UWG-Vorsitzender Thomas Breker (Mi.) begrüßte bei der Jubiläumsfeier besonders die drei anwesenden Gründungsmitglieder. Foto:

Meinerzhagen. „Im besten Alter“ sagt man, wenn jemand 40 Jahre alt wird. Ihr 40-jähriges Bestehen feierte die UWG Meinerzhagen am Sonntag im Ratssaal der Stadt Meinerzhagen. Ein etablierter Middel Ager, der seine Frische bewahrt hat.

Vorsitzender Thomas Breker begrüßte die Gründungsmitglieder, „ohne die wir heute nicht hier wären“, und Gäste aus Politik und Verwaltung. Fraktionschef Raimo Benger hatte bei seinem geschichtlichen Überblick offenbar die Erkenntnis im Hinterkopf, wonach man über alles reden kann, nur nicht über fünf Minuten. In seinem launigen Abriss aus harten Fakten und amüsanten Dönekes, zeichnete er die 40 Jahre UWG in Meinerzhagen nach. – Anstoß zur Gründung war Protest gegen den Abriss der alten Bausubstanz in Meinerzhagen.

Parallelen offensichtlich
Raimo Benger zeichnete kurzweilig 40 Jahre UWG-Geschichte in Meinerzhagen nach. Foto: Rüdiger Kahlke

Die schönen Jugendstilhäuser im Zentrum, wie das „Alte Pastorat“ wurden gegen Betonklötze ersetzt – eine aus damaliger Sicht angeblich „moderne“ Bauweise. Während viele Städte stolz auf ihren alten Stadtkern seien, wurde im Volmeort modernisiert. Benger sah Parallelen zur aktuellen Diskussion über die Umgestaltung an stadthalle und Innenstadt und folgerte: „Die Zeiten ändern sich nur bedingt.“ Die Problemfelder Stadthalle, Straßenführungen Innenstadt-Entwicklung oder Attraktivität des Kinos seien die gleichen geblieben.

Verwaltung unter Zugzwang gesetzt

Und er lüftete – nach Prüfung der Verjährungsfristen – ein Geheimnis, machte öffentlich, wer vor Jahrzehnten auf eigene Kosten Schrottautos abgeschleppt und auf dem Parkplatz des Ordnungsamts-Chefs angestellt hatte. Was vorher nicht klappte, die Entsorgung der alten Kisten, ging dann plötzlich ganz schnell. Wer hätte den Unabhängigen diese Guerilla-Aktion zugetraut?

Streit ums Kino: Keine Pornos

Auch ums Kino gab es Streit. Dort sollten, hatte Benger recherchiert „nicht nur Pornos und Katastrophenfilme“ aufgeführt werden. Jetzt gebe es beides nicht mehr. Wie sich die Zeiten ändern. Gewachsen ist immerhin die Erkenntnis, dass sich Verwaltung und Politik besser aus dem Kino-Programm raushalten sollten.

Ludger K. (Krusenberg), der in der Kabarett-Buundesliga oben mitspielt, fügte mit seiner Einlage im Ratssaal Meinerzhagen der Liste bedeutender Auftritts-Orte wie Berlin oder Hamburg hinzu. Medien-Hype, Beeinflussung, Spiel mit der Angst und Betrachtungen über Konservativismus waren seine Themen. Angst sei das große Geschäft. Viele Krankheiten würden die Menschen nicht bekommen, wenn sie nicht in der „Apotheken-Umschau“ davor gewarnt worden wären.

Kabarett und Konservativismus
Lugar K., Kabarettist aus Duisburg, bot Nachdenkliches udn Amüsantes. Foto: Rüdiger Kahlke

Und während früher der Milchmann die Flaschen vor die Tür stellte und die leeren mitnahm, also Umweltschutz praktizierte, „faseln wir heute von Nachhaltigkeit und werfen alles weg“. Aus falsch verstandener political correctness werden neue Begriffe kreiert wie Feuerschnitzel statt Zigeunerschnitzel. Aus „Schattenkabinett“ ist das „Kompetenzteam“ geworden. Mit Begriffen werde Politik gemacht und manipuliert. „Talk-Showkratie ist unser System“, bilanzierte der Duisburger Entertainer.

Bei Fingerfood, Drinks und dezenter Musik bot sich anschließend ausgiebig Gelegenheit zum Gespräch. – Eine runde Geburtstagsfeier, nicht nur was die Jahreszahl angeht.

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