Zusammen mit den Bewohnern Martina Much und Uwe Mewes sowie den Mitarbeiterinnen Heike Sternemann und Martina Prüschenk machte Gordan Dudas einen Abstecher zum Gedenkplatz im Garten. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Gordan Dudas sitzt auf der Terrasse des Johannes-Busch-Hauses. Mit ihm genießen einige Bewohner und Mitarbeiterinnen die Mittagssonne. Ausklang eines ungewöhnlichen Praktikumstages. „Freitag ist DienstTag“ dieses Mal in einer Einrichtung des Evangelischen Johanneswerkes. „Gemeinsam mittendrin“, so lautet das Leitbild der Einrichtung, die an der Bodelschwinghstraße Menschen betreut, die besonderer Hilfe bedürfen. Das Motto ist wörtlich zu nehmen.

Gleich nach einer kurzen Vorstellung zog der SPD-Landtagsabgeordnete los zum Einkaufen in einem Discountmarkt in der Nähe. Und gleich bekam er einen Eindruck davon, mit welchen Herausforderungen die ohnehin gehandicapten Bewohner zu kämpfen habe. Hohe Bordsteine, Straßenschäden, fehlende Absenkungen und anderes: „An vielen Stellen kommen Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte mit Rollatoren nicht weiter“, sagt Dudas. Alltagsprobleme kontra Barrierefreiheit. „Da müssen wir was tun.“ Das nehme er mit für seine Arbeit im Rat der Stadt Lüdenscheid.

Angemessener Wohnraum fehlt

Eine weitaus größere Herausforderung sei aber die Aufgabe, Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen angemessenen Wohnraum zu verschaffen. „Das scheitert oft schon an ungeeigneten Sanitäreinrichtungen in vorhandenen Wohnungen“, sagt Heike Sternemann von der Tagesbetreuung im Johannes-Busch-Wohnverbund. Und an den Preisen. „Bezahlbar und barrierefrei – das ist eine Seltenheit.“ Deshalb sei sie froh, dass das Johanneswerk einen Investor gefunden habe, mit dem es am Ramsberg ein inklusives Projekt betreibt.

Der Bedarf an solchem Wohnraum steige, hat Gordan Dudas erkannt. Erster Ansprechpartner sei für ihn die Lüdenscheider Wohnstätten AG (Lüwo), an der die Stadt zu 99 Prozent beteiligt ist. „Die Umsetzung ist aber ein Langzeitprojekt.“

Gedenkplatz  im Garten

Beeindruckt hat ihn der herzliche Umgang der Bewohner und der Mitarbeiter und ein Gedenkplatz, den der Wohnverbund in Zusammenarbeit mit den Bewohnern eingerichtet hat. Kleine Stelen, die die Bewohner mitgestaltet haben, erinnern an Verstorbene. Eine Gartenbank und ein Beet laden zum Verweilen und zum Gespräch ein. „Es ist eher ein Ort für Kommunikation als für Trauer“, sagt Martina Prüschenk. Sie hatte als Mitarbeiterin des Johanneswerks die Idee, einen solchen Platz zu schaffen. Für viele Bewohner sei der Ort eine Chance, sich in Ruhe mit dem Thema Tod und Trauer zu befassen.

Beim Kniffeln abgehängt

Für Gordan Dudas ist auch das ein Hinweis darauf, wie achtsam die Menschen im Wohnverbund miteinander umgehen. Aus einer österreichischen Einrichtung hat er den Satz mitgebracht: „Es gibt keine Behinderten, sondern nur Menschen mit Stärken und Schwächen“. Das durfte er auch bei seinem Praktikum erleben. Auch während der Entspannung nach der Arbeit. Beim Kniffeln hängten ihn die Bewohner ab. „Ich wurde Vorletzter“, lachte der Politiker.

Praktikumspause

Der Besuch in der Seniorenabteilung des Johannes-Busch-Wohnverbundes war sein vorerst letzter „DienstTag“. Aus dem Landtagswahlkampf will er seine Praktika heraushalten. „Sollte ich wiedergewählt werden, geht’s im Sommer weiter.“ Dann soll es wieder einmal monatlich heißen „Freitag ist DienstTag“.

 

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