Die Fraktionsmitglieder Kevin Niedergriese, Andreas Kroll, Christian Mechnich und Fraktionsvorsitzender Claus Rudel (v.l.n.r.) lassen sich von WBH-Vorstand Joachim Bihs (Mitte) auf einer Karte die Standorte der zu sanierenden Brücken zeigen, die auf der Lkw-Vorrangroute durch Hagen liegen. Foto: SPD-Hagen

Hagen. „Ein Sanierungsprogramm für Hagener Brücken ist dringend notwendig“ – zu diesem Schluss kommen Hagens Sozialdemokraten nachdem sie sich eingehend mit diesem Teil der Verkehrsinfrastruktur beschäftigt haben. Spätestens im städtischen Etat 2018/2019 müssten Mittel für die Brückensanierung vorgesehen werden, so die SPD. Hier die Pressemitteilung zur „Sommertour“ im Wortlaut:

Ca. 50 Mio. Euro Finanzbedarf
in den kommenden 10 bis 15 Jahren

Nach dem Informationsgespräch führte WBH-Vorstand Joachim Bihs die Mitglieder der SPD-Fraktion noch über das Betriebsgelände an der Eilper Straße. An dem Standort werden in naher Zukunft noch eine Fahrzeughalle und Büros errichtet. Foto: SPD-Hagen
Nach dem Informationsgespräch führte WBH-Vorstand Joachim Bihs die Mitglieder der SPD-Fraktion noch über das Betriebsgelände an der Eilper Straße. An dem Standort werden in naher Zukunft noch eine Fahrzeughalle und Büros errichtet. Foto: SPD-Hagen

„Brücken verbinden – doch was geschieht, wenn die Tragkraft schwindet und das Bauwerk über kurz oder lang einsturzgefährdet ist? Wichtige Fragen, die sich die SPD-Fraktion auf ihrer Sommertour von Hans-Joachim Bihs, Vorstand der Hagener Wirtschaftsbetriebe, beantworten ließ. Denn immer mehr Brücken in Hagen sind nur noch eingeschränkt befahrbar. Geschwindigkeits- und Tonnenbeschränkungen weisen ebenso wie Fahrbahnverengungen und Einbahnregelungen darauf hin, dass die gerade befahrene Brücke Defizite aufweist und somit ihre ursprüngliche Tragkraft eingebüßt hat. Über 200 Brückenbauwerke, so erläuterte Hans-Joachim Bihs während der Fraktionssitzung im Konferenzraum der Hagener Wirtschaftsbetriebe, gebe es in Hagen. 30 davon müssten in den kommenden Jahren saniert oder sogar abgerissen und neu gebaut werden. Eine immense Kostenwellen, die da auf die Stadt Hagen zurollt. Doch ein Investitionsprogramm für die kommenden 10 bis 15 Jahre, bei dem ca. 50 Mio. Euro verbaut werden, scheint alternativlos. Denn Hagens Infrastruktur, und da sind sich die Genossen nach dem anschaulichen Vortrag und dem anschließenden Meinungsaustausch sicher, darf nicht noch mehr gefährdet werden. Schon jetzt, so mussten die Fraktionsmitglieder zur Kenntnis nehmen, seien die Lkw- Vorrangrouten durch die Volmestadt betroffen, Schwerlastverkehr dadurch nur eingeschränkt möglich. Ganz zu schweigen von der Gefahr für Leib und Leben, sollte eine marode Spannbetonbrücke tatsächlich einmal ohne Vorankündigung einstürzen.

„Das wird sicher nicht geschehen. Dafür sind die heutigen Untersuchungsmethoden zu genau und die Intervalle werden immer kürzer“, versicherte Joachim Bihs. In die Hohenlimburger Stennertbrücke werde man zum Beispiel demnächst hineinhören, um den Zustand zu bewerten.

Eine Liste gefährdeter Bauwerke erstellt

„Reißt ein Spannstahl in der Brücke unter der immer größer werdenden Belastung, dann gibt es einen Knall, der aufgezeichnet wird. In der Außenhaut bilden sich aber trotz der Beschädigung keine erkennbaren Risse. Das ist das trügerische bei Spannbetonbrücken, die so nach und nach immer instabiler werden können“, erklärte Bihs. So müssten die Experten schon sehr genau die Baupläne der meist in den 60er und 70er Jahren erbauten Brücken studieren, umfassende Untersuchungen und Messungen vornehmen. „Das tun wir bereits seit geraumer Zeit und werden es in regelmäßigen Abständen auch weiterhin betreiben.“ Doch bei Untersuchungen durch spezialisierte Brückenprüfer, die rechtzeitig vor dem Versagen einer Brücke warnen, so erfuhren die SPD-Ratsmitglieder, könne es auf Dauer nicht bleiben. So wird derzeit bereits die Autobahnbrücke (A 46) über die Berchumer Straße saniert. Zwei Jahre lang wird das in die Jahre gekommene Bauwerk eine Baustelle sein. Im nächsten Jahr soll die Brücke über die A 46 an der Hammacher Straße abgerissen und neu gebaut werden. Auf der Liste der gefährdeten Brücken stehen auch die Fuhrparkbrücke, Talbrücke Helfe, Ischelandbrücke, die Auffahrt zur B7 am Arbeitsamt und die Ribbertbrücke in Dahl. Weitere werden wohl folgen.

Belastung der Brücken um ein Vielfaches gewachsen

Für die SPD-Fraktion steht damit fest, dass spätestens mit dem städtischen Haushalt 2018/19 regelmäßig finanzielle Mittel für die Brückensanierung in Hagen ausgewiesen werden müssen. Zunächst für Ingenieurkosten, dann für die Sanierung oder den Neubau. Denn nach den bislang gesammelten Erfahrungen steht fest, dass zahlreiche Hagener Brücken, die über 90 Jahre abgeschrieben werden, dieses hohe Alter ohne Ertüchtigung nicht erreichen werden. „Wir müssen uns dabei auch vor Augen halten, dass die Belastungen für unsere Straßen und vor allem für unsere Brücken in den vergangenen Jahrzehnten um ein Vielfaches gewachsen sind. Das gilt für die Tonnagen ebenso wir für die Anzahl der Pkw und vor allem der Lkw, die darüber rollen“, so Joachim Bihs.

SPD-Fraktionschef Rudel:
„Funktionierende Infrastruktur ein ganz wichtiger Standortfaktor“

Claus Rudel, Vorsitzender der SPD-Fraktion, ließ keinen Zweifel daran, dass seine Fraktion den Hagener Wirtschaftsbetrieb bei der Bewältigung dieser großen Aufgabe alle Unterstützung zukommen lassen wird. „Wir dürfen nicht zulassen, dass bei uns in Hagen der Eindruck entsteht, wir ließen unsere Straßen und Brücken verkommen.“ Schon jetzt führten Einschränkungen dazu, dass sich namhafte Wirtschaftsunternehmen beschweren und über den Verbleib in Hagen nachdächten. „Eine uneingeschränkt funktionierende Infrastruktur ist ein ganz wichtiger Standortfaktor für unsere hier ansässigen Gewerbebetriebe. Hier können wir uns keine Nachlässigkeit leisten“, mahnt Rudel an. Daher müsse der WBH jetzt auch umgehend ein Sanierungsprogramm für Hagens Brücken auflegen, das der Kämmerer mit entsprechenden Finanzmitteln auszustatten habe. „In dieser Hinsicht werden wir in den kommenden Monaten und Jahren nicht locker lassen“, versicherte Claus Rudel zum Schluss der Sitzung.
Info zum Thema:

  • 23 Brücken wurden in den 60er Jahren in Hagen als reine Spannbeton-Großbrücken errichtet. Sie wurden mit dem heute bekannten problembehafteten Spannstahl gebaut. Je nach Größenordnung der festgestellten Schäden müssen diese Brücken mit verkürzten Prüfintervallen immer wieder untersucht werden.
  • Ein Großteil dieser Brücken befindet sich im Zuge der Verkehrsachse der B 54 und besitzt damit einen hohen Stellenwert für das Verkehrsnetz der Stadt Hagen und damit auch eine unmittelbare Bedeutung für die Wirtschaft.
  • Der WBH wird ein Sanierungsprogramm auflegen. Pro Jahr sollen zwei Brücken mit einem Kostenvolumen von bislang geschätzten 5 Mio. Euro saniert werden, so die Info der SPD nach ihrer Sommertour.

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