Herscheid/Lüdenscheid. Beeindruckende Bilder, wichtiges Thema: Die Ausstellung „Freunde“ des Vereins „Wir hier!“ mit Bildern des Lüdenscheider Fotografen Guido Raith ist bis Mitte Mai im Herscheider Rathaus zu sehen. Sie wurde am Dienstag, 12. April, eröffnet. Ein Abend mit Lesung und Musik zum Thema „Fluchtgeschichten“ schloss sich an.

Guido Raith hat für den interkulturellen Verein „Wir hier!“ 30 Freundespaare fotografiert, deren Verbindung über geografische, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg reicht. Die 30 schwarz-weißen Doppelporträts waren bereits in den Städtischen Museen Lüdenscheid und im Düsseldorfer NRW-Landtag zu sehen.

Die Ausstellung „Freunde“ solle Vielfalt visualisieren und sie erleben lassen. In einer Gesellschaft, die durch Zuwanderung von Vertriebenen, Arbeitsmigranten, Flüchtlingen und Asylsuchenden einem steten Wandel unterliege, sei Vielfalt als Bereicherung und Chance zu verstehen, erläuterte Ulrike Tütemann, 2. Vorsitzende des interkulturellen Vereins in ihrer Ansprache anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Symbolträchtige Bilder

Die Ausstellung zeigt Freunde völlig unterschiedlicher Couleur, generationsübergreifend, das jüngste Paar gerade mal elf Jahre und Fußballfreunde, die älteste von ihnen ist Hildegard, die Tür an Tür mit dem äthiopischen Studenten Misrak wohnt – Nachbarn und Freunde. Entstanden sind symbolträchtige Bilder, auf denen manchmal das Band der Freundschaft auf den ersten Blick erkennbar ist, mitunter muss man auch ein bisschen genauer hinsehen, um zu erkennen, was die Freunde verbindet.

Ganz bewusst für Schwarz-Weiß entschieden

Musik aus Syrien: Mohammad Hussain spielte auf dem Keyboard Musik aus seiner Heimat. Foto: Wolfgang Teipel
Musik aus Syrien: Mohammad Hussain spielte auf dem Keyboard Musik aus seiner Heimat. Foto: Wolfgang Teipel

Guido Raith setzte bei seiner Arbeit auf Gefühl und Kommunikation. „Die Technik genügt nicht, um sich ein Bild zu machen“, sagte er in seiner Ansprache. Um ein gutes Porträt abzuliefern müsse sich der Fotograf mit den Menschen auseinandersetzen. „Ganz am Ende ist dann das Bild gefunden – in einem Moment aus gefrorenem Licht.“ Ganz bewusst habe er sich für schwarz-weiß Aufnahmen entschieden. „Schwarz-weiß ist Farbe genug“, zitierte Guido Raith die Fotojournalistin Barbara Klemm.

Berichte von Flucht und Vertreibung

Mit der anschließenden Lesung verschafften Mitglieder von „Wir hier!“ dem Publikum anschließend Einblick in das Schicksal von Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet oder vertrieben worden sind. Matthias Wagner las Auszüge aus dem Buch „Über das Meer“ mit Berichten syrischer Flüchtlinge. Annemarie Lück hatte Auszüge aus Zekarias Kebraebs Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn“ ausgewählt. Es handelt von einer Flucht aus Eritrea. „Afghanistan, München, ich – meine Flucht in ein besseres Leben, so heißt Hassan Ali Djans Buch, aus dem Susanne Hattwig einige Passagen ausgewählt hatte. Anschließend ging es um Flucht und Vertreibung im und nach dem 2. Weltkrieg.

Untermalt wurde die Lesung mit syrischer Musik von Mohammad Hussain am Keyboard und von Clara Tütemann auf der Querflöte.

 

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