Beim Schlussapplaus auf der Bühne vereint: Andreas Koch, Annette Gonserowski, Velina van der Gaag, Christophe Bossu und Edmund Ruhenstroth. Foto: Wolfgang Teipel

Schalksmühle. Edmund Ruhenstroth entlässt sein Publikum gern mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das gelang dem Mann aus Gütersloh, der ein großes Herz für Schalksmühle hat, auch am Mittwoch. Sein launiger Vortrag beschloss die musikalische Lesung „SommerSinn“ im Bauernhaus Wippekühl.

„Wenn ich liege Herr Doktor, dann geht’s . . .“ Ruhenstroth nimmt sich selbst auch die Schippe, spottet milde über Rentner und lässt Bissiges über den Politik verlauten. Er sorgt für Amüsement und hält vielen Zeitgenossen den Spiegel vor. Dass er dabei ein wenig hemdsärmelig daher kommt, schadet nicht. Es passt zu Ruhenstroth und seiner etwas derben Art.

Alle Mitglied im Autorenkreis Ruhr-Mark

Der Ostwestfale mit dem weißen Schopf ist ebenso Mitglied im Autorenkreis Ruhr-Mark e.V. Hagen wie Christophe Bossu, Velina van der Gaag und Annette Gonserowski. Bossu, gebürtiger Franzose lebt seit vielen Jahren in Kierspe. Er trug unter anderem Impressionen aus seinem Gedichtband Wortewind und überraschte das Publikum im Bauernhaus Wippekühl mit einem Text aus dem Mittelhochfranzösischen.

Eine Zeile, die alles sagt: „Im Juni nimmt der Sommer die Nacht zur Braut . . . „ Velina van der Gaag liebt und schreibt Liebes- und Naturgedichte. Die temperamentvolle Frau stammt aus Bulgarien beheimatet ist und entdeckte während ihres Studiums ihre Faszination für die Vielfalt der deutschen Sprache. Die Gedichte der in Wuppertal lebenden Lyrikerin zeichnen sich durch Wortneufindungen aus.

Auseinandersetzung mit der Tagesaktualität

Annette Gonserowski, Vorsitzende des Autorenkreises Ruhr-Mark, ist nach eigenem Bekunden kein „trauriger Mensch“. Sie schreibe nur traurige Gedichte erklärte sie dem Publikum. „Schreiben ist für mich ein Ventil.“ Zu dem deutschen Dichter Gerhard Rombach, der seit vielen Jahren in Schweden lebt, hat sie eine besondere Verbindung. Beide Lyriker schreiben sich Dialog-Gedichte. Annette Gonserowski trug einige Auszüge aus diesen Wortwechseln über hunderte von Kilometer vor. Zu ihrer Arbeit zählt aber auch die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Tagesgeschehen. Ein Beispiel:

Frieden und Krieg
Sonnenschein
zwischen den Zweigen,
auf Blättern,
auf Wegen
und meinem Gesicht.

Stille –
nur das Klopfen des Spechtes
auf morscher Rinde,
das Knacken im Unterholz,
ein Vogellied.

Frieden –
wäre da nicht
die fliehende Eichkatz,
der ängstliche Herzschlag,
das Dröhnen der Panzer

zweitausend Kilometer entfernt,
so nah.

Meisterhaftes Gitarrenspiel

Das Gitarrenspiel von Andreas Koch bot an diesem Abend einen Kontrapunkt zum Dröhnen der Panzer in der Ukraine. Der Kiersper Musiker eröffnete „SommerSinn“ mit einem heiteren Stück eines kubanischen Komponisten. Auch seine meisterhaft dargebotenen Stücke des Barock auf einer elfsaitigen Alt-Gitarre begeisterten das Publikum.

Die musikalische Lesung im Bauernhaus Wippekühl war ein Beitrag zum Kulturfestival „Lampenfieber“. Hier ein Überblick über die weiteren Veranstaltungen:

6. September, ab 16 Uhr, Heesfelder Mühle, Halver: Rock/Pop-Open-Air „Music Fever“;

7. September, 16 Uhr, Realschule Halver: Kindertheater „Aprikosenzeit“;

10. September, 19.30 Uhr, Bauernhaus Wippekühl, Schalksmühle: Krimi-lesung „Mörderische Triebe“;

12. September, 19.30 Uhr, Kulturbahnhof Halver, Konzert „Jazz meets Pop & Folk“;

13. September, 14 Uhr, Anne-Frank-Gymnasium, Halver: Theaterworkshop „Tschick“;

19. September, 20 Uhr, Stadthalle Meinerzhagen: Theater „Loriot“;

20. September, 19 Uhr, Aula der Firma Turck, Kirchlöher Weg, Halver: „Bach & Toccata“;

26. September, 19.30 Uhr, Stadthalle Meinerzhagen: Konzert „Swing meets Classic“;

28. September, 14 Uhr, Gesamtschule Kierspe: Workshop „Professionalisierung der Musikszene“;

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