Anti-Pegida-Demonstration in Lüdenscheid. Es kamen viele. Und es blieb sehr friedlich. Fotos: Kannenberg

Lüdenscheid. Heute sollte sie sein, die Anti-PEGIDA Demonstration in Lüdenscheid. Treffpunkt: Rathausplatz, Montagabend, 18 Uhr. Wetter: Schlimmer geht es fast nicht. Wie so häufig in Lüdenscheid regnet es Bindfäden. Dazu Schnee auf dem Boden von gestern, eisiger Wind. Kommt da überhaupt jemand? Ja, sie kommen. In Scharen. Um 17.50 Uhr war der Rathausplatz fast leer. Um 18.00 Uhr ist es gerappelt voll. 500 bis 600 Personen mindestens. Dazu Vertreter der Presse, das Fernsehen, Radio MK. Alle sind anwesend. Aufgerufen dazu hat u.a. das „Bündnis gegen Rechts“, z.B. über Facebook.

Interview im Trockenen

Michael Thomas Lienkämper, Mitglied im „Bündnis gegen Rechts“, der die Demo angemeldet hat, gibt der Presse ein kleines Interview. Er stellt sich vor, erklärt die Route, die gegangen wird, erzählt, dass man erst einmal sehen wolle, wie das Ganze überhaupt ankommt. Dass man während der Demo kleine Stopps macht und zwischendurch etwas zum Thema sagen will. Er erklärt uns: „Wir haben ja die Anfänge der PEGIDA-Bewegung an sich mitbekommen, und daraufhin haben wir uns zusammengesetzt und haben uns gesagt, dass dies auch ein Thema ist, dass uns als „Bündnis gegen Rechts“ elementar betrifft. Und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir hier in Lüdenscheid auch irgendetwas machen möchten, egal, ob PEGIDA hier etwas auf die Beine stellt oder nicht. Dass wir zwar noch keine PEGIDA-Bewegung hier haben, aber wir auch gar nicht erst möchten, das hier möglicherweise eine entsteht. Wir wollen deshalb durch diese Aktion deutlich machen, wie sich Lüdenscheid im Moment präsentiert: Wir haben in Lüdenscheid zur Zeit über 100 Nationen versammelt. Lüdenscheid ist eine Stadt, die sehr vielfältig und bunt ist, die multikulturell lebt und dabei sehr friedlich ist und gerade diese Tatsache wollen wir eben auch einmal nach außen deutlich machen, dass das genau das ist, was wir erhalten wollen: Ein friedliches Miteinander. Hier versammeln sind heute deshalb unser „Bündnis“, viele Sozial-Verbände, Kirchen, caritative Einrichtungen, der Integrationsrat, politische Parteien, also das ganz Spektrum demokratischer Kräfte hier in der Stadt. Ein buntes Spektrum. Wir hoffen, dass das auch durch die Fahnen und ähnliches, die wir gleich sehen werden deutlich wird. Das heute ist für uns einfach erst einmal eine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, um deutlich zu machen, dass wir uns mit der Problematik „PEGIDA“ auseinandersetzen. Wir wünschen uns, dass davon auch etwas bei den Lüdenscheidern und Lüdenscheiderinnen ankommt. Ein symbolische Maßnahme sozusagen. Um klar zu machen: Wir sind für ein friedliches Miteinander! Und wir sind vielfältig und tolerant!“

Auch der Bürgermeister geht spontan mit

Im Verlauf des Interviews sammeln sich draußen immer mehr Menschen jeglicher Gruppierungen, Parteien, Antifa, Christen der verschiedenen Gemeinden, muslimische Verbände, Menschenrechtler aber auch viele Bürger, die keinerlei Organisation angehören, sondern einfach ein Zeichen setzen wollen. Gegen PEGIDA. Gegen Diskriminierung, gegen Unrecht. Viele schließen sich ganz spontan an, wussten gar nichts von der Demonstration oder hatten eigentlich keine Zeit. Dazu gehören auch Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas und einige der Ratsmitglieder. Nachdem eine geplante Sitzung im Rathaus ausgefallen war schlossen die Lüdenscheider Politiker sich spontan der Demonstration an. Als Privatpersonen, denen es wichtig ist, dass Lüdenscheid sich friedlich aber bestimmt positioniert. So wie alle anderen, die hier mitgehen. Bürgermeister Dzewas meint: „Ich beweise hiermit, dass man auch in meinem Alter noch dazu in der Lage ist, etwas spontan zu tun“

Stellung beziehen durch eine friedliche Demonstration

Die Demonstration führt derweil über unterschiedliche Etappen einmal quer durch die Innenstadt. Begonnen wurde am Rathausplatz. Erster Stopp Sternplatz mit kurzer Kundgebung, dann geht es über den Sauerfeld zum Rosengarten. Auch hier wieder ein Stopp mit Infos zum Thema, klare Statements und weiter geht’s zum Graf-Engelbert-Platz. Dann durch die Altstadt über die Wilhelmstrasse zurück zum Sternplatz. Hier ist dann die Abschlusskundgebung. Stetig schließen sich Menschen an, laufen einfach mit, finden gut, wofür hier gelaufen wird. Die Atmosphäre ist dabei durchweg friedlich, einige Sprechchöre dann und wann, ansonsten eine sehr zielgerichtete, friedliche, sehr bunte Demonstration, bei der Lüdenscheid heute auch nach außen gezeigt hat, dass es zwar „nur“ eine kleine Stadt ist, nichtsdestotrotz aber durchaus in der Lage, sich deutlich gegen „Rechts“ zu positionieren und gegenüber Kräften wie PEGIDA sehr eindeutig Stellung zu beziehen.

Fotostrecke

Bilder: Iris Kannenberg

 

 

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