Die Initiatoren des Projektes "Sport für Menschen mit Demenz", Herr Terschanski, Frau Klein, Frau Achenbach, Frau Fischer (mit Stofftier "Schweinehund"), Frau Timm (v.l.n.r.). Foto: Kannenberg

Lüdenscheid. Am 10.2. 2014 trafen sich im Schneckenhaus an der Bräuckenstraße Vertreter des Amalie-Sieveking Hauses und der Turboschnecken zur Vorstellung ihres gemeinsamen Projektes „Sport für Menschen mit Demenz“.

Frau Achenbach als Mitarbeiterin des Amalie-Sieveking-Seniorenzentrums, hatte 2013 bereits den Gedanken, dass es wertvoll wäre, sich mit dem Schneckenhaus in Lüdenscheid zu vernetzen, um die Bewohner ihres Seniorenheimes von der dortigen sportlichen Kompetenz profitieren zu lassen. Sie nahm mit der Leitung der Turboschnecken Kontakt auf und erzählte dort von der Idee, eine Kooperation mit ihnen einzugehen, um Demenzkranke, aber auch nichtkranke, ältere Menschen gemeinsam gezielter sportlich fördern zu können. Sie stieß dabei auf offen Ohren, auch bei ihrem Einrichtungsleiter Herrn Terschanski.

Überwinde den inneren Schweinehund

Als optischen Anstoß hatte sie die Idee, symbolhaft an die Bewohner des Hauses ein Stofftier überreichen zu lassen, einen sogenannten „inneren Schweinehund“, weil es jetzt galt, diesen zu überwinden, sich einen Ruck zu geben und an dem Programm teilzunehmen. Seitdem trainieren einige der Bewohner regelmäßig unter Anleitung von Frau Timm, einer Trainerin der Turboschnecken im Amalie-Sieveking-Haus.

In Folge hat sich die sportliche Leistung der Teilnehmer, die zwischen 65 und 90 Jahren sind, enorm verbessert. Frau Timm erzählte: „Ich stelle immer wieder fest, wie gerne auch gerade die Demenzerkrankten an diesem Angebot partizipieren. Die Gruppe war erst recht klein, ungefähr 8 bis 10 Leute, aber mittlerweile sind es oft fast 20 Personen, da sich die heilsame Wirkung dieses Angebotes unter den Bewohnern herum spricht. Und wir machen ja nicht nur Sport. Wir lachen auch sehr viel. Sie glauben gar nicht, wie viel Positives da von den Teilnehmern zurückkommt. Ich spreche nach jeder Stunde eine andere Person an, um den Ablauf zu reflektieren und Meinungen und Anregungen anzuhören. Wenn jemand schon weit fortgeschritten ist in der Demenzerkrankung, dann kann er es oft gar nicht mehr so richtig ausdrücken. Aber wenn gerade diese Personen mir einfach nur in die Augen blickt, lächelt und dreimal nickt, dann weiß ich, dass es wirklich gut angekommen ist.“

Frau Timm fährt einmal in der Woche ins Amalie-Sieveking Haus, um die gemeinsame Sportstunde Kranke und Nichtkranke direkt vor Ort anbieten zu können. Das spart Wege und Zeit und gibt auch dem Pflegepersonal die Möglichkeit, die Menschen auf dem Weg in die Sportstunde zu begleiten. Viele Teilnehmer kommen auch noch ganz alleine, müssen jedoch oft vorher erinnert werden, da das besondere Merkmal der Demenz der Verlust des Kurzzeitgedächtnisses ist.

Leichte gymnastische Übungen

Es werden leichte gymnastische Übungen angeboten, die den ganzen Körper berücksichtigen. Dabei machen die Teilnehmer einfach die Übungen nach, die Frau Timm vormacht. Frau Timm und Frau Fischer haben für diesen Unterricht extra eine Zusatzausbildung im Bereich der Demenzerkrankungen absolviert

Als man merkte, wie gut dieses Sportprogramm ankam, hatte man gemeinsam den Gedanken, das Ganze auch für Menschen außerhalb des Seniorenheims anzubieten. Mit dem Hintergrund, dass viele Demenzkranke noch zu Hause wohnen und schlicht und ergreifend durch ihre Krankheit vereinsamen. Dem entgegenzuwirken ist eines der Hauptziele des neu geschaffenen Projektes. Demenz soll in den Mittelpunkt gerückt, die Teilhabe am Leben weiter gefördert werden. Es soll selbstverständlicher werden, mit dieser Erkrankung zu leben und umzugehen. Damit auch noch am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Ein neues Projekt

Daraus entstanden ist deshalb ein neues Projekt, um das es nun hier geht, nämlich „Bewegungssport für Menschen mit Demenz. Gemeinsam statt einsam.“ Bei diesem Projekt ist es das Ziel, gesunde und erkrankte Menschen zusammenzubringen, gemeinsam Zeit zu verbringen, etwas für das körperliche Wohl zu tun und die Lebensqualität ganz allgemein zu verbessern.

Dazu sind alle eingeladen: Die noch zu Hause wohnen, die Menschen aus Tagesgruppen, die Bewohner von Seniorenheimen. Angedacht sind bei schönem Wetter auch kleine Wanderungen. Am Schluss jeder Sportstunde will man dann noch gemeinsam ins Amalie-Sieveking-Haus zum Kaffeetrinken gehen.

Schön wäre es, wenn Angehörige mit an der Sportstunde teilnehmen würden, da es einfacher für Mitarbeiter und Kranke ist, wenn eine vertraute Bezugsperson dabei ist. Diese darf den Kranken auch bei den Übungen zur Seite stehen. Und entsprechend mit den Teilnehmern zu Hause weiter üben.

Begleitet von der TU Dortmund

Das ganze Projekt wird von der TU Dortmund wissenschaftlich und sehr eng begleitet. Die TU Dortmund wird die Erfahrungen der Mitarbeiter und Teilnehmer dieses dreimonatigen Projektes auswerten und daraus einen Leitfaden für Sportvereine erstellen. Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, was man eigentlich anbieten muss, damit Menschen, die Demenz erkrankt sind, an einem Sportangebot teilnehmen können.

Um dieses Anliegen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, bieten Turboschnecken und Mitarbeiter des Amalie-Sieveking-Hauses eine Auftaktveranstaltung an. Diese Veranstaltung findet am 21.2. um 11 Uhr mit Informationen und Bewegungsbeispielen im Schneckenhaus statt. Dazu sind alle Interessierten, Betroffenen und Angehörigen herzlich eingeladen.

Kurs beginnt im März

Beginn des geplanten Kurses ist der 4. März von 10 Uhr bis 10.45 Uhr im Schneckenhaus. Er wird gemeinsam von Frau Timm und Frau Fischer geleitet und dauert erst einmal bis zum 3. Juni. Die Kosten für das Kursangebot betragen dabei 120 Euro, die eventuell von den Krankenkassen erstattet werden. Dies muss jedoch jeweils individuell mit der eigenen Kasse abgesprochen werden. Dieses Angebot wird im Anschluss an den Kurs dauerhaft angeboten und greift dabei weiterentwickelnd auf die Erfahrungen und den Austausch im Projekt mit anderen Teilnehmern zurück.

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