Martin Naber: Surrounded by death, Öl auf Leinwand, Lithographie, Stahlstich, Sprühlack auf Papier, 70x50cm, 2015

Hagen. Der in Hagen lebende Künstler Martin Naber zeigt mit sechzehn ausgewählten Werken der letzten drei Jahre seine erste Soloausstellung in einem Kunstmuseum. Die im Osthaus Museum vom 16. Dezember bis 21. Januar 2017 präsentierten Collagen üben eine Faszination aus, der sich der Betrachter nicht entziehen kann. Man spürt unmittelbar, dass hier grundlegende Fragen des Menschseins behandelt werden. In den präzise komponierten Bildern werden die Vergänglichkeit aller Gewissheiten und die berührende Verletzlichkeit des Einzelnen offenbar.

Erste Soloausstellung in einem Kunstmuseum

Martin Nabers Collagen lassen Bruchstücke medizinischer, architektonischer, individueller Geschichte aufleuchten – ein Knochenfragment, die Zeichnung eines Kuppelsaals oder ein menschliches Antlitz wird aus seiner bisherigen Ordnung gehoben. Es entsteht eine eigentümliche Spannung, wenn diese gezielt gewählten Segmente aus Lexika, historischen Fotoalben und wissenschaftlichen Schriften plötzlich freigesetzt werden, aufeinander treffen, vor dem Hintergrund einer streng geometrischen Komposition in stumme Dialoge treten. Gesichter schauen hinaus aus dem Bild, manchmal blicken sie auf den Betrachter, als stünde ihm nun die Aufgabe an, ihnen neuen Halt zu geben.

Martin Naber: Senke, Öl auf Leinwand, Kupferstich, Acryl, Sprühlack auf Papier, 100x70cm, 2015
Martin Naber: Senke, Öl auf Leinwand, Kupferstich, Acryl, Sprühlack auf Papier, 100x70cm, 2015

Eigentümliche Spannung

Martin Naber seziert präzise die Versatzstücke, aus denen wir unsere Vorstellung von Identität zusammenfügen. Das
menschliche Antlitz, Chiffre vermeintlicher Individualität, trifft auf Knochen, Organe, Schädel – die äußere Erscheinung der Person wird konfrontiert mit dem Blick auf das Innere. Der Bildgrund wird so zum Denk-Grund für die unausweichlichen Fragen nach dem Ursprung der Dinge und nach der Entstehung von Bedeutung. Der Betrachter kann der Wucht dieser Bildwelten nicht ausweichen.

Wucht der Bildwelten

Martin Naber, geboren 1978, lebt und arbeitet in Hagen. Von 2010 bis 2014 studierte er Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Philosophie an der Fernuniversität Hagen. Er war an zahlreichen Gruppenausstellungen unter anderem in Berlin, Hamburg und Wien beteiligt. „Splitter“ ist seine erste Einzelausstellung in einem Museum.

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