Die BAB-Auffahrt Lüdenscheid-Nord wird für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, die Richtung Norden wollen, gesperrt.

Lüdenscheid. Die BAB-Brücke Sterbecke ächzt unter dem zunehmenden Verkehr. Sie ist den Belastungen schon lange nicht mehr gewachsen und muss verstärkt werden. Später erfolgt ein Neubau. Um das Bauwerk aber frühzeitig zu entlasten, wird in Kürze die BAB-Auffahrt Lüdenscheid-Nord für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen gesperrt. „Eine Katastrophe“ sagte gestern Martin Sturm, Geschäftsführer der Spedition Lixfeld. So oder auch weniger drastisch sahen es die meisten Teilnehmer der Informationsveranstaltung, zu der Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas und der Schalksmühler Rathaus-Chef Jörg Schönenberg am Donnerstag, 30. April, ins Lüdenscheider Rathaus eingeladen hatten.

Vertreter des Landesbetriebes Straßen.NRW standen den rund 50 Besuchern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung Rede und Antwort.

Siebert: „Dürfen kein Risiko eingehen“

Ludger Siebert, Leiter der Regional-Niederlassung von Straßen.NRW, stand den Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltuzng Rede und Antwort.
Ludger Siebert, Leiter der Regional-Niederlassung von Straßen.NRW, stand den Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung Rede und Antwort.

An der Sperrung führe kein Weg vorbei, erklärte Ludger Siebert, Leiter der Regionalniederlassung von Straßen.NRW. „Wir dürfen kein Risiko eingehen.“ Die Sterbecke sei, wie alle anderen Überquerungsbauwerke der A 45 beim Bau in den 1960er Jahren für ein Fahrzeugaufkommen von 24.000 Fahrzeugen am Tag ausgelegt worden. Im Raum Lüdenscheid fahren aktuell rund 70.000 Fahrzeuge am Tag über die Sauerlandlinie. „Nachts macht der Güterverkehr inzwischen 50 Prozent des Gesamtaufkommens aus“, sagte Ludger Siebert. Dazu komme: Die Brücken seien für Lkw bis zu 24 Tonnen konstruiert worden. Heute führen Transporter mit einem Gesamtgewicht von bis zu 44 Tonnen über diese Bauwerke. Langfristig müssten alle Brücken der A 45 erneuert werden.

Brücke für aktuelles Lastbild nicht ausgelegt

Das spezielle Problem der Sterbecke: Die Beschleunigungsspur reicht bis in den Brückenbereich. Das führt dazu, dass oftmals mehrere 30-Tonner parallel über die Brücke fahren. „Für dieses Lastbild ist die Brücke nicht ausgelegt.“ Straßen.NRW sei gezwungen, die Brücke für Lkw, die die Sauerlandlinie in Richtung Norden befahren wollen, zu sperren.

Überwiegend skeptisch: Die rund 50 Besucher der Informationsveranstaltung im Rathaus.
Überwiegend skeptisch: Die rund 50 Besucher der Informationsveranstaltung im Rathaus.

Die Sperrung, das ist Straßen.NRW und der heimischen Wirtschaft klar, wird den Verkehr im Raum Lüdenscheid mächtig durcheinander bringen. „Viel Verkehr wird sich den direkten Weg zur Auffahrt Lüdenscheid-Mitte suchen, mit alle negativen Folgen, die damit für das Stadtgebiet verbunden sind“, sagte Christian Hayer vom Planungs- und Verkehrsamt der Stadt Lüdenscheid. Er bewertet die Empfehlung, dass Lkw-Fahrer in Lüdenscheid-Nord zunächst in Richtung Frankfurt auffahren, die Sauerlandlinie an der Abfahrt Lüdenscheid-Mitte verlassen, um dort dann in Richtung Norden aufzufahren, skeptisch.

Brunscheider Straße schon heute überlastet

„Sie landen dann in einem Bereich, der schon den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist.“ Das bestätigte ein Sprecher der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG). Die Busse, die von Lüdenscheid Richtung Werdohl führen, handelten sich auf der Brunscheider Straße schon heute Verspätungen von 20 Minuten und mehr ein.

Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg (2. von rechts) befürchtet ein Verkehrschaos in der Region.
Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg (2. von rechts) befürchtet ein Verkehrschaos in der Region.

Viele Teilnehmer der Informationsveranstaltung, darunter auch Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg, befürchten ein Verkehrschaos, wenn weitere Baustellen im Straßennetz der Region hinzukommen.

Das wird sich offenbar aber nicht vermeiden lassen. „Wir können uns nicht nur auf ein einzige Maßnahme konzentrieren“, sagte Ludger Siebert.

Sperrung erfolgt in Kürze

Zum Zeitplan: Die Sperrung für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen erfolgt in Kürze. Die Vorbereitungen laufen bereits. Straßen.NRW befasst sich zurzeit mit der Ausführungsplanung für die Verstärkung der Talbrücke Sterbecke. Danach erfolgt die Ausschreibung der Baumaßnahme. Dann sollen die Bauarbeiten beginnen und in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen werden. Mit dem Neubau der Brücke könne 2018 begonnen werden, erklärte Ludger Siebert. „Lassen Sie uns mal machen. Dann wird das auch was“.

Skepsis nicht ausgeräumt

Mit dieser Äußerung räumte er allerdings nicht jegliche Skepsis aus. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass Wirtschaft und Politik auf eine „kurze und konzentrierte Bauphase“ setzen.

Harald Rutenbeck, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer, sieht für die nächsten 20 Jahre riesige Verkehrsprobleme auf die Wirtschaft in der Region zukommen. „Die A 45 wird zur Dauerbaustelle“, sagte er. Zu lange sei dem „schleichenden Verfall“ der Brücken nur zugesehen worden. „Jetzt müssen wir die Rechnung dafür bezahlen.“

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