Austausch als Zeichen der Versöhnung: Steven, Marci und Talya Fischbach erkundeten gemeinsam mit Bürgermeister Jan Nesselrath (ganz links) und Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer (ganz rechts) die frühere Heimat der Familie.

Meinerzhagen. Es war für alle Beteiligten ein bewegender Tag. Am Montag, 20. Juni, besuchte Steven Fischbach mit seiner Frau und Tochter die Heimatstadt seiner Familie, aus der Vater Eugen mit seiner Schwester Eva und den Eltern im Jahr 1938 in die USA geflohen war. Ihre Reise nach Europa führte die Familie Fischbach in der vergangenen Woche in eben diese Stadt, die über mehrere Generationen ihre Heimat gewesen war. Gemeinsam mit Bürgermeister Jan Nesselrath ging sie in den Straßen Meinerzhagens ihrer Geschichte nach.

Besichtigung der Stolpersteine

Eine Begrüßung im Rathaus der Stadt gab den Auftakt für den Tag der Familie Fischbach in Meinerzhagen. Gemeinsam mit Bürgermeister Jan Nesselrath machte sich die Familie dann auf den Weg zu den beiden jüdischen Friedhöfen Meinerzhagens. Hier gedachten sie ihrer Vorfahren. Das Elternhaus des Vaters Eugen in der Derschlager Str. 11 und die dort für seinen Vater, seine Tante und die Großeltern gelegten Stolpersteine waren weitere Punkte der Besichtigung.

Mit Freude nahm man zur Kenntnis, dass von der Stadt Flüchtlinge in den lange leer stehenden Räumen untergebracht wurden.

Von Meinerzhagen aus ging es nach Burgholdinghausen bei Kreuztal, dem ältesten nachweisbaren Herkunftsort der Familie Fischbach. Von dort aus fuhren die Gäste weiter nach Berlin und später nach Amsterdam. Hier lebt inzwischen die ältere Tochter der Fischbachs, Danach reisten sie nach Rhode Island (USA) zurück.

Gut integriert – später wurde das Leben unerträglich

Steven Fischbachs Vater, Eugen, wurde 1926 in Meinerzhagen geboren und ging wie seine Schwester Eva hier zur Schule. Die Familie war im Stadtleben mit Feuerwehr, Schützenverein und Männerchor gut integriert. Er trat aber, nachdem das Leben für die jüdische Familie unerträglich wurde, die Flucht in die USA an. Den drei Schwestern des Vaters und ihren Familien gelang dies nicht. Sie wurden deportiert und in Konzentrationslagern und Ghettos ermordet.

Zeichen von Menschlichkeit und Größe

Trotz dieser Erinnerungen haben viele Mitglieder der Familie Fischbach im Laufe der Jahre ihren Heimatort besucht. Jan Nesselrath: „Nach dem, was seinerzeit hier in Meinerzhagen geschehen ist, ist es mir ein Anliegen, die Stadt heute zu vertreten, unseren geschichtlichen Auftrag anzunehmen und daran zu erinnern. Dass Mitglieder der Familie Fischbach – und auch anderer jüdische Familien, die aus Meinerzhagen fliehen mussten – angesichts ihrer schlimmen Erfahrungen in die frühere Heimat kommen und uns heute die Hand reichen, ist ein Zeichen von Menschlichkeit und Größe.“

Die Erinnerung an viele Begegnungen, Gespräche und neue Eindrücke ist auf beiden Seiten geblieben, ebenso wie ein neuer Grundstein für den Austausch, Offenheit und Versöhnung.

 

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