Da geht's lang: Erhard Pierlings (rechts, mit dem damaligen Regierungspräsidenten Helmut Diegel und Dr. Rainer Müller von Busch & Müller) hat 25 Jahre lang die Geschicke Meinerzhagens entscheidend beeinflusst. Foto: Volker Lübke

Meinerzhagen. Ein Verwaltungschef und Bürgermeister im blauen Schützenkittel, mit der Gitarre beim Kinderchor oder als Motor des Fördervereins der Diakonie? Lässt sich das mit dem stressigen Job als Stadtoberhaupt und Chef einer Verwaltung vereinbaren? Erhard Pierlings hat das geschafft und noch mehr. 25 Jahre hat er die Geschicke Meinerzhagens an entscheidender Stelle beeinflusst. Zum Guten. Das hoben zahlreiche Redner bei der Verabschiedung des Rathaus-Chefs am Mittwoch hervor.

Populäres Stadtoberhaupt und anerkannter Fachmann

Stadtdirektor vom 1. Januar 1988 bis September 1999, danach Bürgermeister vom 12. September 1999 bis zum 22. Juni 2014 – diese 25 Jahre in verantwortlicher Position haben Erhard Pierlings die Anerkennung der Bürgerschaft, von Vertretern aller Parteien, von Verbänden und Vereinen und der Landesregierung eingebracht. „Für mich bist Du so etwas wie der Christian Ude von Südwestfalen“, griff Michael Groschek, NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, zu einem Vergleich mit dem früher Münchener Oberbürgermeister. Erhard Pierlings sei beliebt und populär in der Bürgerschaft und gleichermaßen ein ausgewiesener Fachmann, der von vielen geschätzt werde.

Skeptiker schnell überzeugt

Ehrgeizig, verantwortungsbewusst, voller Arbeitseifer und Engagement – Erhard Pierlings hat schnell alle Skeptiker überzeugt, die vor 25 Jahren fragten: „Ist dieser Wuppertaler Junge der richtige Mann für Meinerzhagen?“ Auch Otto-Rudolf Fuchs, Hauptgesellschafter des größten Unternehmens der Volmestadt und Ehrenbürger Meinerzhagens, würdigte Erhard Pierlings bei der Ratssondersitzung in der Stadthalle. Für überschwängliches Lob ist der Industrielle eigentlich nicht bekannt. Für Pierlings gab es auch aus seinem Mund am Mittwoch ausschließlich gute Noten.

Mann für unbequeme Aufgaben

Superintendent Klaus Majoress heftete Erhard Pierlings das goldene Kornenkreuz der Diakonie ans Revers. Foto: Wolfgang Teipel
Superintendent Klaus Majoress heftete Erhard Pierlings das goldene Kornenkreuz der Diakonie ans Revers. Foto: Wolfgang Teipel

Aufrichtig und unbequem, auch das sind Attribute, mit denen der scheidende Bürgermeister bedacht wurde. Minister Michael Groschek erinnerte daran, dass Erhard Pierlings der einzige war, der sich vor Beginn des Parteiordnungsverfahrens, ausgelöst durch die Kölner Parteispendenaffäre, nicht weggeduckt und den Vorsitz der Schiedskommission übernommen hatte. „Du warst immer ein Mann, der Verantwortung übernommen hat und sich auch unbequemen Aufgaben gestellt hat.“

Authentisch, auch das ist ein Begriff der auf Erhard Pierlings passt. „Mensch sein unter seinen Mitmenschen, das bedeutet soziales Engagement politisch vorleben“, sagte Michael Groschek weiter. Die Arbeit von Erhard Pierlings sei ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Entfremdung von Politikern und Bürgern kein Naturgesetz sei.

Großer Erfahrungsschatz

Auf seinen Meinerzhagener Freund möchte Groschek trotz dessen Ruhestandes künftig nicht verzichten: „Ich werde Dich häufig nach Düsseldorf einladen“, kündigt Groschek am Mittwoch an. „Ich werde Dich vom Bürgermeister zum Quartiersmeister machen.“ Erhard Pierlings solle seine ganze Erfahrung bei der sozialpolitischen Erneuerung von Stadtentwicklungspolitik als Berater der rot-grünen NRW-Landesregierung einbringen.

Goldenes Kronenkreuz der Diakonie

Klaus Majoress, Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, hielt für Erhard Pierlings bei der Ratssondersitzung eine Überraschung parat. Er zeichnete den scheidenden Bürgermeister mit dem goldenen Kronenkreuz der Diakonie Deutschlands aus. Das goldene Kronenkreuz ist die höchste Auszeichnung der Diakonie für ehrenamtliche Mitarbeit im Rahmen der Diakonie.

Ehrenämter eine Herzenssache

Ehrenämter waren und sind für Erhard Pierlings immer eine Herzenssache. So zählt er zu den Gründern des Freundeskreises der Diakoniestation Meinerzhagen und ist nach wie vor dessen 1. Vorsitzender. Er arbeitet mit im Kuratorium des Wilhelm-Langemann-Hauses, gehört dem Stiftungsrat der Jesus-Christus-Kirche an und ist Mitglied im neu gegründeten Freundeskreis Haus Nordhelle.

Für Erhard Pierlings war und ist dieses Engagement eine Selbstverständlichkeit. Bei der Ehrung fühlte er sich an die Worte erinnert, die der ehemalige Superintendent Karl-Friedrich Mühlhoff damals anlässlich seiner Amtseinführung als Stadtdirektor hervorgehoben hatte. „Die Kirche in der Stadt, mit der Stadt und für die Stadt“ hatte der damalige Kirchenkreis-Chef dem jungen Stadtdirektor ins Stammbuch geschrieben. „So schließt sich der Kreis“, sagte Pierlings am Mittwoch bewegt.

 

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