Hofaufsicht Torsten Fuß und Heike Rostek sind auch für Wind und Wetter gerüstet

Altena. (pmk) Kaum dem Burgaufzug entstiegen, können die Gäste tief in das historische Ambiente der Feste eintauchen. Mit Michael Kostal und Beate Frigger sind es insgesamt vier Hofaufsichten, die abwechselnd den Gästen Orientierung geben sollen. „Wer den Aufzug nutzt, erschließt sich die Burg nicht vom unteren Burgtor aus, sondern fällt ja quasi gleich auf den oberen Burghof. In der mittelalterlich gekleideten Magd oder dem gewandeten Knecht finden sie einen Ansprechpartner, der ihnen den Weg zum gewünschten Museumseingang, zum Restaurant oder zur Toilette weist oder ihnen Auskünfte zur Geschichte der Burg zum Grafen von der Mark oder zu besonders sehenswerten Ausstellungsstücken gibt“, macht Museumspädagogin Bernadette Lange deutlich. Dabei legt sie Wert darauf, dass die Kleidung der „Bediensteten des Grafen Dietrich von der Mark“ möglichst authentisch ist.

Mit Anke Adler und Margret Pieper hat sie zwei Schneiderinnen aus Neuenrade gefunden, die nach historischen Vorlagen arbeiten. „Jetzt hatte man ja im Mittelalter keine Schnittmuster. Daher haben wir uns alles von historischen Fundstücken abgeschaut und nachgearbeitet“, erklärt Anke Adler. Margret Pieper ergänzt: „Natürlich mussten wir auch die Größen neu berechnen. Um 1300 waren die Menschen wesentlich kleiner und in der Regel auch nicht so gut genährt, wie heute.“ Normalerweise arbeiten die beiden Schneiderinnen mittelalterliche Kleidung eher per Hand. Da die neuen „Trachten“ der Hofaufsicht jedoch besonders strapazierfähig, maschinenwaschbar und nicht zu teuer sein sollten, wurden sie vorwiegend maschinell gefertigt. Aber im Mittelalter gab es nun mal keine Reißverschlüsse und Knöpfe waren, wenn überhaupt, der Oberschicht vorbehalten. Daher ist jedes Nestelloch, durch das man die Schnürbänder zieht, handgenäht, ebenso einige Ziernähte. „Natürlich konnten wir die Kleidung der Knechte und Mägde auch nicht so bunt und so verspielt verziert fertigen, wie wir das für die der Herrschaft tun“, meint Adler. Damals spiegelte sich der gesellschaftliche Stand noch mehr als heute in der Kleiderordnung wieder. Manche Farben waren nur speziellen Ständen oder Zünften zugeordnet. So durften Mägde oder Knechte kei-ne roten, blauen oder schwarzen Gewänder anziehen. Zudem trugen sie ihre Kleiderstücke vielfach geflickt bis sie auseinander fielen und auch dann noch wurde das Garn ausgetrennt und wiederverwertet.

Daher trägt Heike Rostek ihre neue grüne Haube, die sie als verheiratete Frau ausweist, und ihr Cotehardie – ihr Marktkleid, das im 13 Jahrhundert schon erste Ansätze von Taille zeigt, mit Stolz. Wenn es etwas kälter ist, kann sie sich ein Surkot darüber werfen. Die großen Armlöcher, die sogenannten Höllenfenster, geben, damals zum Unmut der Geistlichkeit Blick, auf die weibliche Taille. Schutz bei Wind und Wetter leistet der Gugel aus Wollstoff, das wohl bekannteste Kleidungsstück des Mittelalters – eine Art Poncho mit Zipfelmütze. Er wurde nach einem Fund aus der Wikingerzeit gefertigt. Erst ab dem 14. Jahrhundert wurde der Gugel auch von Frauen der Oberschicht getragen. Museumsaufseher Torsten Fuß ist glücklich über seine Sommerausstattung: zu der gehört eine leichte Leinenhose, ein einfaches Leinenhemd, das vom Herrn bis zum Knecht jeder trug, sowie eine leichte Kopfbedeckung. Für kühlere Tage hat er aber noch eine Tunika und einen wärmenden Tasselmantel (Tassel = Schnur) aus Kunstpelz. „Echter Pelz kam für uns nicht mal aus historischen Gründen in Frage. Er ist weder zweckdienlich noch tierschutzgerecht“, sagt Bernadette Lange. Abgerundet wird das Outfit durch umgegürtete Ledertaschen mit dem Wappen der Grafen von der Mark. Darin kann die Hofaufsicht ihre Funkgeräte dezent verschwinden lassen. Sie wurden eigens in der Lederwerkstatt von Andreas Blumenthal gefertigt. Wer übrigens Geschmack an mittelalterlichen Gewändern gefunden hat, kann sich von Anke Adler und Margret Pieper in ihrem Neuenrader Laden „An-gret“ beraten lassen.

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