Die Helfer versuchten in den vergangenen Tagen zu retten, was noch zu retten ist. Foto: Volker Leipzig

Halver. Beim Gülle-Gau am Neyebach hatten Fische keine Chance. Der Wupperverband hat Ergebnisse seiner Wasserproben veröffentlicht. Am Tag der Einleitung wurde ein Spitzenwert Ammonium-Stickstoff in Höhe von 1800 mg/l ermittelt. Schon bei einem Wert von 0,5 mg/l wird es für Fische kritisch. In einer Mitteilung des Verbandes heißt es:

„Der Bachlauf oberhalb der Talsperre ist ökologisch tot, die Güllewelle von 1500 bis 1700 Kubikmeter hat darin jegliches Leben vernichtet, ebenso in den im Zulauf der Talsperre liegenden Teichen.“

Gülle wird nach Hückeswagen gepumpt

Bei der Ammonium-Stickstoff in Höhe von 1800 mg/l hatten die Fische im Neyebach keine Chance. Foto: Volker Leipzig
Bei der Ammonium-Stickstoff-Konzentration in Höhe von 1800 mg/l hatten die Fische im Neyebach keine Chance. Foto: Volker Leipzig

Inzwischen sind Sofortmaßnahmen angelaufen, um die Gefahren einzudämmen, die von der Gülle-Blase in der Talsperre ausgehen. Die Blase in etwa 18 bis 25 Meter Tiefe soll nach Schätzungen der Fachleute etwa 50 000 Kubikmeter groß sein. Diese Blase auf dem Grund der Neyetalsperre wird über eine provisorische Leitung zur Reinigung in die Kläranlage Hückeswagen gepumpt.

Rettungsaktion für Teichmuscheln

Am Freitag, 27. März, sollen zwei der Teiche am Einlauf der Neyetalsperre leergepumpt. Revierförster Volker Leipzig dazu: „Hier wurden vor Jahren Teichmuscheln eingesetzt. Sie könnten den Gülle-Unfall überlebt haben.

In einem scharfen Statement fordert der NABU die schnelle Aufklärung des folgenschweren Unfalls. Zudem müsse nun auch über die Transporte der Gülle und Ausbringung diskutiert werden.

NRW-NABU-Chef fassungslos

„Wir sind fassungslos über diesen Gülle-Gau in unserem Land“, sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Dieser Fall sei nicht nur ein weiterer Beleg für die Auswüchse und skrupellosen Machenschaften einer industrialisierten Massentierhaltung auf Kosten der Natur. Hier werde auch das Versagen der zuständigen Behörden gegenüber solch kriminellen Strukturen deutlich.

Der Fall des Landwirts aus Halver zeige, dass die Entsorgung von
industriell erzeugter Importgülle zunehmend zu einem Problem im ganzen Land werde. Der Gülletourismus aus Niedersachsen oder den Niederlanden nehme in letzter Zeit besorgniserregend zu, da in Regionen mit extrem hohem Viehbesatz die Stickstoffbilanzen starke Überschüsse aufwiesen. So fehlten allein im Weser-Ems-Gebiet über 200.000 Hektar für eine umweltverträgliche Gülleausbringung.

Hohe Beträge für die Entsorgung

Für die bloße Entsorgung der Gülle würden daher hohe Beträge gezahlt. „Große Teile von NRW werden so zur Verklappung überschüssiger Gülle missbraucht. Landwirtschaftliche Betriebe in finanzieller Krise sehen darin den letzten Ausweg“, so Tumbrinck weiter. „Über Unfälle wie in Halver muss man sich dann nicht wundern.“ Im Kontext der aktuellen Novellierung der Düngeverordnung fordert der NABU daher eine massive Beschränkung des Gülletourismus durch die Einführung einer vollständigen Hoftorbilanz für jeden Betrieb sowie die Einrichtung einer bundeseinheitlichen Dünge-Transportdatenbank in Verbindung mit einer Meldeverordnung.

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