Ohne Yoko, hier beim WELCOME-FESTIVAL auf dem Sternplatz. Foto: Kannenberg Design & Kommunikation

Lüdenscheid. Am 17.Oktober ab 17 Uhr fand – bei schon winterlichen Temperaturen – das WELCOME-Festival auf dem Sternplatz in Lüdenscheid statt. Inhalt und Intention des Festivals: Man wollte die Lüdenscheider Flüchtlinge und die vielen Helfer, die sich derzeit um sie kümmern, unterstützen, ihnen ein Dankeschön aussprechen und noch einmal auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen.

Viele Künstler traten auf dem Sternplatz auf

"Prinz Charming" eins und zwei: Christian und Erkan von "Breddermann".
„Prinz Charming“ eins und zwei: Christian und Erkan von „Breddermann“.

Dazu hatten die drei Organisatoren Felix Krömerm, Felix Dohrmann und Patrick Gerhardt eine Bühne auf dem Sternplatz aufgebauen lassen. Zudem gab es einen Stand mit Essen und Getränken.

Um die Künstler zu organisieren, hatten die drei sich die Sängerin Julia Späinghaus mit ins Boot geholt. Eine Aufgabe, die sie zumindest auch professionell und engagiert umgesetzt hat.

 

Flagge zeigen

Eine Band für einen Abend und den guten Zweck: Axel Reichard, Julia Späinghaus, Ulli Kuhn, Björn Bergs und Max Jalaly, alles Vollblutmusiker und Teil der Lüdenscheider Musikszene.
Eine Band für einen Abend und den guten Zweck: Axel Reichard, Julia Späinghaus, Ulli Kuhn, Björn Bergs, Lukas Daum und Max Jalaly, alles Vollblutmusiker und Teil der Lüdenscheider Musikszene.

Neben dem Duo „Breddermann“, bestehend aus Christian Breddermann und Erkan Bersiglioglu, die den „Opener“ der Veranstaltung machten, traten bekannte Lüdenscheider Künstler wie Björn Bergs, Ulli Kuhn, Axel Reichard, Max Jalaly, Lukas Daum und die Power-Band „Ohne Yoko“ auf, die jeder für sich musikalisch alles gaben und trotz der Kälte und dementsprechend eingefrorener Finger und Füße die Bühne rockten bzw. „jazzten“ und „gospelten“.

Allen Künstlern war es wichtig, persönlich etwas für Helfer und Flüchtlinge zu tun und „Flagge zu zeigen“.

Grußwort durch den Bürgermeister

Sabine Langenbach von Radio MK und der stellvertretende Bürgermeister von Lüdenscheid, Björn Weiß.
Sabine Langenbach von Radio MK und der stellvertretende Bürgermeister von Lüdenscheid, Björn Weiß.

Moderiert wurde das ganze von Sabine Langenbach von Radio MK, einer guten Moderatorin, die nicht nur viele wirklich warme und einladende Worte fand, sondern die zudem auch den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Lüdenscheid Björn Weiß zu einem Grußwort auf die Bühne holte.

Auch der Landtagsabgeordnete Gordon Dudas war vor Ort, zusammen mit vielen anderen Lüdenscheider Bürgern, die sich zahlreich auf dem Sternplatz einfanden.

Sichtbare Freude unter den Flüchtlingen

Die Flüchtlinge selbst wurden in Begleitung der Polizei, die aus naheliegenden Gründen an diesem Nachmittag und Abend Päsenz zeigte, auf den Sternplatz gefahren. Und obwohl die meisten von ihnen sicherlich nicht mit dieser Kälte gerechnet hatten und dementsprechend froren, waren nicht nur viele von ihnen der Einladung gefolgt, sondern sie feierten auch stundenlang mit sichtbarer Freude „ihr Fest“.

Dieser junge Afghane, seit vier Monaten in Lüdenscheid, stellte sich spontan auf die Bühne und sang Lieder aus seiner Heimat.
Dieser junge Afghane, seit vier Monaten in Lüdenscheid, stellte sich spontan auf die Bühne und sang Lieder aus seiner Heimat.

Berührend, als ein junger Afghane spontan mit seiner Gitarre die Bühne betrat und ungeplant einige Songs aus seiner Heimat sang.

Ebenso ungeplant war der Auftritt einer jungen Flüchtlingsfrau, die zu orientalischen Rhythmen vor dem Publikum tanzte.

Power-Pakete: „Ohne Yoko“ rockte den Platz

Die Mädels von "Ohne Yoko". Bei ihnen ging die Post ab!
Die Mädels von „Ohne Yoko“. Bei ihrem Auftritt ging die Post ab!

Zum Schluss traten „Ohne Yoko“ mit ihren beiden „Powerpaketen“ und Sängerinnen Nicole und Patrizia auf, die den Sternplatz augenblicklich um gefühlte 30 Grad wärmer machten und viele Besucher gemeinsam mit den Flüchtlingen ausgelassen vor der Bühne tanzen ließen.

Technik kam nicht in die Gänge

Sabina Langenbach interviewt Christian Breddermann und Julia Späinghaus.
Sabina Langenbach interviewt während einer technischen Zwangspause Christian Breddermann und Julia Späinghaus.

Leider fehlte dem Festival an sich einiges an Organisation. So waren die Künstler durch Julia Späinghaus gut ausgewählt und voll besten Willens, jedoch haperte es vom ersten Moment an an einer funktionierenden Peripherie.

So kam die Technik nicht in die Gänge, so dass z.B. „Breddermann“ ohne Souncheck auf die Bühne musste und ob der langen Verzögerung durch nicht funktionierende Technik und Wegbleiben des Stroms, lediglich vier Lieder spielen konnte. Das war nicht nur für die vielen anwesenden „Breddermann“-Fans mehr als schade!

Organisation hätte durchdachter sein können

Der Sternplatz wird voll: Die Flüchtlinge kommen an.
Der Sternplatz wird voll: Die Flüchtlinge kommen an.

Dieses Dilemma zog sich dann durch den ganzen Abend, was zu Verzögerungen und dem eine oder anderen Fragezeichen über den Köpfen der Musiker führte.

Zudem gab es für die Künstler weder einen Platz zum Aufwärmen, noch einen Ort, wo man sich hätte ungestört besprechen können. Auch für die Gäste war das Angebot um die Bühne herum eher mau, so gab es z.B. keine Sitzplätze für die vielen älteren Besucher und die vielen Kinder.

Dem Rahmenprogramm und seinen Sprechern fehlten zudem die Dolmetscher, so dass von der Rede des Bürgermeisters nicht viel bei den Flüchtlingen ankam. Auch Toiletten suchte man vergebens, was dazu führte, dass ganze Gruppen von Flüchtlingen durchs Sterncenter irrten und dort nach Hilfe suchten.

Die Kälte machte allen zu schaffen

Darüber freute man sich an diesem kalten Tag: Karos heiße Suppen waren ebenso heiß begehrt.
Darüber freute man sich an diesem kalten Tag: Karos heiße Suppen waren ebenso heiß begehrt.

Man war als Gast mehr als froh über die heiße Suppe, die vom Kunst & Musik Café gesponsort wurde und den heißen Punsch, den man am „Versorgungstresen“ kaufen konnte. Auch hier war das Angebot eher spärlich, was viele Besucher dazu veranlasste, ihre Getränke in den nahegelegenen Geschäften zu kaufen.
Geld, das man – mit ein wenig mehr Planung – durchaus auch als Festival-Initiatoren hätte verdienen können.

Und zudem: Von den Helfern, die man ja eigentlich ehren wollte, waren viele nicht einmal darüber informiert worden, dass es ein Fest für sie gab.

Was schade war, weil besonders die Helfer der Johanniter, des THW und der vielen Verbände und Kirchen, die sich aktiv an der Flüchtlingshilfe beteiligen, sich sicher sehr über diese Aktion und eine Einladung gefreut hätten.

So waren bei diesem Event lediglich einige der Malteser und des DRK als Begleitpersonal anwesend. Und natürlich die Beamten der Polizei, die an diesem Abend einen wirklich guten Job versahen.

Gut Ding will Weile haben

Knuddeln hält warm: Nicole und Patrizia von "Ohne Yoko", im Hintergrund der Literat Christian Michael Donat.
Knuddeln hält warm: Nicole und Patrizia von „Ohne Yoko“, im Hintergrund (zweiter von links) der Literat Christian Michael Donat.

Alles in allem: Das WELCOME-Festival hatte eine gute Absicht, die sicher einen noch größeren Erfolg gehabt hätte, wenn man sich entsprechend länger die Zeit genommen hätte, das ganze richtig zu organisieren.

Gut Ding will eben doch Weile haben, wenn man es zu einem echten Erfolg machen will. Wunderbar sicher der Einsatz der vielen Künstler, der ehrenamtlichen Helfer, die die Flüchtlinge in die Stadt gebracht hatten und überhaupt aller, die sich für diesen Abend eingesetzt haben. Gut auch der Gedanken dahinter. Die Umsetzung dagegen leider eher unbeholfen.

Für die Flüchtlinge ein unvergesslicher Abend

Sie feierten ausgelassen: Den Flüchtlingen gefiel das Fest sehr.
Sie feierten ausgelassen: Den Flüchtlingen gefiel das Fest sehr.

Alles in allem hatten aber alle ihren Spaß und für viele Flüchtlinge wird dieser Abend sicher unvergesslich bleiben, schon deshalb, weil er eine willkommene Abwechslung zu einem sorgenbelasteten Alltag darstellte und man ihnen für ein paar Stunden einen ganz normalen, fröhlichen Rahmen bot, wo sie einfach Menschen sein durften, die mit anderen Menschen feiern und sich freuen.

Dafür allein hat sich dieser Abend gelohnt. Perfektion wird ja auch definitiv überbewertet …;-)

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2 KOMMENTARE

  1. Auch wenn alles nicht sooooooo perfekt war, es ging darum den Flüchtlingen zu zeigen, dass eine Menge Leute hinten ihnen stehen, und ihnen so gut es geht gerne helfen, ihr trübes Dasein in den Auffanglokalitäten aufzuhellen. Es gibt für sie eine Zukunft hier, in ein paar Jahren wird nicht mehr davon geredet !

  2. Liebe “ Tach „. Habt ihr nix aktuelles ? Oder fragt die Bürger, die im Oktober dabei waren, ob sie heute auch noch so denken ! “ Welcome “ ???

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