Ausnahmen bestätigen die Regel. Sicher gibt es auch gut besuchte Events in der Bergstadt. Aber leider eben auch zahlreiche negativbeispiele.

Ein Kommentar von Sven Parnemann

Lüdenscheid. Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so wie das Lüdenscheider Nachtleben. Und das schon seit Jahren. Auf der einen Seite verlangen die Menschen in der Bergstadt mehr Abwechslung. Auf der anderen Seite stehen Veranstalter und Clubbetreiber, die mit immer weniger Besuchern einen immer größeren Kostenapparat in Bewegung halten müssen. Stoff für zahlreiche Diskussionen. Doch am Ende hat jeder Lüdenscheider es selbst in der Hand ein qualitativ hochwertiges Angebot im Lüdenscheider Nachtleben zu erhalten.

Sicher wird dieser Artikel nicht bei jedem Leser auf Zustimmung stoßen. Denn es gibt für den ein oder anderen immer einen Grund um Dinge in ein negatives Licht zu rücken. Doch es gibt in Lüdenscheid auch Menschen, die sehen eben nicht alles negativ. Man mag ihnen den Blick durch eine rosarote Brille vorwerfen, aber am Ende sind es meist auch diese Menschen, die zur positiven Veränderung unserer Stadt beitragen. Und das trifft eben auch auf das Lüdenscheider Nachtleben zu.

Das Angebot an Diskotheken und Gastronomie ist in Lüdenscheid weitaus größer als in anderen Städten vergleichbarer Größe. So gibt es in Lüdenscheid und den Städten mit einer direkten Grenze zu Lüdenscheid fast 200 gastronomische Betriebe. Dazu zählen Cafés, Restaurants, Gaststätten und auch Diskotheken. Und grade letztere ballen sich in Lüdenscheid. Zählt man alle Diskotheken in der Bergstadt zusammen kommt man auf die stolze Summe von sieben. Sieben Clubs in einer Stadt mit etwas mehr als 70.000 Einwohnern. Eine Menge. Und davon ist aktuell nur eine Location geschlossen. Hinzu kommen Bars und Gaststätten mit regelmäßigen Veranstaltungen und auch Groß- und Open-Air Events. Im Grunde ein stolzes Angebot.

Und dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die ein besseres Angebot in der Stadt fordern. Die einen sehen die Stadt in der Pflicht. Getreu dem Motto: „in anderen Städten funktioniert XY doch auch, aber Lüdenscheid bekommt das nicht hin!“ Meistens wissen diese Leute aber nicht, dass es nicht die Stadt ist die Veranstaltungen durchführt, sondern hinter jeder Veranstaltung in der Regel ein Veranstalter steht der das hohe Risiko auf sich nimmt und eine Veranstaltung in Lüdenscheid durchführt. Doch nicht nur in Sachen Großveranstaltung wird „mehr“ gefordert. Auch von der Clublandschaft wird ein immer besseres Angebot verlangt. Warum auch nicht. Wenn ich am Wochenende ausgehe, will ich natürlich auch, dass mein Kurzurlaub vom Alltag mir eine gewisse Abwechslung beschert. Völlig berechtigt. Und natürlich sind hier die Clubbetreiber der Stadt in der Pflicht.

Doch was viele auch hierbei vergessen: Das kostet alles Geld. Der Betrieb eines Clubs oder die Durchführung eines Großevents ist immer mit enormen Kosten verbunden. Kosten für Technik, für Genehmigungen, Personal, Miete, Musikrechte (GEMA), Sky-Lizenzen und so weiter und sofort. Grade Künstlergagen sind ein beträchtlicher Batzen auf dieser Liste. Oft werden diese nämlich im Voraus fällig und liegen nicht selten im hohen vierstelligen oder fünfstelligen Bereich. Das natürlich bei Top-Künstlern die man aus TV und Radio kennt. Denn man will seinen Besuchern ja was bieten. Der Haken an der Sache: Der Veranstalter hat bis zu diesem Punkt noch nicht einen Cent verdient. Und wer weiß, ob er das überhaupt wird.

Denn das größte Problem des Lüdenscheider Nachtlebens sind eben genau die Leute, die ein immer besseres Angebot fordern, es dann aber nicht nutzen. Nein, man bleibt dann doch lieber Zuhause oder macht sich auf den Weg ins Ruhrgebiet oder andere Regionen. Denn da ist ja wenigstens was los. Dass damit aber ein Bumerang in die Gegend geworfen wird, der am Ende wieder jeden einzelnen selbst trifft, sehen die meisten Leute nicht. Denn wenn zu den Veranstaltungen in unserer Stadt niemand hingeht, weil sie schon im Vorfeld kaputtgenörgelt wurden, dann wird es irgendwann gar nichts mehr geben. Keine Großevents, keine Clubs. Denn dann sind solche Dinge einfach nicht mehr zu finanzieren. Und genau das ist zum Teil schon der Fall. Denn wie oft habt ihr Freitag oder Samstagsnacht in der Stadt gestanden und euch gefragt „und was jetzt?“ Tja, alles war zu, woll? Kein Wunder. Wenn niemand da ist, warum soll ein Wirt in der Oberstadt dann sein Lokal geöffnet lassen? Wenn direkt nach dem Konzert alle Gäste fluchtartig das Lokal verlassen, warum soll man dann weiterhin geöffnet lassen bis spät in die Nacht? Damit irgendwann mal ein einsames Pärchen den Weg an die Theke findet? Warum soll ich mit meiner super Idee für ein Hippes Szene-Lokal in Lüdenscheid bleiben wenn ich doch sehe, dass selbst vorhandene Wirte jeden Monat bangen müssen ob denn genug Leute kommen? Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Auf der einen Seite werden immer bessere Angebote gefordert, auf der anderen Seite werden neue oder vorhandene Angebote aber nicht angenommen. Wie sollen bessere Angebote also finanziert werden?

Gott sei Dank gibt es aber nicht nur Verweigerer. Sondern es gibt auch die Macher. Die Macher, die sich aus einer jammernden Masse erheben und sich trauen etwas zu bewegen. Die Stadt nach vorne zu bringen. Mit neuen Ideen, mit neuen Konzepten und einer gehörigen Portion Mut. Und jeder, der möchte, dass unsere Stadt besser wird sollte es diesen Machern entweder gleich tun oder zumindest die neuen und vorhandenen Angebote nutzen und bei Gefallen weiterempfehlen. Wenn jeder, der am Wochenende ausgeht es schafft, nur einen Freund oder eine Freundin dazu zu animieren mitzugehen ist das schon eine ganze Menge an Personen die die gastronomischen Angebote der Stadt nutzen. Eine Menge, die die „Macher“ in dieser Stadt auch dringend benötigen.

Und das alles lässt sich ähnlich auch auf den Einzelhandel in unserer Stadt übertragen. Denn natürlich kann ich mich darüber beschweren, dass das Angebot an gutem Einzelhandel stetig abnimmt. Aber wenn ich meinen Bedarf an Elektrogeräten, Kleidung und anderen Dingen im Internet stille darf ich mich nicht wundern, dass in der Wilhelmstraße, der Knapper Straße oder in der Oberstadt immer mehr Leerstand zu beklagen ist oder „Billigläden“ Einzug erhalten an Stellen, die einst als 1A Lage deklariert wurden.

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Ich habe im obigen Text oft gesagt „unsere Stadt“. Machen Sie es sich bewusst: das hier ist unsere Stadt. Und unsere Stadt kann nur so gut sein, wie wir selbst es zulassen. Wenn uns unsere Stadt egal ist oder wir uns nur darauf konzentrieren Missstände in sozialen Netzwerken zu beklagen dann dürfen wir uns nicht wundern, dass immer mehr Menschen wegziehen, sich Leerstände häufen und am Ende das Angebot, egal ob im Einzelhandel, der Gastronomie oder bei Veranstaltungen immer weiter in den Keller geht.

Es gibt aber natürlich auch positive Beispiele. Gut besuchte Events oder Gastrobetriebe. Dazu nur: Gut so. Weiter so und mehr davon!

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Ich bin 31 Jahre jung und gehöre zur viel besprochenen Generation Y. Seit 1999 nutze ich digitale Kommunikationswege und seit 2012 bin ich Online-Unternehmer und berate und betreue Unternehmen als Social Media Experte.

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