Naoar Elias absolviert eine Ausbildung bei der Schawag GmbH (links auf dem Foto Inhaber Ralf Schawag). Bei ihrem Besuch blickten ihm (von rechts) Arthur Weiss, Carsten Plate und Thorsten Schäfer von der Agentur für Arbeit sowie Bürgermeister Ulrich Schulte über die Schultern. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Eine Berufausbildung im Handwerk oder in der Industrie ist ein solides Fundament für eine gute Karriere. Mit diesem Tenor werben Bürgermeister Ulrich Schulte, die Bundesagentur für Arbeit und nicht zuletzt auch die heimischen Unternehmen für die Möglichkeiten, die sie jungen Leuten bieten. Vom 27. bis 31. März 2017 ruft die Agentur für Arbeit Iserlohn gemeinsam mit ihren Partnern inzwischen zum vierten Mal in Folge zur „Woche der Ausbildung“ auf. Das Motto der Aktionswoche in diesem Jahr ist: „Ausbildung klarmachen!“. Ziel ist dabei, Arbeitgebern und jungen Menschen den Stellenwert, die Chancen und Vorteile der dualen Berufsausbildung vor Augen zu führen.



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Die Agentur-Mitarbeiter Thorsten Schäfer, Carsten Plathe (Arbeitgeberservice) und Arthur Weiss (Berufsberater) besuchten zusammen mit Bürgermeister Ulrich Schulte am Montag (27. März) das Handwerksunternehmen Schawag GmbH in Böddinghausen. „Im Märkischen Kreis haben wir die Situation, dass einerseits nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden können, andererseits Jugendliche noch ohne Ausbildungsplatz sind“, berichtete Carsten Plathe. Das liege an der großen Fläche des Märkischen Kreises, aber auch an unrealistischen Berufswünschen der Jugendlichen und ebenso unrealistischen Anforderungen von Betrieben an Bewerber um eine Ausbildung. „Die Arbeitsagentur möchte in dieser Woche der Arbeit möglichst viele Arbeitgeber gewinnen, die vermeintlich schwächeren Kandidaten eine Chance geben“, führte Plathe aus.

Arbeitslos wird man im Handwerk nicht

Die Schawag GmbH hatten die Arbeitsagentur-Vertreter für ihren Besuch ausgewählt, weil das Handwerksunternehmen seit vielen Jahren engagiert ausbildet. Der Spezialist für moderne Haus- und Gebäudetechnik beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende. Inhaber Ralf Schawag stellt fest: „Es wird immer schwieriger, Auszubildende zu bekommen.“ Dabei seien die beruflichen Möglichkeiten immens. „Ob als Anlagenmechaniker oder als Elektroniker, arbeitslos werden kann man in unserem Handwerk nicht.“ Duale Studiengänge und Weiterqualifikationsmöglichkeiten im Anschluss an die Ausbildung eröffneten hervorragende Aufstiegsmöglichkeiten. Zwei bis drei Auszubildende möchte er jedes Jahr einstellen, auch weil „von zehn Azubis in der Regel nur drei bleiben“, so seine Erfahrung.

„Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer“, stellt Ralf Schawag fest und stellt auch notenschwächere Schüler ein. „Mit einer dauerhaften Fünf in Mathe wird es schwierig, andere Defizite können aufgearbeitet werden.“ Das gilt auch für Sprachmängel bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund. Schawag bildet u.a. einen jungen Mann aus dem Irak aus. Naoar Elias ist 27 Jahre alt und absolviert eine von der Arbeitsagentur geförderte betriebliche Einzelumschulung. In Ausbildung bei Schawag sind darüber hinaus zwei junge Männer aus Albanien und Afghanistan. Um Schwierigkeiten in der Berufsschule vorzubeugen, hat Ralf Schawag einen pensionierten Lehrer für den Nachhilfeunterricht gewinnen können.

Azubi-Projekte und Facebook-Blog

Mit verschiedenen Aktionen macht Ralf Schawag seinen Betrieb attraktiv für die jungen Auszubildenden: Einmal im Monat findet ein Azubi-Samstag statt, an dem handwerkliche Grundfertigkeiten geübt werden. Es werden Azubi-Projekte durchgeführt, bei denen die jungen Leute vom Angebot bis zur Rechnung den kompletten Ablauf eigenständig gestalten. Im Azubi-Blog auf Facebook berichten die Auszubildenden regelmäßig über Arbeiten, die sie mit ihren Gesellen und Meistern durchgeführt haben.

Ralf Schawag ist überzeugt: „Die Ausbildung im Handwerk ist für viele junge Leute die richtige Wahl. Der Handwerker sieht das fertige Ergebnis seiner Arbeit und erlebt so unmittelbar ihren Wert.“

Ulrich Schulte kann dem nur zustimmen. „Aus der Realschulklasse meines Sohnes sind von 24 Schülern gerade mal drei eine Ausbildung gegangen“ und das findet er schade. „Ausbildung ist eine sehr gute Voraussetzung für die Karriere.“ Und aus Sicht der Stadt stellt er fest: „Junge Menschen, die ins Studium gehen, sind schnell weg aus Plettenberg und viele kommen nicht wieder. Wir verlieren nicht nur qualifizierte Arbeitskräfte, sondern auch Einwohner.“

Kontakt für Bewerber und Unternehmen

  • Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, können sich immer bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Iserlohn informieren. Termine für eine ausführliche Beratung können unter der kostenlosen Hotline 0800 4 5555 00 vereinbart werden.
  • Unternehmen, die eine freie Ausbildungsstelle melden möchten, erreichen den gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Iserlohn und des Jobcenters Märkischer Kreis kostenlos unter der Rufnummer 0800 4 5555 20.

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