Rund 250 Schülerinnen und Schüler setzten am Mittwoch ein starkes Zeichen gegen die drohende Abschiebung zweier armenischer Jugendlicher. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Abschiebung kann zwei Jugendliche aus Armenien und ihre Familie jederzeit treffen. Ein Ausbildungsplatz für die beiden wäre die Rettung. Dafür wollen Schüler des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs jetzt kämpfen. Einen kleinen Etappensieg haben sie bereits zu verzeichnen.

Mit Hilfe von Michael Keylock, dem Klassenlehrer einer der drei internationalen Förderklassen des Berufskollegs, und einem renommierten Kölner Rechtsanwalt ist es gelungen, die drohende Abschiebung vorläufig aufzuschieben. Jetzt können die beiden Jugendlichen am 6. März zumindest ihr Praktikum beginnen. Damit steigt die Chance, dass sie womöglich bald den rettenden Lehrvertrag unterzeichnen können.

Beeindruckendes Zeichen der Solidarität

Bei einer Schülerversammlung setzten die Jugendlichen des Berufskollegs am Mittwochmittag ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität. Über 250 Schülerinnen und Schüler kamen zu dem Treffen in die Aula. Das einzige Thema: Was können wir für die beiden tun?

Schülersprecher Malte Willms: "Vielfalt leben ist das Motto unserer Schule." Foto: Wolfgang Teipel
Schülersprecher Malte Willms: „Vielfalt leben ist das Motto unserer Schule.“ Foto: Wolfgang Teipel

„Stellt euch vor, ihr bekommt einen Brief, in dem steht, dass ihr in das Land gebracht werdet, aus dem ihr geflohen seid“, veranschaulichte Schülersprecher Malte Willms die Lage der beiden armenischen Jugendlichen. Das ist für die meisten unvorstellbar.

Seit 18 Monaten in Deutschland

Der Junge und seine Schwester leben seit 18 Monaten in Deutschland. Seit Beginn des Schuljahrs besuchen sie das Berufskolleg. Er hat in seiner ehemaligen Heimat Fachabitur gemacht. Sie besitzt einen Hauptschulabschluss. Beide wollen eine Ausbildung machen. Am liebsten als Elektriker, beziehungsweise im Einzelhandel.

Ins Schulleben integriert

„Sie sprechen schon gut Deutsch und sind ins Schulleben integriert“, sagte Michael Keylock am Mittwoch. „Wir brauchen solche Menschen und sollten sie nicht zurückschicken.“

Die Schüler wollen jetzt Geld sammeln, damit der Anwalt bezahlt werden kann. Außerdem wollen sie in und außerhalb der Schule Waffeln und Kuchen verkaufen und dabei über die Lage der Asylsuchenden informieren.

Eingabe an Petitionsausschuss wird vorbereitet

„Vielfalt leben“ laute schließlich das Leitbild der Schule, sagte Schülersprecher Malte Willms unter dem Beifall seiner Mitschüler. Dafür werde sich die SV weiter einsetzen. Für diese Woche sind weitere Aktionen geplant, darunter eine Demonstration auf dem Sternplatz. Außerdem werde eine Eingabe an den Petitionsausschuss des NRW-Landtags vorbereitet, kündigte Malte Willms an.

Anmerkung der Redaktion: Die beiden Jugendlichen und ihre Familie leben in Angst. Aus diesen Grund werden ihre Namen nicht genannt.

 

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here