Meinerzhagen. Ein Plakat im Schaufenster weist dezent darauf hin: Um Bücher zu kaufen, braucht es keinen Internet-Riesen. Meinerzhagens „Amazon“ liegt direkt in der Fußgängerzone. Und Bücher liefern Wolfgang Schmitz und sein Team auch bis an die Haustür, wenn der Kunde das wünscht.

Aber noch besser ist es, selbst im Laden zu stöbern. „Schmitz“ ist Kult in der Volmestadt. Die Buchhandlung gehört für viele zum städtischen Inventar, ist Ticket-Shop für KuK-Veranstaltungen, Info-Point und Kommunikationsplattform. Ende Februar feiert Wolfgang Schmitz das 50-jährige Bestehen seines Geschäfts.

Später Start: Kein geeignetes Ladenlokal frei
Zur Eröffnung des Ladens 1984 in der Hauptstraße gab es auch Musik.

Sein Vater hatte im Januar 1965 einen Buchladen im benachbarten Marienheide eröffnet. Wer die Leerstände heute vor Augen hat, kann sich den Grund kaum vorstellen. – Es gab in Meinerzhagen kein freies Ladenlokal. Anfang 1966 eröffnete Josef Schmitz dann den Laden in der Hauptstraße, ehemals Haus Hedfeld. 1974 erfolgte der Umzug in die Hauptstraße 17 (heute Hörgeräte Nockemann). Wolfgang Schmitz stieg nach Studium und Buchhändler-Ausbildung 1980 ins Geschäft ein, übernahmen den laden dann 1984. Zwei Jahre später wurde die Handschrift des jungen Buchhändlers sichtbar.

1. Lesung mit „Ruhrgebiets-Goethe“
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Wolfgang Schmitz (re.) führte nach Übernahme des Buchladens Lesungen ein.

Er warb mit Lesungen für das Buch. „Max von der Grün“, erinnert sich Wolfgang Schmitz noch genau, war der erste Gast der Lesungs-Reihe. Der Schriftsteller aus dem Ruhrgebiet, dessen Motto »Nichts als gegeben hinnehmen«, lautete und den der Spiegel mal als  »Revier-Goethe« bezeichnet hatte.  Lesungen gibt es immer noch, jetzt unter dem Dach des Kulturvereins KuK, den der Buchhändler mit aus der Taufe gehoben hat.

In den 1990-er Jahren wurde aus dem laden für Bücher, Büro- und Schulartikel ein reiner Buchladen. Im Untergeschoss räumte Wolfgang Schmitz dem Weltladen eine Ecke ein, wo fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Schokolade verkauft wurden.

Mit Service punkten

2006 erfolgte der Umzug zur Zur Alten Post. Mit dem Wechsel ins neue Ladenlokal in der Fußgängerzone, vergrößerte sich die Ladenfläche von 90 auf 160 Quadratmeter. Eine Sitzecke lädt zum Stöbern ein, in einer Audio-Ecke können Kunden Bekanntschaft mit Hörbüchern machen. Auf Inseln finden sich aktuelle Themen oder ausgewählte Bücher für Zielgruppen. Und wer Hilfe braucht, findet die auch. Ein Kunde im gesetzten Alter fragt nach, was Herr XY liest. Wolfgang Schmitz kann helfen, empfiehlt einen Krimi. „Wir kennen unsere Kunden. Das gehört dazu“, sagt er. – Service, den ein Internet-Shop nicht bietet, nicht bieten kann.

„Gute Perspektiven“
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Service und Beratung stehen für Wolfgang Schmitz und sein Team, hier Sibylle Mangold, hoch im Kurs. Foto: Rüdiger Kahlke

Amazon und Co. meint Wolfgang Schmitz rückblickend, seien die größte Herausforderung für den Inhaber geführten Buchhandel gewesen. Schwieriger als noch die Konkurrenz der Großen, die sich auch in Mittelstädten in den besten Lagen ausgebreitet hätten. Der Meinerzhagener Buchhändler, hat die Herausforderungen bestanden. 2012 hat er einen Webshop eingerichtet. Damit liefert er Bücher mindestens ebenso schnell, wie die Online-Riesen. Für die Buchhändler, die sich behauptet haben, sieht er „gute Perspektiven“. Dass Lehrkräfte ihren Schülern empfehlen, Bücher im Internet zu stellen, hatte ihn vor einiger Zeit gewundert. Für manche Meinerzhagener war das ein Sündenfall, ein No-Go. Inzwischen sähen das auch die Lehrkräfte so, sagt Wolfgang Schmitz. Er ist mit Schulen im Gespräch, hält Bücher und Lektüren vor, besorgt schnell, was gefragt ist. „Die enge Kooperation mit Schulen ist wichtig“, betont er. Und sie funktioniert inzwischen. Zum Jubiläum startet er eine Malaktion „Bücher lesen“ in den Grundschulen Für die Gewinner gibt es Gutscheine für die Klassen-Bücherei.

Lebensqualität für die Stadt

Die große Welle der Abwanderung ins Internet sei vorbei, meint der Buch-Experte. Viele hätten verstanden, dass mit dem Verschwinden der Buchländen „auch ein Stück Lebensqualität in der Stadt verloren geht.“ Und in den „technikaffinen Ländern wie den USA und England“ gehe auch der Absatz von E-Books inzwischen wieder zurück. Gedruckte Bücher sind „in“. Dass das gedruckte Buch seinen hohen Stellenwert behält, ist der Wunsch des Buchhändlers für die nächsten 50 Jahre – auch wenn der 61-Jährige sich sicher ist, solange nicht mehr im Laden zu stehen.

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