Im Theater Hagen stellen sich rund 240 Teilnehmern mit ihren Projekten der Jury. Foto: tft

Hagen. „Ganz Hagen kämpft für die Zukunft des Theaters. Das ist ein gutes Signal!“ Auf diesen Nenner bringt der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Röspel die Diskussion der vergangenen Monate. „Auf Drängen der Aufsichtsbehörden haben wir per Ratsbeschluss vom März finanzielle Klarheit für das Theater geschaffen. Nun müssen wir ohne Denkverbote gemeinsam mit dem Theater und den Unterstützern in Förderverein und Stiftung den richtigen Weg finden, um das Haus für ein breiteres Publikum und neue Veranstaltungsformate zu öffnen. Wir brauchen eine bessere Struktur der Eintrittspreise, Kostensenkungen in allen Bereichen, attraktivere Angebote mit Event-Charakter, mehr Präsenz und Kooperation in der Region“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Allinaz und Hagen Aktiv.

„Ohne Neuausrichtung wird es nicht gehen“

Dazu müsse eine bessere Mischung aus spezialisierter Hochkultur und attraktiven Programmen mit Breitenwirkung kommen. „Ohne Neuausrichtung wird es nicht gehen; vielleicht nicht einmal ohne Verkleinerung des Orchesters. Denn die demografischen Daten zeigen: Die nächsten Generationenwechsel bringen Hagen deutliche Veränderungen. Generationen mit zunehmendem Migrationsanteil wachsen heran. Auch dafür braucht das Theater passende Angebote! Das lutzhagen ist für mich da Vorbild!“

„Höchster Zuschuss an eine einzelne Institution.“

Für den Grünen-Fraktionssprecher Jochen Riechel ist am wichtigsten, dass „wir dem Theater einen breiten Finanz-Korridor absichern konnten. Mit jährlichen 13,5 Millionen Euro ab 2018 kann von Unterfinanzierung keine Rede sein. Das ist immer noch der höchste Zuschuss an eine einzelne Institution im städtischen Haushalt. Die regelmäßigen Anpassungen an die Tariferhöhungen abzüglich einem Prozent sind eine zusätzliche Sonderkondition für das Theater, die keine andere städtische Tochtergesellschaft erhält.“ Bedauerlich findet Riechel, dass es nicht gelungen ist, auf diesem Weg die Theaterleitung einzubinden. „Anstatt die Öffentlichkeit mit Untergangsszenarien zu verunsichern, wäre es ihre Aufgabe gewesen, eine seit 2013 bekannte Konsolidierungsvorgabe, die erst im Jahr 2018 greifen soll, frühzeitig organisatorisch abzusichern. Dieser Verantwortung haben sich weder Hausleitung noch Aufsichtsrat erkennbar gestellt.“

Bedauerlich findet das auch Dr. Josef Bücker, Vorsitzender der Fraktion Hagen Aktiv. „Da wird anlässlich einer Online-Petition behauptet, die Existenz des Theaters sei „massiv bedroht“. Spartenschließungen, Massenabwanderung der Künstler, Abfindungszahlungen, Prestigeverlust und Umwandlung in ein „bespieltes Haus“ mit Fremdproduktionen stünden bevor. Da wird die „geballte bundesdeutsche Kulturkompetenz“ der Interessenvertreter wie Orchestervereinigung, Bühnenverein, und Künstlern aufgefahren, um Ratsmitglieder wie Schulkinder zu maßregeln.

Viele Menschen, die am Donnerstag demonstrieren wolltn, wüssten gar nicht, mit wie vielen Halbwahrheiten sie gelockt würden. (Anmerkung der Redaktion: Kulturschaffende in Hagen wollen einen Marsch vom Theatervorplatz bis zum Rathaus inszenieren. Der sogenannte Theater-Marsch ist für Donnerstag, den 23. Juni, von 14 bis 17 Uhr geplant.)

„Für mich ist das kommunalpolitisch ganz schlechter Stil!“ Dr. Bücker besteht darauf, dem Theater „nicht mehr zu versprechen als wir bezahlen können. Denn sonst wird dort eines Tages abrupt das Licht ausgehen. Und dafür will ich nicht verantwortlich sein!“

Selbstkritik: Waren oft zu halbherzig

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann sieht in der derzeitigen Debatte „einen wichtigen Fortschritt: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehrere Versuche unternommen, das Theater zukunftsfähig aufzustellen. Selbstkritisch muss ich sagen: Dabei waren wir oft zu halbherzig. Der Rat hat noch vor zehn Jahren einen Intendanten gewählt, der von vorneherein höhere Abstriche beim Budget kategorisch ausgeschlossen hat. Das war eine ehrliche Ansage. Insofern ist Norbert Hilchenbach für seine Amtszeit kein Vorwurf zu machen. Wenn er allerdings heute über Bandansagen die Theaterbesucher für die Zukunft verunsichert, dann mag das seinem Intendanten-Ethos entspringen. Aber im realen Leben schadet er gerade allen potentiellen Nachfolgern. Was wir jetzt brauchen, das ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Der Rat ist dazu bereit.“

Mehr zum Thema: http://www.buehnengenossenschaft.de/protest-theater-marsch-in-hagen-am-23-juni-2016

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