse, die stetig erweitert werden durch diejenigen, die weder Freiheit noch den langen Frieden zu schätzen wissen, dem Europa seine Stellung in der Welt verdankt. Einmalig sei dieser Frieden, erhaltens- und beschützenswert und nun das erste Mal seit 70 Jahren durch rechte Kräfte nicht von außen, sondern aus dem Inneren Europas, in Gefahr. Alle waren sich in ihrer Botschaft einig, dass Hass und Niedertracht nur durch ein gemeinsames Eintreten für die Demokratie begegnet werden können.

Gemeinsam ein Zeichen setzen

Sie waren gekommen, um ein Zeichen für Demokratie zu setzen.

Gemeinsam wolle man ein Zeichen setzen, in der Hoffnung, das dieses sich ausbreitet wie ein Strohfeuer und zu einer nachhaltigen Veränderung in einer Gesellschaft führt, die nach und nach vergisst, mit welch hohem Preis diese Demokratie erkauft wurde. Nämlich auch mit den 56 Millionenen Toten, die allein der zweite Weltkrieg an Opfern gefordert hat.

Es wurde noch einmal ausdrücklich an diejenigen erinnert, die das sogeannte „Dritte Reich“ noch hautnah erlebt haben und durch ihren Widerstand erst so etwas wie ein vereintes Europa möglich gemacht haben.

Eine Heimat ohne demokratische Rechte

Eindrucksvoll gab zu diesem Thema der erst 23 jährige „Fisha“, Flüchtling aus Eritrea und seit 15 Monaten in Lüdenscheid, sein Zeugnis: „Ich habe aus einer Diktatur mein Heimweh nach meiner Familie und meiner Kultur, meinen Glauben sowie schöne und schlimme Erinnerungen mitgebracht und hoffe hier in Deutschland auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit“.

Seine bewegende Aussage unterstrich er mit dem erklärten Willen, Demokratie ebenso von den Deutschen zu erlernen wie gegenseitigen Respekt und die Achtung voreinander. Er erzählte von der Willkür und dem menschenverachtenden Zwang, dem er in Eriträa ausgeliefert war und der schließlich dazu führte, dass er sein Heimatland verlassen musste.

Grenzen sprengen

Tlako Mokgadi gestaltete das musikalische Rahmenprogramm.

Überhaupt war es eines der großen Themen dieses Nachmittags, dass Menschen aus anderen Kulturen, die hier  Aufnahme gefunden haben, deutlich machten, welchen Schatz Deutschland an seiner Verfassung und seiner freiheitlich-demokratischen Grundordnung besitzt.

Herzbewegend auch die Musik von Tlako Mokgadi und seiner Frau Ulrike Wagner, die von Brecht über Hans Eisler bis hin zu Bob Marley reichte. Und die Mahnung des Musikers, sich nicht in der eigenen Sichtweise Grenzen setzen zu lassen, sondern diese Grenzen immer wieder zu sprengen. Durch die Liebe zu den Menschen, zur Freiheit und mit dem unbedingten Willen, dafür einzutreten.

Großer Wunsch: Frieden

Gewerkschafter Fabian Ferber sprach mitreißend über Menschenwürde.

Pfarrer Holger Reinhardt spielte auf seiner Trompete die Europahymne. Sie mündete in lang anhaltenden Applaus.

Zum Abschluss der Veranstaltung forderte Monika Deitenbeck-Gosenberg die Anwesenden auf, dem jeweiligen Nachbarn auf dem Platz per Handschlag Frieden zu wünschen, was die ganze Kundgebung in einem fröhlichen und hoffnungsvollen Happening enden ließ. Viele blieben noch zu Gesprächen oder gingen gemeinsam etwas trinken, um das Gehörte noch einmal für sich zu verarbeiten.

Eine beeindruckende Veranstaltung, die in ihrer Klarheit und dem gemeinsamen Willen, der vielen auf dem Platz versammelten Menschen, für Freiheit und Frieden einzutreten, ihres Gleichen sucht. Im September geht es weiter. Dann heißt es kurz vor den Bundestagswahlen ein zweites Mal: Geht zu den Wahlen, nehmt eure demokratischen Rechte war, steht ein für Demokratie und Freiheit. In Deutschland und für Europa.

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