Zahlreiche Halveraner besuchten die Informationsveranstaltung im Kulturbahnhof.

Halver. In Halver leben 171 asylsuchende Menschen in den Aufnahmeeinrichtungen der Stadt, rund 100 allein im Übergangswohnheim am Bahnweg. Etwa 30 davon, so Thomas Gehrung, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, seien abgelehnte Asylbewerber. „Sie belegen Plätze, die wir eigentlich dringend für Neuankömmlinge benötigen“, sagte Thomas Gehring am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung im Kulturbahnhof.

„Was wollen Sie machen, wenn Menschen ihre Identität verweigern?“

Florian Klein vom Malteser Hilfsdienst schilderte das Aufnahmeverfahren An der Susannenhöhe.
Florian Klein vom Malteser Hilfsdienst schilderte das Aufnahmeverfahren An der Susannenhöhe.

Über die Zahlen und sogenannte Abschiebungen herrscht keine Klarheit. Nach Angaben von Achim Schirmer, Fachbereichsleiter Aufenthaltsrecht und Integration beim Märkischen Kreis, leben zurzeit lediglich 151 Asylbewerber in der Stadt im Grünen. Und mit den Abschiebungen, das sei so eine Sache. „Was wollen Sie machen, wenn Menschen ihre Identität verweigern?“, sagte er am Mittwoch. Klar sei allerdings, dass Halver vorläufig keine weiteren Menschen aufnehmen müsse. Der Grund: Kommunen, in denen Notunterkünfte eingerichtet worden seien, blieben bei weiteren Zuweisungen außen vor. Schirmer legte bei dem von der Halveraner Flüchtlingshilfe veranstalteten Abend weitere Zahlen vor. Danach leben in Schalksmühle 165 Asylbewerber, in Kierspe 256, in Meinerzhagen227 und in Lüdenscheid 733.

Äußerst langwierige Verfahren

„Es ist kein Ende in Sicht“ stellte Schirmer fest. Zum Stichtag 18. November zählte seine Behörde 3886 Asylsuchende im Märkischen Kreis (ohne Iserlohn). Am vergangenen Montag waren es bereits 3953. Zudem schilderte er ausführlich das langwierige Verfahren, das Menschen von der Antragsstellung bis zur Anerkennung bzw. Abschiebung durchmachen. Neben der Masse der Bewerber seien es die Zuständigkeiten, die sich auf Bund, Land und die Kreise verteilten, sagte er.

Thomas Gehring: „Zahlen keine Kopf-Pauschalen“

Friedhelm Pawlofsky von der Flüchtlingshilfe warb um Unterstützung.
Friedhelm Pawlofsky von der Flüchtlingshilfe warb um Unterstützung.

Halver wolle an der bisherigen Form der dezentralen Unterbringung festhalten, versicherte Thomas Gehring. Wie lange das noch gelinge, sei allerdings mit Fragezeichen zu versehen. Neben der Einrichtung habe sich inzwischen ein Mietshaus am Kirchlöher Weg zum Schwerpunkt entwickelt. Es sei der Stadt zur Unterbringung von Asylbewerbern überlassen worden. Gehring nutzte den Abend, um klarzustellen, dass die Stadt für die Unterbringung die ortsübliche Miete zahle. „Es gibt keine Kopf-Pauschalen, wie immer wieder mal gemunkelt wird“, betonte er.

Aufnahme nach festem Schlüssel

Ebenso wenig gebe es keine Obergrenze, an der die Aufnahme gestoppt werde. Je mehr Menschen nach Deutschland kämen, umso mehr müsse auch die Stadt Halver nach einem festen Schlüssel aufnehmen. Gehring wies auf die „beachtliche Hilfsbereitschaft“ der Bürgerschaft, Kirchengemeinden, Vereine und Institutionen hin. „Dafür will ich danke sagen.“

Florian Klein: „Entdecken auch Kriegsverletzungen“

Für die Jüngsten wurde in der Unterkunft An der Susannenhöhe in Halver auch ein Spielzimmer eingerichtet. Foto: Malteser/Märkischer Kreis
Für die Jüngsten wurde in der Unterkunft An der Susannenhöhe in Halver auch ein Spielzimmer eingerichtet. Foto: Malteser/Märkischer Kreis

Florian Klein vom Malteser Hilfsdienst, Leiter der Notunterkunft An der Susannenhöhe, in der rund 140 Frauen, Männer und Kinder untergebracht sind, schilderte das inzwischen bewährte Aufnahmeverfahren. Danach werden die Neuankömmlinge zunächst grob in Augenschein genommen. Menschen, die offensichtlich krank seien, dürften die Busse als erstes verlassen. Später erfolge die eingehende medizinische Untersuchung und die Registrierung. „Wir entdecken dabei auch Menschen mit Kriegsverletzungen“, berichtete er.

Flüchtlingshilfe wirbt um Unterstützung

Friedhelm Pawlofsky, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe, die seit Anfang November offiziell Vereinsstatus besitzt, warb um weitere Unterstützer. Nach der Einrichtung der Susannenhöhe kümmere sich die Flüchtlingshilfe jetzt ausschließlich um die in Halver lebenden Asylbewerber.

„Willkommenskultur ist in Halver keine Worthülse“, hatte Bürgermeister Michael Brosch zu Beginn der Informationsveranstaltung erklärt. Zwar habe er im Rathaus Teilstellen gebündet, um so den neuen Herausforderungen zu begegnen. „Ohne die Unterstützung aus vielen Bereichen der Stadt wären diese Aufgaben aber nicht zu leisten“, sagte er.

 

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