Bauernhaus Wippekühl
Zum runden Geburtstag ließen die Männer aus Borgholzhausen am Bauernhaus Wippekühl wie anno dazumal die Dreschflegel fliegen.

Schalksmühle. Dreschen wie anno dazumal: Die „Historischen Drescher aus Borgholzhausen“ waren eine Attraktion bei der Geburtstagfeier am Bauernhaus Wippekühl. So wie die Männer ist alter Bauerntracht am Sonntag die Dreschflegel zur Musik fliegen ließen, so haben auch die Landwirte aus Schalksmühle und Umgebung vor Hunderten von Jahren die Spreu vom Weizen getrennt. Und so wie die Kinder an diesem sonnigen Herbsttag Körner aus dem gedroschenen Stroh sammelten, so haben die Landwirte und ihre Familien anno dazumal für ihren Lebensunterhalt gearbeitet.

Ein „lebendiges Denkmal“

Die Frauen und Männer aus dem Kreis Gütersloh, die Musikgruppe „Die Volmetaler“ und zahlreiche Gäste machten deutlich, was Bürgermeister Jörg Schönenberg kurz zuvor in einer Ansprache festgestellt hatte: „Wir haben hier ein lebendiges Denkmal.“ Davon zeugen nicht nur 184 standesamtlichen Trauungen auf dem historischen Boden des ehemaligen Haupthauseses des ehemaligen Freihofes Wippekühl. Das Baudenkmal ist ein beliebtes Zentrum für Begegnung und Kultur – und das schon seit 20 Jahren.

Geschichte reicht bis ins 15. Jahrundert zurück

Gastgeber Helmut Quenzel, Vorsitzender des Vereins für Heimat und Geschichte, versorgte die historischen Drescher mit einer kleinen Stärkung.
Gastgeber Helmut Quenzel, Vorsitzender des Vereins für Heimat und Geschichte, versorgte die historischen Drescher mit einer kleinen Stärkung.

Die Geschichte des Freihofes Wippekühl reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert. 1460 wurde der Freihof erstmals urkundlich erwähnt. Bis in die 1950er Jahre war das Haupthaus bewohnt, danach verfiel es mehr und mehr, bis in der 1980er Jahren die Idee aufkam, hier eine Heimatstube mit Museum einzurichten. Damit löste Jürgen Knörr, der im Jahr 2011 gestorbene Grund des Vereins für Heimat und Geschichte eine Entwicklung aus, die die Gemeinde gut ein Jahrzehnt beschäftigte.

Bauernhaus Wippekühl spaltete die Gemeinde

„Das Bauernhaus spaltete die Gemeinde“, berichtete stellvertretende Bürgermeister Heide Bachmann in ihrem Festvortrag. „Das war keine leichte Geburt.“ In der Bevölkerung herrschte zunächst wenig Verständnis dafür, dass für die Restaurierung des alten Hauses 500.000 Mark ausgegeben werden sollten. Im Laufe der Entwicklung kletterte der Betrag sogar auf 700.000 Mark. Die Befürworter ließen sich davon nicht beeindrucken.

Hauchdünne Mehrheit im Gemeinderat

Mit von der Partie: Die Bläser vom Musikverein "Die Volmetaler".
Mit von der Partie: Die Bläser vom Musikverein „Die Volmetaler“.

1993 gab es schließlich in geheimer Abstimmung im Gemeinderat eine hauchdünne Mehrheit für den Plan, das Haus mit Landesmitteln, Geld der Gemeinde und Spenden wieder aufzubauen. „Viele, die damals dagegen waren sagen heute: Gut, dass ihr es gemacht habt“, sagte Heide Bachmann.

Sie erinnerte an maßgebliche Förderer wie Jürgen Knörr, Horst Ludwigsen oder den ehemaligen Bürgermeister Wilfried Köhler oder den früheren Gemeindedirektor Gerd Gebhardt.

Heute befindet sich das Bauernhaus Wippekühl in der Trägerschaft des Vereins für Heimat und Geschichte. Am 8. Oktober 1995 wurde das Gebäude in seine Obhut übergaben. Seitdem sorgt der Freundeskreis Bauernhaus Wippekühl mit seinen zahlreichen Aktivitäten dafür, dass die öffentlichen Kassen nicht mit Unterhaltskosten für das Baudenkmal belastet werden.

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